Nachruf auf Vladimír Suchánek

Ende Januar erreichte mich die traurige Nachricht, dass mein guter Freund über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, der tschechische Grafiker Vladimír Suchánek, am 25. Januar 2021 verstorben ist. Geboren am 12. Februar 1933 in Nové Mĕsto nad Metují im nordwestlichen Teil von Böhmen, dimittierte er 1954 als Zeichenlehrer an der Pädagogischen Fakultät der Karls-Universität in Prag, 1960 erfolgte der Abschluss seiner Studien an der Kunstakademie der Stadt. 1965 wurde er Mitglied des Vereins der tschechischen Grafiker Hollar. Ein Verein, der 1975 von den Kommunisten verboten wurde.
Unsere Verbindung entstand bereits 1968 mit meiner Anfrage, ein Exlibris von ihm zu erhalten. Seitdem hat er mehr als 20 Exlibris und PF für die Familie Rödel geschaffen und wir haben uns auch mehrere Male gegenseitig besucht.
Kaum ein anderer Künstler hat es wie er verstanden, Leben in einen Stein zu bringen. Seine fantastischen großformatigen Lithografien mit eleganten Damen fügen sich in jedes Heim mit Interesse für Kunst. Dies spiegelt sich auch in seinen unzähligen Exlibris wider, die ein unentbehrlicher Teil jeder guten Exlibris-Sammlung sein sollten. 
Am internationalen Exlibris-Kongress 2018 in Prag nahm er munter und fidel teil, den Abschluss des Kongresses bildete eine Fahrt nach Marienbad zu einer großen Ausstellung mit einer Retrospektive über sein Gesamtwerk, darunter weit über 400 Exlibris mit Darstellungen, die jedes Sammlerherz höherschlagen lassen. Neben freier Grafik und Exlibris schuf er auch eine beachtliche Anzahl von Briefmarken.
Vladimír Suchánek war aber nicht nur ein hervorragender Grafiker, sondern auch ein ausgezeichneter Musiker, sogar mit einer eigenen Band. Eines seiner relativ letzten Exlibris wurde den Mitgliedern der DEG im Jahrbuch 2018 vorgestellt, ein Freundschaftsexlibris, auf dem sich eine Dame zwischen Künstler und Sammler entscheiden muss. 
Vladimír Suchánek verstarb am 25. Januar 2021 im Alter von 87 Jahren. Er und sein Werk werden für lange Zeit uns allen in Erinnerung bleiben, denn er war als Künstler und Freund eine der wichtigsten Persönlichkeiten innerhalb der Exlibris-Bewegung der Gegenwart.

Klaus Rödel

Exlibris für Susi Kolar-Plicka, o. J., Lithografie

Heinz Decker zum DEG-Ehrenmitglied ernannt

DEG-Ehrenmitgliedschaft für Heinz Decker

Auf der DEG-Jahrestagung 2020 in Bad Bramstedt wollte der DEG-Vorstand unser langjähriges Mitglied Heinz Decker für seine herausragenden Verdienste um das Exlibris und um die Deutsche Exlibris-Gesellschaft auf besondere Weise würdigen. Da die Tagung Corona-bedingt leider abgesagt werden musste, eine Ehrung in großem gesellschaftlichem Rahmen zurzeit also nicht möglich ist, möchten wir diese Ehrung nun auf unkonventionellem Wege vornehmen.

DEG-Mitglied seit 1992, fungierte Heinz Decker bereits ein Jahr darauf als Rechnungsprüfer und übte dieses Amt bis zum Jahr 2000 aus (1993 bis 1996 gemeinsam mit Dr. Wolfgang Pungs und 1997 bis 2000 mit meiner Wenigkeit). An diese Prüfungen im Haus des damaligen DEG-Schatzmeisters Claus Wittal, der unser beider guter Freund war und leider viel zu früh verstarb, erinnere ich mich noch sehr gut und sehr gern.
Im Jahr 2000 wurdest Du, lieber Heinz, dann zum ersten Mal als Redakteur des Jahrbuchs in den DEG-Vorstand gewählt. Zweimal wiedergewählt, hast Du das Amt bis 2012 ausgeübt und die wichtigste Publikation der DEG auf hohem Niveau gehalten. Zu den herausragenden Veröffentlichungen in dieser langen Reihe zählte sicher das Jahrbuch 2004, das Du „Jüdischer Kultur und Exlibriskunst“ gewidmet hast.
Nach diesem Jahresdutzend als Jahrbuchredakteur hast Du Dich noch einmal für vier weitere Jahre in den Vorstand wählen lassen, diesmal als Vizepräsident. Nach 16-jähriger Vorstandsarbeit schließlich hast Du nicht mehr für ein Vorstandsamt kandidiert, wurdest aber in den DEG-Beirat berufen und dientest der DEG als Beiratsmitglied noch weitere vier Jahre bis 2020. Parallel dazu hast Du von 2012 bis 2019 auch noch die Homepage der Gesellschaft betreut, der Du bis heute mit gelegentlichen Beiträgen verbunden geblieben bist.

Über diese DEG-bezogenen Tätigkeiten hinaus hast Du die Exlibriswelt als überaus produktiver Autor einer kaum überblickbaren Anzahl an Schriften bereichert, worunter sich mindestens sechs Bücher und Kataloge befinden. 

2006: Von Johann Baptist Fischart bis Ernst Jünger – Dichterexlibris (Schätze der Exlibriskunst, Bd. 5); 2009: Bühnen-Bilder. Exlibris rund ums Theater (mit Deiner Frau Ulrike Ladnar); 2010: Exlibris zum Friedrichshagener Dichterkreis (mit Ulrike); 2014: Totentanz und Kleine Randbemerkungen zum Krieg – Die Kriegsvisionen von Michel Fingesten; gleichfalls 2014: Deutsche Exlibriskunst. Vom Jugendstil bis heute; 2020: Water, water everywhere (mit Ulrike).
Neben diesen Veröffentlichungen steht eine immense Anzahl von Aufsätzen und Artikeln, die Du für
deutsche, schweizerische, österreichische, englische Zeitschriften, Magazine und Jahrbücher geschrieben hast, und eine gleichfalls große Anzahl von Beitrags-Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt, wobei Dir Deine „Vergangenheit“ als Dozent am University College in Dublin und Lehrer, Studienrat und Studiendirektor am renommierten Frankfurter Goethe-Gymnasium, der v. a. mit dem Fach Englisch betraut war, sicher zugutekam.
Deine Arbeit als Autor, in der Du Dich längst nicht nur, aber doch immer wieder, mit literarischen Themen befasst hast, zeichnet sich in hohem Maße durch sachliche Kompetenz aus. Dabei zieht sich Deine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte und neue Erkenntnisse auf unserem Gebiet wissenschaftlich anspruchsvoll und fundiert, aber dennoch allgemein verständlich und anregend zu präsentieren, wie ein roter Faden durch Dein Werk.

Ebenso wie Humor und Esprit, die Du auch in so manchem Zwischenruf, dieser oder jener Rezension oder Mitteilung versprüht hast. Unvergesslich zum Beispiel Deine Wortschöpfung: „Speck für die SammlermäusInnen“ in einer Glosse zu einem Beitrag über „buchgerechte“ Exlibris in den DEG-Mitteilungen 2010. Oder „Katzenklärchen“, was sich daraus ergab, dass Du früher Exlibris, die in Büchern klebten, die Du auf Flohmärkten gefunden hattest, in Deinem eigenen Computerverzeichnis als „Klärchen“ bezeichnetest, d. h. es war zu klären, wer der Künstler war; und da das erste von Dir aufgefundene Bücherzeichen dieser Art ein Universalexlibris war, das neben dem handgeschriebenen Namenseintrag ein Katzenmotiv aufwies, nanntest Du es eben „Katzenklärchen“; so von Dir erzählt in einem Deiner Beiträge für die DEG-Mitteilungen 2020. Oder die Betreff-Überschrift „Beirexit“ in einer Mail von Dir an mich, auch aus diesem Jahr 2020, in der es noch einmal um Dein Ausscheiden aus dem Beirat ging.

Dein Wirken für das Exlibris, die DEG und die Exlibristen war und ist geprägt von uneigennütziger Hilfsbereitschaft und Liebenswürdigkeit, von Integrität und Verantwortungsbewusstsein.

2016 hat Dir der DEG-Vorstand für Deine vielfältigen einschlägigen Verdienste die Walter-von-Zur-Westen-Medaille verliehen.

 

2020 hat der Vorstand den Beschluss gefasst, Dich zum Ehrenmitglied der Deutschen Exlibris-Gesellschaft zu ernennen. Dazu überreichen wir Dir die von Joke van den Brandt gestaltete Urkunde und fügen unseren ganz herzlichen Glückwunsch hinzu!

Henry Tauber für den DEG-Vorstand

Altena, 1. November 2020

Walter-von-Zur-Westen-Medaille 2020 für Dr. Karl F. Stock

Walter-von-Zur-Westen-Medaille 2020 für Dr. Karl F. Stock

Die neben der Ernennung zum Ehrenmitglied oder zum Ehrenpräsidenten höchste Auszeichnung, die die DEG zu vergeben hat, ist die Verleihung der vom DEG-Ehrenpräsidenten Paul G. Becker gestifteten Walter-von-Zur-Westen-Medaille, im Gedenken an den langjährigen Präsidenten des Deutschen Exlibris-Vereins Walter von Zur Westen. Seit 1988 nunmehr zum 19. Mal für besondere Verdienste um die Exlibris-Bewegung verliehen, geht sie 2020 an Dr. Karl F. Stock. Er ist nach Dr. Ottmar Premstaller, der die Auszeichnung 1995 erhielt, der zweite Österreicher, dem der DEG-Vorstand die Medaille zuspricht.

Dr. Stock wurde 1937 in Graz geboren und ergriff nach dem Ablegen der Matura 1959 den Beruf des Bibliothekars, der zugleich Berufung werden sollte. 1969 zum Dr. der Staatswissenschaften (Dr. rer. pol.) promoviert, leitete er von 1974 bis zu seiner Pension 1997 als Direktor die Bibliothek der Technischen Universität seiner Heimatstadt Graz.

Schon seit 1957 betätigte sich der spätere Bibliothekar als Linolschnittkünstler, seit 1960 beschäftigte er sich mit Exlibris. Im Laufe der Zeit schuf er rund 470 Linolschnitte und ca. 400 Monotypien; unter seinen Arbeiten befinden sich mehr als 100 Exlibris. Seit 2004 Mitglied der Deutschen Exlibris-Gesellschaft, ist er mit einer Auswahl seiner Bücherzeichen in der Künstler-Galerie auf der DEG-Website vertreten.

Die Ehrung mit der Walter-von-Zur-Westen-Medaille erfolgt v. a. in Würdigung der Arbeiten Dr. Stocks als bedeutender Bibliograph. Neben den seit 1962 z. T. gemeinsam mit Rudolf Heilinger und Marylène Stock erarbeiteten umfangreichen Datenbanken, etwa den Personalbibliographien österreichischer Persönlichkeiten und der Bibliographie der Bundesländerbibliographien Österreichs, hat er der Exlibriswelt mit seiner seit 1997 entstandenen Bibliographie der Internationalen Exlibris-Literatur eine Datensammlung zur Verfügung gestellt, die alle jemals in gedruckter Form

publizierten oder im Internet veröffentlichten Verzeichnisse zur Exlibris-Literatur bei Weitem übertrifft. 2020 enthielt diese online gestellte Datenbank mehr als 65.000 Datensätze, davon über 32.000 Künstlerdatensätze; allein die deutsche Exlibris-Bibliographie kommt auf 13.688 Datensätze, davon 5667 Künstlerdatensätze. Auszüge aus den Bibliographien hat Dr. Stock mehrmals auch in Printform veröffentlicht, etwa 2004 bei Saur in München: Österreichische Exlibris-Bibliographie 1881–2003; in Graz 2005: 110 Jahre japanische Exlibris-Literatur in europäischen Sprachen und Exlibris-Zeitschriften; 2010: Schweizer Exlibris-Künstler von A–Z; 2011: Verzeichnis der Exlibris-Künstlerinnen; 2012: Werkverzeichnis der Exlibriskünstler (749 S. mit rund 27.500 Namen und Lebensdaten, soweit ermittelt); 2017: Quintessenz der internationalen Exlibris-Literatur (3. Bde., 1418 S.). Ein gewaltiges Werk, in dem nach eigener Schätzung vielleicht die Hälfte der bislang weltweit erschienenen Exlibris-Literatur erfasst sein mag. (Zu den vermutlich über 120.000 gedruckten Arbeiten zum Exlibris zählt z. B. die große Anzahl von Aufsätzen, die in den mehr als 300 z. T. über mehrere Jahrzehnte hinweg herausgegebenen Exlibris-Zeitschriftenreihen der Exlibrisvereine erschienen sind). 

Die in ihren Ausmaßen schier unfassbare Arbeit Dr. Stocks bildet eine – oftmals unverzichtbare – Forschungsgrundlage für viele Autoren, die sich mit der Exlibris-Geschichte und ihren Protagonisten befassen. Weit über bloße Angaben zu Fundstellen hinausgehend liefert sie Personendaten (AutorInnen, KünstlerInnen, EignerInnen), kurze Inhaltsbeschreibungen, Verweise zu Ländern, Themen, Motiven usw. Ohne Dr. Stocks Leistung wären so manche Erkenntnisse über Exlibris kaum je ans Licht gekommen.

Lieber Herr Dr. Stock, die DEG freut sich sehr, Ihnen die Walter-von-Zur-Westen-Medaille 2020 gemeinsam mit der von Joke van den Brandt vorzüglich gestalteten zugehörigen Urkunde zu überreichen. Ganz herzlichen Glückwunsch!

Dr. Henry Tauber
Präsident der DEG, im Namen des DEG-Vorstands
Altena, 15. Oktober 2020

Piskun, Safiya

Safiya Piskun 
*  14.07.1982 in Minsk

+375 29 274 01 81
lasofia@yandex.ru

Ul. Leshcinskogo 51-52
220140 Minsk
Belarus

1992 – 2000      Besuch des Kunstkollegs in Minsk
2000 – 2006      Studium an der staatlichen weißrussischen Kunstakademie
                             in Minsk, Grafik
2006 – 2007      DAAD-Masterstipendium für Freie Kunst an der
                             Kunstakademie in Münster
Seit 2000           Ausstellungen: Moskau, Estland, Deutschland, Österreich,
                            Belarus u. a.
2007 – 2010     Aspirantur in „Künstlerische akademische Werkstätten für
                            Malerei, Grafik und Skulptur“
Seit 2003           Arbeit als Illustratorin in Verlagen in Belarus, Russland, der
                            Ukraine
2011, 2015, 2019   DAAD-Wiedereinladung für Arbeitsaufenthalt an der                                             Kunstakademie in Münster
Seit 2014           Mitarbeiterin im Bildungszentrum „Slavjanskae slova“ in
                            Minsk
Seit 2008           Ordentliches Mitglied im „Belorussischen Künstlerverband“
Seit 2009           Teilnahme an internationalen Exlibris-Kongressen und
                             Exlibris-Ausstellungen 

Exlibris-Opusliste

Exlibris für Johan Hellekate, "Lebenszyklus", 2019, C3/col.
Exlibris für Anton Vetterle, "Venedig Schale", C3, 2012
Exlibris für Cees Lith, "Der standhafte Zinnsoldat", C3+C5, 2016
Exlibris für Luděk Kříž, "When I will be a Boat", C3, 2018
Exlibris für Stefan Wisniewski, "The way", 2019
Exlibris für Michael Gryksa, "Sammler", C3/col., 2017
Exlibris für Helge Larsen, "Mondpferd", C3+C6/col., 2019

PreisträgerInnen des DEG-Wettbewerbs 2020

PreisträgerInnen des DEG-Wettbewerbs 2020

Bekanntlich musste die DEG ihre Jahrestagung 2020 absagen – die Präsentation der für den Wettbewerb für Exlibris und Gelegenheitsgrafik 2020 eingesandten Arbeiten werden wir jedoch auf der Jahrestagung 2021, die [hoffentlich] vom 06.–09.05.2021 in Gelsenkirchen stattfinden wird, in einer großen Ausstellung nachholen.

Am Wettbewerb beteiligten sich 41 KünstlerInnen aus 18 Ländern mit insgesamt 263 Grafiken (237 Exlibris und 26 Gelegenheitsgrafiken). Die üblicherweise von den TagungsteilnehmerInnen vorgenommene Wahl des „besten Exlibris“ und der „besten Gelegenheitsgrafik“ musste in diesem Jahr leider ausfallen. Aber der Vorstand berief eine Jury zur Vergabe des gleichfalls obligatorischen „Künstlerpreises“. Die Jury bestand aus folgenden Mitgliedern: Rolf Fleischmann (Künstler), Dr. Hans-Joachim Kretz (Sammler), Cees Lit (Sammler), Margo Mulholland (Antiquarin), Anke Polenz (Vorstandsmitglied). Die Preisgelder betrugen 300 € für Rang 1, 200 € für Rang 2 und jeweils 100 € für Rang 3, der zweimal besetzt wurde.

Und dies sind die PreisträgerInnen des DEG-Wettbewerbs 2020 in der Kategorie „Bester Künstler“ bzw. „Beste Künstlerin“:

  1. Lembit Löhmus (Estland)
  2. Irina Kozub (Russland)
  3. Mykhailo Drimaylo (Ukraine) und Anna Perekhodko (Russland)

Neben den Preisgeldern erhalten sie auch die von Joke van den Brandt wie immer sehr schön gestalteten Urkunden.

Die DEG freut sich sehr über den großen Anklang, den der Wettbewerb gefunden hat, und gratuliert den PreisträgerInnen ganz herzlich!

Dr. Henry Tauber, für den DEG-Vorstand  

Lembit Löhmus: Exlibris für Klaus Rödel, 2020, C2, 61 x 61 mm
Lembit Löhmus: Exlibris für Tomas Ostermann, 2019, C2, 60 x 60 mm
Irina Kozub: Exlibris für Hans Manche, 2020, C3, 158 x 162 mm
Irina Kozub: Exlibris für Luigi Bergomi, 2020, C3, 164 x 174 mm
Mykhailo Drimaylo: Exlibris für Joop Sliep, 2019, C3+C5/3, 154 x 121 mm
Mykhailo Drimaylo: Exlibris für Elisabeth Beirnaert, 2019, C3+C5/3, 103 x 102 mm
Anna Perekhodko: Exlibris für Alexey A. Baranov, 2020, L, 122 x 80 mm
Anna Perekhodko: Exlibris für Luigi Bergomi, 2020, L, 137 x 115 mm

EL des Monats September 2020 – Konstantin Kalynovych: Vineyard in Heaven

Exlibris des Monats September 2020: Vineyard in Heaven Konstantin Kalynovych: Exlibris für Jana K. & Peter B., 2013, C 3, 98 x 108 mm

So früh wie selten beginne dieses Jahr die Weinlese in Deutschland, konnte man vor kurzem in verschiedenen Zeitungen lesen, die Ernte früh reifender Sorten für den Federweißen setzte beispielsweise in Rheinland-Pfalz schon vor Mitte August ein, und die Hauptlese soll Anfang September beginnen.

Da liegt es nahe, als Exlibris des Monats September ein Blatt zu präsentieren, in dem die Weinlese im Mittelpunkt steht. Konstantin Kalynovych hat es für Jana K. & Peter B. radiert. In der Mitte der Radierung sieht man einen halbnackten Mann in einem riesigen Bottich stehen, der wohl mit seinen Füßen kraftvoll die Reben zerstampft, um aus ihnen so viel von ihrer süßen Flüssigkeit zu gewinnen, wie es nur möglich ist. Man muss schon auf einer angelehnten Leiter hochsteigen, um ihm bei seiner Arbeit zu helfen. Manche der ihn umstehenden Buttenträger, die die von ihnen mit der Hand gelesenen Früchte auf dem Rücken zu ihm schleppen, stecken sich auch noch die eine oder andere der Weintrauben in den Mund. Unten rechts stehen Maultiere und Ochsen bereit, um die Früchte zur Kelter zu bringen.

Die Szene mit dem Karren und den Herbstern, wie die Helfer bei der Weinlese früher hießen, vor dem prächtigen Schloss im Hintergrund deutet man schnell als Ins-Bild-Setzen einer idyllischen Erntesituation aus längst vergangenen Zeiten. Romantisch, denkt man, so ganz ohne diese modernen Vollerntemaschinen.

Bei genauerer Betrachtung sieht man, dass sich das zentral positionierte Fass dieser Deutung entzieht: Denn es erscheint eigentlich wie eine eigene Welt, ein eigener Globus, die angelehnte Leiter wird zur Jakobsleiter, der Leiter, die Erde und Himmel miteinander verbindet und die man auf vielen Gemälden und an Außen- und Innenwänden vieler Klöster und Kirchen des Mittelalters und der frühen Neuzeit findet. Die Weinberge unten verwandeln sich in luftige Wolken oben. Der Winzer im Fass in der beschienen Erdkugel wird zur Christusfigur und die Butten auf den Rücken der Helfer werden zu Engelsflügeln. Dass der Künstler seinem Blatt handschriftlich einen Titel gibt, nämlich Vineyard in Heaven, bestätigt, dass es ihm nicht in erster Linie um stimmungsvolle nostalgische Herbst-Reminiszenzen geht, sondern um eine bildstarke, differenzierte Darstellung der religiös-moralischen Frage, wie die Beziehungen des heutigen Menschen und seines Weinbergs, also der Lebensrealität seiner Gesellschaft, zu dem göttlichen Weinberg aussehen.

Die Exlibris von Konstantin Kalynovych, einem 1959 in Novokusnezk, einer Stadt im südwestlichen Sibirien, geborenen ukrainischen Künstlers, erkennt man meistens auf den ersten Blick. Künstlerisch stechen sie durch ihre technische Perfektion hervor; inhaltlich begegnet man auf ihnen vielen Motiven und Figuren, die einem vertraut sind und die man bei genauerer Betrachtung großen Gemälden der letzten Jahrhunderte zuordnen kann. Man wird an Rembrandt erinnert, an Vermeer, stößt auf Botticellis Venus und Klimts Adele Bloch und viele andere berühmte Ikonen der Kunstgeschichte; dabei kommt es auch zu überraschenden Begegnungen zwischen Figuren unterschiedlicher Zeiten und Kulturen.

Das hier vorgestellte Exlibris des Monats erinnert nicht nur an etwas, sondern scheint geradezu etwas zu kopieren: ein Monatsblatt nämlich aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry (Les Très Riches Heures), das der Herzog 1410 in Auftrag gegeben hatte und an dem die drei beauftragten Künstler – die drei Brüder Limburg, denen Kalynovych sein Exlibris auch gewidmet hat – bis zum Tod des Herzogs im Jahr 1416 gearbeitet haben. Die unvollendete und ungebundene Handschrift gelangte an das Haus von Savoyen, wo es von einem anderen Künstler, Jean Colombe, vollendet wurde, um dann jahrhundertelang für spurlos verschwunden zu gelten. Aber das ist nicht das heutige Thema, deswegen nur so viel: Man kann es seit über einem Jahrhundert im Schloss Chantilly betrachten.

 

Wenn man das Exlibris mit seiner wunderbaren Vorlage genauer vergleicht, so fällt auf, dass Kalynovych nur auf den ersten Blick vieles beibehalten hat: das Schloss, die Weinberge, die Traubenlese, der Karren mit den Maultieren, die Personen, die die Trauben versuchen, und viele Details, so die Frau links, die über das beim Bücken entblößte Hinterteil eines erntenden Mannes rechts lachen muss und vieles andere mehr. Aber der zentrale Unterschied ist frappierend: Steht dort das prächtige und glanzvolle Loire-Schloss Saumur im Mittelpunkt, so tritt es ebenso wie der Turnierplatz darunter bei Kalynovych zurück hinter seinem zentralen Motiv über der Himmelsleiter.

Wenn Sie das September-Monatsbild aus dem Stundenbild des Herzogs von Berry mit dem September-Exlibris von Konstantin Kalynovych genauer vergleichen wollen, als es auf diesem engen Raum möglich ist, so finden Sie es wie die anderen 11 Monatsbilder auch bei Wikipedia unter dem Stichwort Les Très Riches Heures abgebildet. Auf der Website des Künstlers können Sie dann auch andere seiner Umdeutungen der mittelalterlichen Monatsbilder betrachten – und ich verspreche Ihnen, dass Sie, wenn Sie sich damit eine verregnete Septemberstunde vertreiben, eine anregende Zeit haben werden, in der Sie ausfallende Kongresse, Regen, Corona und alles andere einmal vergessen.

Ulrike Ladnar

 

Sieger des Logo-Wettbewerbs der DEG

Sieger des Logo-Wettbewerbs der DEG

Im letzten Jahr schrieb die DEG einen Wettbewerb für ein neues Vereinslogo aus (Preisgeld 500 €), durch das das bis dahin verwendete, inzwischen 30 Jahre alte Signet ersetzt werden sollte. Einsendeschluss des Wettbewerbs war der 31. Dezember 2019, unmittelbar danach wurde ein Sieger-Entwurf gekürt. Diesen Entwurf hat die DEG sodann sukzessive in Gebrauch genommen. Die offizielle Preisübergabe sollte im Mai 2020 auf der DEG-Tagung in Bad Bramstedt stattfinden und nach deren Corona bedingter Verschiebung im November des Jahres. Nachdem die Tagung nun ganz abgesagt werden musste, hat sich der DEG-Vorstand entschieden, die öffentliche Ehrung auf diesem Wege vorzunehmen.
Am Logo-Wettbewerb nahmen KünstlerInnen aus insgesamt sechs Ländern teil; in die Endausscheidung kamen schließlich sieben KünstlerInnen aus fünf Ländern. Die Jury bestand aus den Mitgliedern des DEG-Vorstands, die außerdem Josef Werner als Künstlermitglied in die Jury beriefen. Zum klaren Gewinner des Wettbewerbs wurde Prof. Dr. Krzysztof Marek Bąk aus Polen gewählt.
Das Sieger-Logo zeigt die drei vertikal angeordneten, stilisierten Buchstaben „D E G“. Sie können als Inszenierung von drei übereinander liegenden Büchern gesehen werden oder als zwei Bücher, zwischen die drei Seiten (mit Exlibris) oder drei Exlibris gelegt sind. Prof. Bąk selbst bezeichnet die Konstellation mit einem Augenzwinkern auch als Exlibris-Sandwich. Jedenfalls symbolisiert die Darstellung die enge Verbindung zwischen Buch und Exlibris und ist deshalb ein äußerst passendes Signet für die Deutsche Exlibris-Gesellschaft, deren Vereinszweck in der Förderung von Kunst und Kultur besteht, insbesondere in der Förderung und Pflege der Exlibriskunst.

 

Prof. Bąk (* 1977) ist Dekan der Fakultät für Kunst- und Erziehungswissenschaften an der Schlesischen Universität Katowice, wo er am Institut für Bildende Kunst das Modern Bookplate Research Studio leitet. Als einer der herausragenden Vertreter des mittels digitaler Techniken geschaffenen Exlibris hat er mehr als 1.700 Bücherzeichen und Kleingrafiken geschaffen. Seine Arbeiten waren in nahezu 100 Einzelausstellungen zu sehen, in vielen europäischen Ländern, den USA, Japan und Kuwait. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, ist Leiter des Internationalen Exlibris-Wettbewerbs in Gliwice – und Mitglied der DEG.

Lieber Krzysztof: Noch einmal ganz herzlichen Glückwunsch für den großartigen Logo-Entwurf!

Dr. Henry Tauber für den DEG-Vorstand

Foto: Klaus Thoms

Antonacci, Marianna

Marianna Antonacci 
Italien

Profile

Since I was a child I have always been fascinated by the countless illustrations of the “Corriere dei Piccoli” by Walter Molino’s caricatures and by the Ex libris, an extraordinary miniature. I have known them since my childhood, when I used to look through my grandfather’s books in the attic or in his library in Alberobello. Here there were all kinds of objects but, above all, ancient books of all sizes with precious and rare binding on canvas with a golden title (which I still jealously preserve today). It is in one of these volumes extracted from the library and subtracted from the company of the other books that I met for the first time an Ex libris. (I remember the phrase “Hic liber est meus” exclusively aimed at returning the book). I realized that the small, fine-grained piece of paper pasted on the reference page of the book, that I found in the other volumes, was a printed reproduction of a precious piece of paper, with a fine drawing, multiplied as many times as the number of books owned by my grandfather. It carried a precise design, a “Libra” symbol of equity and the family motto, corresponding to the linear and soft style of Art Nouveau. I realized that the slightly ivory sheet of laid paper told the story of a book belonging to a family of books, and therefore, to a family of people. The choice of the Artistic High School and then of the Academy of Fine Arts in the beautiful, fascinating and unique city of Lecce was determined by a natural attraction for art and the search for how it is possible to create matrices that can multiply images. And here is the alchemical experience of “etching” whose main role is played by the mordants and etches on the amorphous metal plate.

But the Matrix must be carefully prepared in order to withstand the violent action of the mordant. This is the most fascinating moment, the most delicate and dangerous one of the entire Etching, that is when the plate modified in its original structure generates images that materialize themselves in dots, hatches, crossings – strong or delicate contrasts – in the articulated game between black and white.

Matrix and acid enter into synergy and contrast in a sort of struggle for the supremacy of the sign. That sign that was not there before is now present, becomes a sort of witness and interpreter of culture, history and life of every man in every country.  Moving to Rome in the late 1980s, I regained my artistic vocation. I participated in national and international Exlibris competitions and I had the opportunity to tell, interpret and reveal my secrets. Since then over the years my publications appeared on catalogues, then I have received awards, honourable mentions or reports for originality and merit.

Exlibris Officine Incisorie 2018, Tell me a `Story´, 2019, C3 - - - - - - TELL ME A STORY THE WINE Once up on a time, there was a farmer who planted a vineyard: he was planting the young shoots. While he was planting the sarments Satan, the devil, passed by there and said: “ Handsome man, what are you doing? “ “I am planting these sarments to bring a beautiful fruit in the summer, then I will crush this fruit, put in the containers and a beautiful drink will come out of this fruit in the coming winter!”. Satan said, “Can I keep you company?” “ Yes! ” And Satan took a lion, a pig and a monkey, he slaughtered them. He collected all their blood, put it in a container and the next morning he presented himself to this man who was planting the vineyard. He said: “ Handsome man, we must put all the sarments, in this blood, because the drink of this fruit will give the strength of the lion to those who drink it moderately; those who drink more will instead become a pig lying on the ground, and those who go further will become a monkey.

Preise und Ehrenvolle Erwähnungen  2014 to 2019

The Haunted Wood 2014 edition theme “Gabriele D’Annunzio”  ■ Special mention 1st classified Title “Impressioni Pugliesi” from Gabriele D’Annunzio’s travel diary in Puglia.

International Exlibris Competition: “Aldo Manuzio from paper to paperback”.  ■ The work was considered worthy of reporting. 

The Haunted Wood 2016 edition Theme “Alice in Wonderland”  ■ Reported by the Jury  Title “Waking up with light feet discovering that it had been a dream” 

Exlibris 1st Edition 2016 ENGRAVING WORKSHOPS Abbey of San Nilo from Grottaferrata  ■ Finalist artist – classification order 6th  Title “Private Renaissance” taken from the book by Maria Bellonci

The Haunted Wood 2017 edition Theme “The Jungle Book” 

■ Special Jury Award Title “The moonlight at the entrance to the den was darkened: the large square head and shoulders of Shen Khan had slipped into the entrance.” I want my prey ”  Raksha: “The man-cub is mine!” 

Mestre Alberto Benvenuti Award Fourth edition 2017  ■ M.P. 4th prize  Title “Christmas Musicians” 

Stadtmuseum. MOSBACH 2017 Exlibris Germany  ■ 2nd prize  Title “Metamorphosis”  

Biennial of Contemporary Graphics Diego Donati award V Perugia edition 5 December 2018  ■ Certificate of merit  Title “Progress Geometries”

International Exhibition Exlibris “Signature” 2018 Galerija Meander Apatin -Serbia-  ■ First Prize “Dreams”   Title Armistice  1918 “An unknown life appeared before one’s eyes: the inexplicable condemnation” 

DEG congress in Wetzlar 2019 Germany  ■ Third prize P.F. Merry Christmas from Alberobello  Title “Invitation to Silence” 

IX International Biennale of Exlibris CONTRATALLA 2019 Tarragona  –Spain  ■ Honorable Mention  Title “The wine” 

Exlibris In Fabula 2nd edition 2018 OFFICINE INCISORIE  ■ First classified  Title “The wine” inspired by the Apulian traditional collection of fairy tales “Tell me a story” by Dino Angelini

Exlibris Dr. Armando Sanasi, 99, The number one from the Ox to the dying Buddha, 2019, C3+C5 - - - - - THE RAT. 2020 Accordings to the legend Buddha, in the premonition of his end on Earth, summoned all the animals of the Earth, but only 12 went to offer their greeting. As a reward for their loyalty, the Buddha decided to call year of the lunar cycle with the name of each of the 12 animals rushed. The mouse, crafty and quick by nature, arrived first. The diligent ox finished 2nd. The legend explains why the clever little mouse succeeded in defeating the big and honest Ox. Climbing on his back, the mouse avoided going down the road and when he reached the place he jumped the Ox and greeted the Buddha. The mouse is considered an extraordinary case and has a characteristic: while the front legs have four toes, the rear ones have five: 4+5=9 . Therefore associated with the number 9.
Exlibris Claudia Oppes, Here lies the most beautiful secret of old age: perpetuare that fleeting embrace, 2020, C3
Pro Festivitate Natale 2019 GENOA, Merry Christmas to you Genova, 2019, C3
Pro Festivitate Marianna Antonacci, Invitation to Silence, 2019, C3+C5
Exlibris Stefani Sanasi, 2017, C3
Exlibris Brigitte Esche, DANDY, Épater la Bourgeoisie, 2019, C3 - - - - - AMAZING THE BOURGEOISIE The great dandy Owl, nostalgic for the Ancien Regime, with an indifferent air shows himself in full self-control and the impossibility of being emotionally touched by e gente. The stick serves to establish the boundaries of the group to the dandy and to highlight the differences with the mass. The owls , resting on the black stick, wear refined hats and exhibit elegance in clothing . They express contempt and disgust for the mass that insolent and impertinent has fun with simplicity by jumping and dancing the Neapolitan Tarantella on the keyboard of a piano.
L´ARCO DI GIANO, The Color of Light, 2004, C3