Das 32. Berliner Exlibris-Treffen (bet)

Das 32. Berliner Exlibris-Treffen (bet)

Nach einem Jahr Zwangspause fand am 6. November das Berliner-Exlibris-Treffen – hervorragend organisiert von unserem Mitglied Wolfgang Fiedler – wieder mit ca. 45 Gästen statt. Das Thema der diesjährigen, von Wolfgang Fiedler zusammengestellten Ausstellung, war Birgit Göbel-Stiegler – eine große Sammlerin, die an unsere im letzten Jahr verstorbene ehemalige und langjährige Geschäftsführerin und Trägerin der Walter-von-Zur-Westen-Medaille, die schmerzlich vermisste Birgit Göbel-Stiegler in angemessener

Weise erinnerte. Anwesend waren unser Präsident Dr. Henry Tauber und Birgits drei Kinder Ines, Manon und Gerrit. Ebenfalls anwesend waren die Künstler Falk Geissler, Norbert Salzwedel, Utz Benkel und Elena Kiseleva.
Es war ein besinnlicher, aber auch munterer Tauschtag bei Kaffee und Kuchen, Kartoffelsalat und Bockwürsten. Außerdem wurden zwei neue Mitglieder für die DEG gewonnen: Brigitta Lizinski, Berlin (Wiedereintritt) und Peter-Jörg Preuschoff, Berlin.

Utz Benkel

Foto: Henry Tauber
Erhard Beitz: In memoriam Birgit Goebel-Stiegler, 2020, Kupferstich

Walter-von-Zur-Westen-Medaille 2021 für Ulrike Ladnar

Walter-von-Zur-Westen-Medaille 2021

Wusstest Du eigentlich, dass Du nur 2 Tage vor dem Geburtstag des heute vermutlich erfolgreichsten deutschen Gespensterkrimi-Autoren geboren wurdest? Der heißt Helmut Rellergerd und hat unter dem Pseudonym Jason Dark v. a. Romane der Geisterheftreihe „John Sinclair“ geschrieben, wohl mehr als 2.000 Geschichten. Rellergerd kam am 25. Januar 1945 in Altena-Dahle zur Welt.

Du, liebe Ulrike Ladnar, bist wie gesagt, 2 Tage vor ihm in Baden bei Wien zur Welt gekommen, bist in Bad Mergentheim in Baden-Württemberg aufgewachsen, wo u. a. Eduard Mörike 7 Jahre gelebt hat, hast in Frankfurt am Main Germanistik, Slavistik und Geschichte studiert, bist dann dortgeblieben, wenngleich Du auch immer wieder nach Baden gegangen bist, und wurdest Gymnasiallehrerin und Lehrerausbilderin.

Als solche warst Du Autorin von Schulfunksendungen, hast an Lehrwerken mitgearbeitet, Arbeiten zur Didaktik und Methodik des Deutschunterrichts geschrieben, zahlreiche Unterrichtshilfen verfasst. Und Du hast 5 historische Kriminalromane geschrieben, die im Gmeiner-Verlag und im Nikros Verlag erschienen sind und in Wien, Frankfurt und Süddeutschland spielen.

In diesem Zusammenhang gibt es ein Interview von Dir auf Youtube, aus dem ich mir ein paar Ausschnitte gemerkt habe, z. B. dass Du mit Deinen Schülern ein Abkommen hattest, dass sie ein Buch nicht aus der Hand legen sollten, bevor sie die Seite 30 erreicht hatten, „um dem Autor eine Chance zu geben“. Oder einen Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg, der sinngemäß lautet: „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, muss das nicht am Buch liegen.“ Oder Deine Antwort auf die Journalistenfrage, was man verpasst, wenn man nicht liest: „Man verpasst, in Muße über das eigene Leben nachzudenken.“

Dass Du eine Femme de lettres bist, davon hat schließlich in besonderem Maße die DEG profitiert durch zahlreiche Schriften zum Exlibris, die Du publiziert hast, z. B. mit Deinem Mann Heinz Decker: über „Bühnen-Bilder. Exlibris rund ums Theater“, das war 2009, ein Jahr darauf über „Exlibris zum Friedrichshagener Dichterkreis“, oder 2020 den Ausstellungskatalog „Water, water everywhere“. Artikel für das DEG-Jahrbuch gehörten dazu, etwa 2004 über „Jüdische Vertreter der Wiener und Prager Moderne und ihre Exlibris“, 2012 mit Heinz über „Josef Sechés Exlibris und Gebrauchsgrafik“ oder 2020 über „Politische Redner als Motiv auf Exlibris“.
Vor allem aber warst Du von 2016 bis 2021 Redakteurin des DEG-Jahrbuchs, die Jahre bis 2020 als Vorstandsmitglied der DEG, und hast das Aushängeschild der Gesellschaft auch noch nach Deinem Ausscheiden aus dem DEG-Vorstand souverän weitergeleitet, in Deine Zeit fallen z. B. die beiden Themenbände über „Komisches und Heiteres im Exlibris“ 2018 und über „Politischen und gesellschaftlichen Wandel“ 2020. Für die „DEG-Mitteilungen“ hast Du seit 2006 eine ganze Reihe von Beiträgen geschrieben, Rezensionen über das Jahrbuch der Gesellschaft der Bibliophilen „Imprimatur“, das ÖEG-Jahrbuch oder über Claudia Karolyis Gedichtband „Ephemera“.

Auch für die Schriften unserer befreundeten Exlibrisvereine in Österreich, also die ÖEG, und in der Schweiz, den SELC, hast Du Beiträge geschrieben, z. B. über „Exlibris von Sofia Maly“ im ÖEG-Jahrbuch 2013–2014, oder über „Exlibris der Lyrikerin Brigitte Fuchs“ und das „Exlibriswerk von Henriette Grimm“ in der Jahresgabe des SELC über „Schweizer Exlibriskünstlerinnen“ 2020–2021. Ebenso für die Mitteilungen der Gesellschaft der Bibliophilen, die „Wandelhalle für Bücherfreunde“, oder die „Marginalien“ der Pirckheimer-Gesellschaft: „Im Geäst der Initialen“ und „Im Gespinst der Bilder“ – „Schrift und Bild im Exlibris, Teil 1 und 2“ 2018, den gleichfalls launigen Titel

Foto: Klaus Thoms

„Hat Mona Lisa Zahnschmerzen ? Bildzitate im modernen Exlibris“ 2019 oder, abermals mit Heinz, „Wenn Bücher vom Himmel regnen – Füllhörner und die Büchse der Pandora als Exlibris-Motive“ 2021. Sehr glücklicherweise hat Dich der DEG-Vorstand 2020 in seinen Beirat berufen, wo Du uns buchstäblich als enge Beraterin zur Seite stehst, wofür Dir die DEG sehr zu danken hat.

Als ich Euch das erste Mal in Frankfurt besucht habe und Dir nach meiner Erinnerung ein Büchlein mitbrachte, hast Du mir gesagt, dass man sowieso mehr Bücher als Blumen verschenken sollte, jedenfalls würdest Du Dich darüber freuen.

 

Nun schenken wir Dir heute keine Blumen, aber auch kein Buch, sondern wir verleihen Dir eine Medaille und eine Urkunde, genauer: die 20. Walter-von-Zur-Westen-Medaille mit der zugehörigen schönen Urkunde von Joke van den Brandt! Und wir hoffen, dass Du Dich auch darüber freust!

Liebe Ulrike, ganz herzlichen Glückwunsch! 

Laudatio, gehalten von Henry Tauber am 23.10.2021 in Haltern am See

PreisträgerInnen des DEG-Wettbewerbs 2021

Nach zweieinhalbjähriger, v. a. coronabedingter Pause konnte die DEG vom 21. bis 24. Oktober erstmals wieder ihre Jahrestagung, diesmal in Haltern am See, abhalten.

Zu den Höhepunkten der Tagung gehört traditionsgemäß die Präsentation der für den Wettbewerb für Exlibris und Gelegenheitsgrafik eingesandten Arbeiten und die Auszeichnung der gewählten SiegerInnen in den einzelnen Kategorien.

Am Wettbewerb 2021 beteiligten sich diesmal 73 KünstlerInnen aus 16 Ländern mit insgesamt 244 Grafiken (220 Exlibris und 24 Gelegenheits-grafiken).

Die Jury (Bert Groeneveld [Antiquar], Bärbel Kieninger [Sammlerin], Ulrike Ladnar [Beirätin], Karl Pellens [Sammler], Oleksandra Sysa [Künstlerin]) sprach folgenden Teilnehmern die Preise in der Kategorie „Bester Künstler“ bzw. „Beste Künstlerin” zu:

Sergey Kirnitzkiy: Exlibris für Anneliese Ostermann, C4+C7, 2021

1. Sergey Kirnitzkiy (UA)
2. Oleg Dergachov (F)
3. Regina Franke (D)

Die Publikumspreise gingen an:

Silvana Martignoni (I) – „Bestes Exlibris“ (für Anke Polenz)

Anna Perekhodko (RUS) – Eigen-PF

Neben den Preisgeldern (300 €, 200 €, 100 €) erhalten die GewinnerInnen auch die von Joke van den Brandt wie immer sehr schön gestalteten Urkunden.

Die DEG freut sich sehr über den großen Anklang, den der Wettbewerb gefunden hat, und gratuliert den PreisträgerInnen ganz herzlich!

Dr. Henry Tauber, für den DEG-Vorstand 

Sergey Kirnitzkiy: Exlibris für Kurt Ostermann, C4+C7, 2021
Oleg Dergachov: Exlibris für Josef Burch, "Skull of Emperor", C3+C5, 2020
Oleg Dergachov: Exlibris für Anke und Hartmut Polenz, "Fantasy Megapolis", C3+C5, 2020
Regina Franke: Exlibris für Smilla, C3, 2021
Regina Franke: Exlibris für Titus, C3, 2021
Silvana Martignoni: Exlibris für Anke Polenz, C3, 2021
Anna Perekhodko: PF 2021, "Year of the Bull", L, 2020

PreisträgerInnen der X. Biennal Internacional d´Ex-Libris „Contratalla 40 Anys“

Die Jury des großen Wettbewerbs X. Biennal Internacional d´Ex-Libris „Contratalla 40 Anys“ in Tarragona (Katalonien) hat ihre Preise vergeben.
Am Wettbewerb beteiligt hatten sich 95 KünstlerInnen aus 25 Ländern mit insgesamt 310 Arbeiten.
Dabei ging der 1. Preis an Lembit Löhmus (Estland), Platz 2 an Ivan Rusachek (Belarus), Platz 3 an Venancio Arribas (Spanien). Der Ehrenpreis der Jury wurde Hristo Kerin (Bulgarien) zugesprochen.
Unter den KünstlerInnen, die „Ehrenhafte Erwähnungen“ erhielten, befinden sich auch vier DEG-Künstlermitglieder: Marianna Antonacci (Italien), Krzysztof Bak (Polen) mit einem Exlibris für Klaus Thoms, Natalija Cernecova (Lettland) sowie Oleg Dergachov (Frankreich). Und auch bei den mit dem Prädikat „Ausgewählte Werke“ geehrten KünstlerInnen sind drei Mitglieder der DEG: Nurgül Arikan (Türkei), Rajmund Aszkowski (Polen) und Katarzyna Handzlik-Bak (gleichfalls Polen).
Die DEG gratuliert ganz herzlich! 

Beitragsbild auf der Startseite:
Lembit Lömus: Exlibris für Johnny Mann, 2019 

(Henry Tauber) 

https://drive.google.com/file/d/1XYqKHyJYkpappyiCPxAPmG-3j_r19xMp/view?fbclid=IwAR3afUzwTZW-HsHwq1_WsoBhOt2k5_14ejB9uvmeB9f7pal9UqxTWT9YanE 

Krzysztof Bak: Exlibris für Klaus Thoms, opus 1823, 2020

Zum Tod von Gordon P. Smith

Aus England erreicht uns die traurige Mitteilung, dass der Sammler Gordon P. Smith im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Anderthalb Jahrzehnte lang (1997–2012) war er ein reges Mitglied der Deutschen Exlibris-Gesellschaft, besuchte regelmäßig die DEG-Tagungen, als Sammler ein überaus großzügiger Tauschpartner, der selbst eine exquisite Exlibris-Kollektion mit Blättern prominenter KünstlerInnen besaß, als Auftraggeber ein langmütiger Eigner. Im Rahmen meiner beiden Ausstellungen 2002 und 2004 in der Reihe „Schätze der Exlibriskunst – Exlibris bekannter Künstler“ gehörte er zu den Hauptleihgebern und erwies sich darüber hinaus als wichtiger Ratgeber bei den zugehörigen Recherchen. Gordon war ein distinguierter Gentleman der alten Schule, ausgestattet mit einer gehörigen Portion englischem Humor. Als wir ihn zuletzt 2017 in seinem Haus in Cumbria im nordwestlichen England besuchten, erinnerten wir uns beide lächelnd an eine Begebenheit anlässlich einer der DEG-Tagungen: Am Festabend hatten wir bei (relativ lauter) Begleitmusik zusammengesessen und geplaudert, wobei wir beide mit zunehmender Lautstärke gegen den Dezibel-Pegel der Musik ankämpfen mussten. Nach langer Geduldsphase sagte er schließlich zu mir (auf Englisch): „Henry, können wir uns mal umsetzen? Du redest die ganze Zeit in mein linkes Ohr hinein, damit kann ich aber nicht so gut hören!“ Darauf ich nach einem Lachkrampf: „Gordon, die ganze Zeit redest Du in mein rechtes Ohr hinein, und damit kann ich nicht so gut hören!“ Wir setzten uns also anders herum, wonach es sich wesentlich entspannter reden ließ, und kriegten uns vor Lachen kaum ein. Gordon wird der Exlibrisgemeinde fehlen, aber in seinen Eigen-Exlibris, die viele Sammlungen schmücken, in bester Erinnerung bleiben.

Henry Tauber

Foto: Tomas Ostermann
Peter Velikov (BG)
E. Burne-Jones, Pinx 1868 - Roy Cooney, Sc. 1996

DEG-Jahrbuch 2021

Das neue Jahrbuch bietet einen bunten Strauß von Themen, eine Fülle an Informationen und Abbildungen. Zehn Autoren und Autorinnen haben sich mit je einem speziellen Thema auseinandergesetzt. Ulrike Ladnar vergleicht in ihrem Vorwort ein Exlibris mit einem gleichschenkligen Dreieck. Eine Ecke steht für den Eigner, die zweite für den Künstler und die dritte repräsentiert den Inhalt. Zu allen drei Aspekten sind in diesem Jahrbuch Beiträge zusammengekommen.

Karsten Weber beginnt mit dem Vorstellen von Weltbildern im Kleinformat. Er stellt Bilder und Ansichten vor, welche die Menschen sich von der Welt, in der sie leben, machen. Unsere Weltanschauungen, die verändert und angepasst werden, wenn es darum geht, Unbekanntes wissenschaftlich oder kulturell zu erforschen und zu erklären. Die Astronomie, die Mathematik, die Literatur, die Musik, oder gar Darwins Evolutionstheorie, alle diese Themen sind auch im Exlibris zu entdecken.

Der Theologe Hans Joachim Genge befasst sich mit Marienbildern. Anhand der bekannten Bibelstellen erläutert er die verschiedenen Mariendarstellungen. Wenn die Maria mit dem Kleinkind Jesus, die Schutzmantelmadonna oder die Pietà abgebildet werden, fällt dem Betrachter auf, dass auch im Exlibris die Darstellungen stark von frühchristlichen und byzantinischen Vorbildern beeinflusst sind (Abb. 1).

Abb. 1: Rolf Fleischmann: Exlibris für Dr. Inge Nechwatal, 2005, Kupferstich

Dem Traum vom Fliegen geht Siegfried Bresler auf den Grund. Beginnend bei Dädalus und Ikarus führt der Autor von Leonardo da Vincis Fluggerät von 1480 zu den Ballonflügen der Brüder Montgolfier wie auch zum Zeppelin. Parallel zur Ballonfahrt forschte Otto Lilienthal über Fluggeräte mit Flügeln. Schließlich bauten die Gebrüder Wright Gleitflugzeuge mit Motoren. Der Traum vom Fliegen wurde wahr, bis er im Ersten Weltkrieg zum Alptraum wurde. Dafür steht ein Exlibris mit einem berühmten Kampfpiloten dieses Krieges, dem „Roten Baron“. Mit dem Traum eines weiteren Piloten endet der Bericht, Saint-Exupérys Geschichte vom Kleinen Prinzen.

Die Geschichte des Weins bringt uns Anke Polenz in ihrem Beitrag: Von der Traube ins Fass – in die Flasche – ins Glas näher. Ausführlich beschreibt sie den Weg der Trauben vom Anbau, über die Ernte, zur Gärung in Fass oder Tank, bis zur Abfüllung in Flaschen. Auch das Servieren im passenden Glas wird berücksichtigt, illustriert mit entsprechenden Exlibris. Eine Lektüre, die zum Mitgenießen einlädt.

Klaus Thoms befasst sich mit Monstern und anderen Fabelwesen. Teufel und Hexen zum Beispiel dienten den Menschen als „Sündenböcke“, als Schuldige für Unerklärliches, für Unglück und Unheil. Aber es gibt noch ganz andere Fabelwesen. Der Autor schreibt von Mensch-Tierwesen wie Nixen, Sirenen, Zentauren und dem Minotaurus. Auch reine Tierwesen wie Drache, Hydra und Phönix kommen vor. Selbst Monster wie der Golem, Dr. Caligari und Graf Dracula (Abb. 2) geben sich die Ehre. Bei der Darstellung von Fabelwesen ist die Fantasie der Künstler geweckt, die Auswahl der Exlibris dazu ist vielfältig. 

Heinz Neumaier begibt sich bei seinen Überlegungen zur Sprache und Literatur in Bayern vor allem auf die Spur der Eigner. Er stellt etliche mehr oder weniger bekannte Schriftsteller und Schriftstellerinnen mit Bezug zu Bayern, und ihre Exlibris, vor. Er beginnt bei Jean Paul und endet bei Norbert Göttler. Manche der Kurzbiografien weisen auf beschwerliche Lebensläufe in schwierigen Zeiten hin.

Abb. 2: Paolo Rovegno: Exlibris für Giuliani Carlo, 1997, Aquatintaradierung

Auch Heinz Decker widmet sich den Eignern. Er stellt Sammlerbiografien im Spiegel ihrer Exlibris vor. Dabei befasst er sich mit Franz Adler (1908–1983) und Marco Birnholz (1885–1965). Die Lebensläufe der beiden jüdischen Sammler aus Wien weisen große Parallelen auf. So mussten beide 1938 Österreich fluchtartig verlassen. Beide emigrierten in die USA. Birnholz, der früher Geborene, nahm schon am Ersten Weltkrieg teil und geriet in sibirische Gefangenschaft. Heinz Decker findet und beschreibt aus dem Sammelgut beider Eigner Exlibris mit Hinweisen auf einschneidende, prägende Lebenserfahrungen.

Ursula Müksch bringt uns die zwölf Grafikerinnen aus dem Radierklub Wiener Künstlerinnen, die auch Exlibris hergestellt haben, näher (Abb. 3). Es handelt sich um eine Momentaufnah­me, da immer noch unbekannte Arbeiten dieser Künstlerinnen entdeckt werden können. Der Radierklub Wiener Künstlerinnen wurde 1903 gegründet. Bis 1918 sind seine Aktivitäten nachweisbar.

Gerhard Lutz stellt die Werke seines Großvaters Adolf Kunst vor. Dabei weist er nicht nur auf die über 400 Exlibris hin, die der Künstler in verschiedenen Techniken realisiert hat. Er zeigt auf, wie viel mehr Adolf Kunst geschaffen hat. Auch als Maler von Aquarellen, Ölbildern, als Holzschneider und Lithograf war dieser kreative Schöpfer erfolgreich. Seine Motive fand der gelernte Architekt in der Natur wie auch in der Architektur.

Klaus Rödel erinnert an den Künstler Herbert Stefan Ott, über den er eine kleine Publikation erstellt hatte. Eine weitere, umfangreichere war geplant, konnte aber infolge des Todes von Herbert Ott nicht mehr realisiert werden. Aus diesem Projekt stammen die Originalbeilagen von Herbert Ott. Für eine weitere Beilage, den Nachdruck eines Exlibris von Adolf Kunst, hat sein Enkel die Druckplatte zur Verfügung gestellt. Drei weitere Originale von polnischen Künstlerinnen vervollständigen dieses interessante Jahrbuch.

(Alice Aeberhard)

Abb. 3: Ella Iranyi: Exlibris für Marianne Steinberger. vor 1908, Holzschnitt

Paul G. Becker zum 90. Geburtstag

Paul G. Becker zum 90. Geburtstag

Am 12. Juni 2021 wird Paul G. Becker 90 Jahre alt. Gelernter Buchhändler, später Sortiments- und Verlagsbuchhändler, wurde der Bibliophile 1973 Mitglied der Deutschen Exlibris-Gesellschaft, der er von 1977 bis 1986 als Erster Vorsitzender vorstand und anschließend bis 1992 als Archivar diente. Gemeinsam mit dem damaligen Ersten Schriftführer des Vereins Hans Kruse belebte er die DEG-Mitteilungen, die zuvor nur noch unregelmäßig erschienen waren, zu neuem – beständigem – Leben und initiierte eine Öffnung in Richtung grafischer Künste aller Art, indem er den Untertitel des DEG-Jahrbuchs von „Exlibriskunst und Gebrauchsgraphik“ in „Exlibriskunst und Graphik“ änderte. Nicht allein deshalb, aber sicher auch deswegen nahm der Verein einen erheblichen Mitglieder-Aufschwung von 220 auf 500 Personen und Institutionen (die bis heute höchste Mitgliederzahl).

Dreimal: 1981, 1984 und 1991 organisierte Becker die DEG-Jahrestagung, letztere zum hundertjährigen Bestehen des weltweit ältesten Exlibrisvereins.

Schon während seiner 15-jährigen Vorstandstätigkeit, aber auch danach, richtete er eine Vielzahl von Ausstellungen aus, die er oftmals aus seiner eigenen Sammlung bestückte. Zu seinen bevorzugten Exlibris-Sammelgebieten gehörten „Cervantes und Don Quixote“ (seine mehr als 1.200 Exemplare umfassende Sammlung stiftete er später dem Don-Quijote-Haus in Goslar) und der Künstler Willi Geiger (zu dessen Exlibriswerk er einen wichtigen Ergänzungsband zum „Schreyl“ herausgab).

Insbesondere – und bis heute – befasste er sich mit „alten“ Exlibris. Aus seinem Bestand stammte der Großteil der 1996 gezeigten Ausstellung „Schätze der Exlibriskunst aus dem 15. bis 18. Jahrhundert“, der gleichnamige Ausstellungskatalog war der erste Band der sich daraus entwickelnden Reihe „Schätze der Exlibriskunst“.

Neben weiteren Schriften gab Becker 2001 eine Publikation über japanische Bücherzeichen heraus, die auch zu seinen Sammelgebieten zählten, und im Jahr darauf, gemeinsam mit Svetlan Piilmann, das Standardwerk „Baltische Exlibris“. 

Eduard Albrecht-Hagen, 1988, Holzstich

1988 stiftete er die „Walter-von-Zur-Westen-Medaille“, die von der DEG seitdem für besondere Verdienste um das Exlibris vergeben wird und international als eine der renommiertesten Auszeichnungen in der Exlibriswelt gilt.

1988 ernannte ihn die DEG zu ihrem Ehrenmitglied, 1997 zu ihrem Ehrenpräsidenten.

Die DEG hat Paul G. Becker viel zu verdanken – wir gratulieren ihm ganz herzlich zum runden Geburtstag und wünschen ihm alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit und noch viele weitere Jahre Lebensglück!

Henry Tauber,
im Namen der DEG 

 

Beitragsbild auf der Startseite: Oswin Volkamer, Opus 100, 1981, Kupferstich

David Bekker, 1999, Radierung

Gesucht wird …

der Künstler des Exlibris für Willi WEGEWITZ.

Der Eigner (1898 Forsthaus Hollenbeck Krs. Stade
-1996 HH-Harburg) war Professor, Archäologe, Heimatforscher und Museumsleiter des Helms-Museums Hamburg.

Es wird von einer Entstehung in den 1930er Jahren ausgegangen.

Das Monogramm war mir keine Hilfe bei der Identifikation.

Hinweise erbittet Anne Büsing unter

a.v.buesing@t-online.de

Gesucht wird …

der Künstler des Exlibris für Willi WEGEWITZ.

Der Eigner (1898 Forsthaus Hollenbeck Krs. Stade
-1996 HH-Harburg) war Professor, Archäologe, Heimatforscher und Museumsleiter des Helms-Museums Hamburg.

Es wird von einer Entstehung in den 1930er Jahren ausgegangen.

Das Monogramm war mir keine Hilfe bei der Identifikation.

 

 

 

 

Hinweise erbittet Anne Büsing unter

a.v.buesing@t-online.de