Alexander Kerrutt zum neuen DEG-Vizepräsidenten gewählt

Auf der DEG-Vorstandssitzung am 15. Juli 2022 wurde Alexander Kerrutt als Nachfolger des verstorbenen Karl Kröger zum neuen Vizepräsidenten der DEG gewählt. Einer seiner Tätigkeitsschwerpunkte wird die Öffentlichkeits-arbeit sein.

Er selbst schreibt von sich: Geboren am 11. März 1958 in Berlin absolvierte ich meine Schuljahre in Berlin, München, Seoul/Korea und Los Angeles/ U.S.A., wo ich auch meine Allgemeine Hochschulreife erhielt. Zurück in Berlin studierte ich Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Maschinenbau, an der Technischen Universität in Berlin. Nach Aufgaben in der Informatik und Organisation in Berlin und Ludwigsburg fand ich schließlich meine berufliche Bestimmung im Einkauf in Essen, wo ich noch heute in der Nähe wohne. Ich bin seit 35 Jahren verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder und mein größtes Hobby ist das Sammeln von Exlibris.

Durch den Kauf von antiquarischen Büchern für mein Studium entdeckte ich eingeklebte Kleingrafiken, für die ich mich augenblicklich interessierte. Durch zufälliges Zusammentreffen mit Claus Wittal stieß ich auf die DEG und wurde 1988 Mitglied. 1990 konnte ich noch gemeinsam mit Gleichgesinnten aus Berlin und Umland das erste Berliner Exlibris-Treffen nach der Wieder-vereinigung mitorganisieren.

Berufliche Erfordernisse, verbunden mit mehreren Umzügen, ließen mich einige Jahre lang mit der Teilnahme an den DEG-Tagungen aussetzen. Aber mit der Konsolidierung im Beruf kam auch die innere Ruhe zurück und ich besann mich auf mein Hobby. Seitdem habe ich alle Kongresse der DEG besucht und dieses Jahr – zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern – die Tagung in Moers organisiert. Nach Aufnahme in den Beirat der DEG wurde ich im Juli dieses Jahres in den Vorstand gewählt.

Exlibris des Monats August 2022: – Julibert: Sommermond und Sehnsucht

Exlibris des Monats August 2022 – Julibert (= Joaquim Julibert Gual Baucis) für M. Gras Vila, Sommermond und Sehnsucht, 1919, Radierung 

Auf der Suche nach einem romantischen Exlibris, das uns in doch insgesamt belastenden und sorgenvollen Zeiten auch einmal die Stimmungen eines lauen Sommerabends wahrnehmen lässt und ein Bild für unsere Sehnsucht danach präsentiert und es uns erlaubt, uns einfach daran zu erfreuen, stieß ich auf das schöne Jugendstilblatt von Joaquim Julibert Gual Baucis, i.A. bekannt als Julibert, das dieser 1919 für den Eigner M. (=  Miguel) Gras Vila gestaltet hat, der sich um 1920 sehr viele Exlibris von Jugendstilkünstlern aus vielen Ländern Europas hat anfertigen lassen.

Man sieht eine junge Frau im Profil. Sie hat ihre Haare kunstvoll, aber trotzdem sommerlich locker im Nacken, zusammengebunden; die eine oder andere Haarsträhne löst sich. Sie trägt ein helles Gewand aus leichtem Stoff. Ihr einziger Schmuck ist eine Blume, die sie unter das Dekolleté gesteckt hat, vielleicht ist diese Blüte aus Stoff. Die junge Frau richtet ihren Blick geradeaus; wir sehen also nicht, was sie dort erblickt oder wen sie dort erwartet.

Über ihr steht ein voller Mond am nächtlichen Himmel. Er erleuchtet die schöne Frau und einen Brunnen hinter ihr, der eine Fontäne in die Luft aufsteigen lässt. Der hohe Wasserstrahl schimmert weiß im Mondlicht, ebenso ein Spruchband unter ihr, das – fast ein wenig zu kräftig in Relation zu der Zartheit der Szenerie – den Eignernamen zeigt. Das Spruchband löst sich an beiden Enden in kreis- und spiralförmige Windungen, die auf den ersten Blick beinahe den Eindruck von auf dem Band aufgehäuften kleinen Steinskulpturen erwecken. Fast meint man ein Grabmal zu sehen.

Aber wieso stellen sich so triste Assoziationen angesichts der anmutigen Frauengestalt in einer lauschigen Sommernacht ein? Ist es, weil sie einsam ist? Weil man nicht weiß, ob sie sich mit Trauer oder Sehnsucht von dem schönen Brunnen abgewandt hat, einem Brunnen, der aussieht wie ein städtischer Treffpunkt für junge Menschen in einem Park oder auf einem Platz in einer großen Stadt. Doch niemand ist da. Juliberts Brunnen, schaut man genauer hin, scheint irgendwo am Himmel zu schweben, ohne festen Boden, ohne Menschen um ihn herum. Und er ist so isoliert von weiteren architektonischen Elementen, wie die Frau isoliert von anderen Menschen ist.

Unterstützt werden Überlegungen über die latente Brüchigkeit und Doppel-bödigkeit der auf den ersten Blick so romantischen Situation durch das einzige von Julibert beigegebene Element aus der Natur: einen großen, reich verzweigten Trauerweidenast, der sich wie ein Schirm über die Frauenfigur rundet und sie so in ihrem Alleinsein schützt. Allerdings hat dieser Ast seine Blätter verloren, er symbolisiert also Vergänglichkeit, Verlust.

Mir fallen beim Betrachten Verse von Bertolt Brecht ein:

Denn wir sagen uns: In diesem traurigen Leben
Ist die Liebe immer das Sicherste doch
Und wir wissen ja: Es wird sie nicht immer geben
Aber jetzt scheint der Mond über Soho noch.

Brechts nur wenig später (1928) entstandenen, schon im Stil der Neuen Sachlichkeit gehaltenen Verse thematisieren den Mond von Soho, dem Stadtteil von London, in dem er auch seine Dreigroschenoper spielen lässt und den er als einen Ort des Vergnügens, der Kriminalität, der Käuflichkeit aller Waren und Gefühle und somit auch der der Liebe, den Ort geheimer Süchte und Sehnsüchte darstellt. Und der Mond von Soho ist in den traurigen, unsicheren Zeiten, von denen Brecht spricht, „das Sicherste noch“.

Schon gelten frühere romantische oder romantisierende Liebesvorstellungen nicht mehr, vor allem die Aspekte der ewigen Dauer und Ausschließlichkeit einer Liebesbeziehung werden relativiert –  aber noch vermag der Mond den letzten Abglanz utopischer Funken dieser Liebeskonzeption zu bewahren und diese insgeheim wachzurufen. (Die Verse bilden übrigens den Abschluss von Brechts Ehesong, in dem er recht pragmatisch die Vorteile des Ehe-stands für Sicherheit und Behaglichkeit so sehr ironisiert, wie er sie als behaglich anpreist.)

Der Mond auf dem noch im Jugendstil verankerten Exlibris Juliberts hingegen scheint auf ein edleres, vornehmeres Ambiente, das vielleicht im brunnenreichen Barcelona zu verorten wäre, der Stadt, in der der Künstler 1898 geboren und 1977 gestorben ist, zu verweisen. Doch übereinstimmend mit dem Gedicht ist, dass auch hier der Mond bei allem Zweifel, aller Schwermut und Trauer Sicherheit zu geben, Wege und Hoffnung aufzuzeigen scheint. Denn recht entschlossen reckt die junge Frau ihren Kopf in die Höhe und blickt offenen Auges auf das, was da kommen mag oder wohin sie gehen wird.

Ulrike Ladnar

Karl Franz Stock verstorben. Nachruf von HR. i. R, Dr. T. Cernajsek für die Österreichische Exlibris-Gesellschaft (ÖEG)

Nicht unerwartet verstarb im vergangenen Juni unserer Ehrenmitglied und Inhaber der Scapinelli-Medaille Karl F. Stock. Eine große Trauergemeinde fand sich am 22. Juni 2022 zur Verabschiedung in der Grazer Feuerhalle ein. Für mich war diese Verabschiedung sehr schmerzhaft, zumal ich Karl seit fast einem halben Jahrhundert kannte und mit ihm stets engen Kontakt hatte. 
Karl Stock wurde 1937 in Graz als drittes Kind in Graz geboren. Er wuchs unter ärmlichsten Verhältnissen in einer Einzimmerwohnung auf. 1943 wurde er Halbwaise, nachdem sein Vater nach einem unverschuldeten Gefängnis-aufenthalt an TBC verstarb. Die nachfolgenden Jahre fristete er sein Dasein als hungernder Schulschwänzer, ja sogar im Polizeigefängnis landete er, als er auf Nahrungssuche in den Grazer Bombenruinen aufgegriffen wurde. Von 1945 bis 1946 betätigte er sich als „Hamsterer“, was damals eine alltägliche Betätigung der notleidenden Nachkriegsbevölkerung geworden ist. Diese Tätigkeit wurde durch das Jugendamt beendet und Karl wurde mit seinem Bruder Otmar in die Landeserziehungsanstalt Jagdberg, Gemeinde Schlins, Vorarlberg, gebracht. Auch hier blieben er und sein Bruder schwierige Mitbewohner des Heims. Sie verließen das Heim und fuhren mit der Bahn bis Graz, wo sie von ihrer Mutter freudig empfangen wurden. Als Kinder hatten sie keine Probleme an den Demarkationslinien durchzukommen. Aber die Freude der Rückkehr dauert nicht lange. Karl und sein Bruder müssten wieder zurück nach Jagdberg. Dort begann für ihn unter Kaplan Josef Andreas Müller, der auch Religionslehrer und Komponist war, ein anderes Leben. Er wird Sängerknabe und darf 1947 zur Erstkommunion. Ab 1951 ist er Klosterschüler in St. Georgen am Längssee, von 1952 bis 1953 Celloschüler, von 1953 bis 1954 Geigenschüler und von 1952 bis 1954 Tenorhornbläser. Da Karl nicht gewillt war einen geistlichen Beruf zu ergreifen, verließ er Jagdberg und kehrte nach Graz zurück, wo er die Jahre 1954 bis 1958 als Hilfsarbeiter in verschiedenen Firmen tätig wurde.

Dr. Stock auf der DEG-Tagung 2016 in Weiden, Foto von Klaus Thoms

Parallel dazu begann er Gedichte zu schreiben und als zeitweilig Arbeitsloser unterzog er sich einer psychotherapeutischen Selbstbehandlung. 1956 entdeckte er sich selbst als Linolschnittkünstler. Diese Kunst soll für sein ganzes nachfolgendes Leben bestimmend werden. Seit damals zeichnete und malte Karl. Er hatte nie eine besondere Ausbildung, aber immer wieder gute Lehrer, die ihn anregten und nie entmutigten. Ab 1979 begann er seine Arbeiten öffentlich dort und da auszustellen. Von 1954 bis 1959 wird er Abendgymnasiast und Nachhilfelehrer für Mitschüler. Im März 1959 maturiert er an der Abendmittelschule. 1959 wird er als Versicherung-sangestellter. Im gleichen Jahr besuchte er erstmals Straßburg und beginnt Mathematik und Physik zu studieren. Gleichzeitig wird er Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Graz. Ab 1962 beginnt er mit bibliographischen Arbeiten, welchen er sein ganzes Leben widmete. 1964 beginnt er als Statistiker und Schriftsteller. 1960 heiratete er die Elsässerin Mayrlène Ledermann aus Krautgersheim bei Straßburg. Aus dieser Ehe entsprangen die Kinder Elisabeth (1965) und Daniel (1966). Karls Frau sollte zu einer seiner wichtigsten Mitarbeiterinnen seiner bibliografischen Unternehmungen werden. Gemeinsam mit Rudolf Heilinger und mit seiner Frau Marylène veröffentlichte er seit 1976 eine „Bibliographie österreichischer Biblio-graphien, Sammelbibliographien und Nachschlagewerke“, welche 30 Bände zuletzt erreicht hatte. Bewundernswert ist es, dass Karl jetzt mit dem Studium der Staatswissenschaften beginnt, 1968 eine Dissertation erhält und 1969 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Nur so nebenbei arbeitete er ab 1967 als Programmierer. 1969 bezieht die Familie eine neue Eigentumswohnung in der Wienerstraße. Von 1970 bis 1973 war Karl zum Rechenzentrum Graz dienstzugeteilt worden, um mit Walter Koch Programmentwicklungen für die Bibliotheksdokumentation zu erarbeiten. Von hier gingen auch an mich Impulse für die künftige Einführung der EDV in meine Fachbibliothek. 1974 wurde er zum Bibliotheksdirektor der der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Graz ernannt. Im gleichen Jahr erscheint sein Buch über die Grundlagen und Praxis der Bibliotheks-statistik im Verlag Saur in Pullach, woraus sich weiter eine enge Zusammen-arbeit für Karl ergeben sollte. Im Jahre 1976 erwarb Karl ein Grundstück in Wolfgruben, St. Ruprecht an der Raab. Die „Huabn“ wurde sein Sommer-werkstätte und Druckerei für seine Linolschnittarbeiten. Ab 1978 beginnt er selber mit einer Tiegeldruckpresse zu arbeiten. 1997 tritt in den Ruhestand und wie er selbst sagte, in den Resturlaub seines Lebens mit geistig reger Phantasie und zunehmender körperlicher Unfähigkeit und zeitweiser aufbäumender Aktivität. In Innsbruck wurde ihm 1998 in einem Hotel sein wichtigstes Werkzeug, sein Notebook aus dem Zimmer gestohlen. Der Verlust des Materialwertes stand in keinem Verhältnis zum Verlust der im Gerät gespeicherten wertvollen Daten. Durch den Diebstahlt sind einige Texte unwiederbringlich verloren gegangen. Im darauf folgenden Jahr 1999 trat Karl F. Stock in die Österreichische Exlibris-Gesellschaft ein. Ab dem Jahr 2001 begann Karl sich mit den neuen gesetzlichen Vorschriften für die Ablieferung von Pflichtstücken und mit der unvereinbaren Ablieferung von Sozialversicherungsbeträgen an die Gewerbliche Sozialversicherungsanstalt auseinander zu setzen. Mit der Methode „Print on demand“ versuchte Karl mit seinem Einnahmen unter der Geringfügigkeitsgrenze zu bleiben. Er begann nur mehr Kleinstauflagen zu produzieren und lieferte Pflichtstücke nur an die Österreichische Nationalbibliothek ab. Trotzdem blieb er im Widerspruch zu einem Bescheid des Bundeskanzleramtes, welches sich auch für alle „Print-on-demand-Werke“ eine Ablieferungspflicht aussprach. 2011 erlitt er einen Herzinfarkt, welchen er glücklicher Weise gut überstand. Ab 2021 machen sich starke Altersbeschwerden bemerkbar, die ihn trotz geistiger Höhe kontinuierlich bis zu seinem Lebensende führten. Fast wöchentlich führte ich mit ihm Telefongespräche und tauschten uns über die ersichtlich gewordenen Probleme der Exlibrisbewegung aus.

Karl F. Stock hat eine Unzahl von Publikationen zum Bibliotheks – und Bibliographiewesen und Exlibris veröffentlicht. Davon sind einzelne Werke online im Austria-Forum abrufbar. Nach eigenen Angaben hat er über 470 Linolschnitte und wenige Holzschnitte im Lauf der Jahre 1957 – 2019 geschaffen. Diese sind online unter seiner Homepage (https://bibi.kfstock.at) abrufbar. Hier ist auch unter bestimmten Voraus-setzungen der Zugang zu den von ihm geschaffenen bibliographischen Datenbanken möglich. Für uns Freunde des Exlibris ist seine „Bibliographie der Internationalen Exlibris-Literatur“ sehr wichtig und für jegliche Arbeit auf dem Gebiet des Exlibris unentbehrlich. Soweit mir bekannt ist, hat diese Datenbank 65.700 Einträge erreicht. Sie ist für alle jene hilfreich, die sie als Quelle für ihre Arbeite benützen wollen. Karls Stocks Sohn Daniel wird dafür sorgen, dass diese Datenbank weiter geführt und ergänzt werden wird.
Zuallerletzt darf nicht unerwähnt bleiben, dass Karl F. Stock Mitarbeiter des österreichischen Wissensnetzes Austria – Forum (Leitung: Prof. Hermann Maurer, TU Graz) war. Er hat eine Anzahl seiner Bücher dem Austria − Forum zur Verfügung gestellt, aber auch sonst tatkräftig mitgewirkt. Auf seine Anregung hinauf hat die Österreichische Exlibris − Gesellschaft alle vergriffenen Jahrbücher zur Digitalisierung zur Verfügung gestellt. Diese Digitalisate und auch andere Digitalisate von Exlibrispublikationen können auf diesem Wissensnetz gefunden werden.

Anerkennungen und Ehrungen seitens der öffentlichen Hand bzw. seiner Dienstgeber sind ausgeblieben. Es haben ausschließlich private Fachvereinigungen seine Leistungen anerkannt und mit Ehrungen gewürdigt:

  • 1968: Zuerkennung der Fördermedaille durch die Vereinigung Österreichischer Bibliothekare (VÖB)
  • 17.September 2009: Ehrenmitgliedschaft der Vereinigung Österr. Bibliothekarinnen und Bibliothekare
  • 14. Juli 2004: Überreichung des Udo Ivask Zertifikats der Fédération Internationale des Amateurs d’Ex-Libris (FISAE)
  • 21. November 2011: Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft (ÖEG)
  • 2016: Überreichung der Paul-Scapinelli-[Preis]–Medaille der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft (ÖEG) anlässlich der ersten Wienerwaldtagung der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft in Unterkirchbach bei Mauerbach bei Wien.
  • 2020: Überreichung der Walter-von-Zur-Westen-Medaille der Deutschen Exlibris-Gesellschaft (DEG)

Karl F. Stock hatte noch im Angesicht seines Todes die Kraft, Abschiedsworte/ an alle Hinterbliebenen zu richten:

Liebe Freunde! Noch im Vollbesitz meiner geistigen Zurechnungsfähigkeit und im Erahnen des herannahenden Endes meines irdischen Daseins möchte ich mich von Euch hiermit verabschieden. Ich danke für eure Freundschaft und Zuneigung während meines wechselvollen Erdenganges. Ich gehe mit Zuversicht in das wissenschaftlich noch nicht bewiesene Reich der Schöpfung eines unendlichen Wirkungsgeistes und hoffe, dass wir uns dort alle wiederfinden. Diese Erwartung möge alle meine Lieben über diesem endgültigen Abschied aus diesem Erdendasein hinweg trösten.

Tillfried Cernajsek 

[ Weitere Angaben zu Biographien und Quellen unter: 
https://austria-forum.org/af/Biographien/Stock%2C_Karl/Nachruf ]

Exlibris des Monats Juli 2022 – Utz Benkel: Krieg und Frieden

Exlibris des Monats Juli 2022 – Utz Benkel für Josef Burch, Krieg und Frieden, 2022, Linolschnitt von zwei Platten, koloriert

So wünscht man sich die sommerliche Urlaubswelt: grüne Wiesen, rote Dächer auf den Häusern und dem Kirchturm eines idyllischen Dorfes, ein kleiner blauer See vor schneebedeckten hohen Bergen und darüber ein blauer Himmel mit weißen Wolken, von dem herunter eine gelbe Sonne strahlt. Vielleicht sieht der Eigner des Exlibris, Josef Burch, etwas Ähnliches, wenn er am Mittag aus seinem Fenster in Giswil in der Schweiz hinaus in die Natur blickt.

Leider aber sieht man das idyllische Bild auf dem Exlibris für Josef Burch nicht durch einen Fensterrahmen, sondern in einem Bilderrahmen. Utz Benkel hat es auf seinem Linolschnitt da hineingesteckt und es so zu einem irrealen Motiv romantischer oder gar nostalgischer Sehnsucht gemacht. Denn der Himmel über dem Bilderrahmenhimmel ist grau, schwarz. Nur links leuchten einige wenige Lichter in Häusern und Fabriken einer großen Stadt.

Über den Himmeln unserer Sehnsuchtsbilder tobt nämlich, wie Utz Benkel es in seiner ausdrucksstarken, gekonnt drastischen Bild- und Symbolsprache darstellt, ein grausamer Krieg. Bomben, Granaten und andere Sprengkörper werden von Kampfflugzeugen herunter auf die Stadt und ihre Menschen geworfen. Statt friedlicher Himmelskörper umkreisen Raketen in grausamem Tempo die Welt, um Zerstörung zu bringen. Die so bedrohten Menschen versuchen verzweifelt, über die Treppe der linken Seite hinunter zu fliehen. Doch uniformierte und bewaffnete Soldaten verhindern das, üben Gewalt aus, stoßen sie hinunter oder treiben sie vor sich her. In ihren Uniformen und mit ihren Helmen und Waffen wirken sie größer, stärker, mächtiger, und durch diesen Kunstgriff sieht man, dass die klein wie Kinder wirkenden Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt ohnmächtig gegen diese Übermacht sind. Die Vernichtung nimmt ihren Lauf. 

Utz Benkel geht seit 30 Jahren unbeirrt seinen Weg in der Exlibris-Szene. Ästhetisch und inhaltlich setzt er immer auf eindeutige Signale; das gilt für seine Akt-Exlibris ebenso wie für seine politischen Blätter. Auf Benkels politischen und gesellschaftskritischen Exlibris und PF‘s ist immer eine eindeutige Botschaft erkennbar, seine Solidarität mit Leidenden und Bedrohten, mit Zu-Kurz-Gekommenen, mit Opfern, die schuldlos ihr Leben verlieren, sei es in Flüchtlingsbooten oder im Krieg.

Zwar ist der Tod ein gängiges Exlibris-Motiv, aber der Tod ist auf den traditionellen Memento-Mori-Blättern stets schicksalhaft, er erreicht als Schnitter mit der Sense irgendwann jeden Menschen, da jeder Mensch sterblich ist, wie uns die Tradition des Motivs seit vielen Jahrhunderten immer wieder verdeutlicht. Utz Benkel zeigt nicht diesen unausweichlichen friedlichen Tod, sondern den, den die Menschen anderen Menschen zufügen, sei es durch menschenfeindliche Strukturen und Herrschaftsformen, sei es durch die Bedrohung der Erde und ihrer Menschen durch Umweltzerstörung, Klimakatastrophe, Atomwaffen, Kriege, sei es durch Ausbeutung sowie ungerechte Verteilung der endlichen Ressourcen, die die Erde ihren Bewohnern schenkt.

In Moers hat Utz Benkel erstmals in diesen 30 Jahren in einem DEG-Wettbewerb gewonnen, und zwar den 1. Platz für das beste PF des Jahres, als dessen Thema er Die Wahrheit gewählt hatte. Darüber hat er sich gefreut,

und es war eigentlich an der Zeit. Denn seine Blätter haben seit langem ein Alleinstellungsmerkmal, einen hohen Wiedererkennungswert. Seine klare Symbolsprache, sein meist antithetischer Bildaufbau, seine Orientierung an den ästhetischen Zielsetzungen der Pop Art, der Comics und der Plakatkunst und seine inhaltlich eindeutigen Botschaften zeichnen ihn aus. Auf dem Exlibris für Josef Burch ist diese Botschaft eine Verurteilung des Kriegs. Außer durch den Kontrast von Farben und Schwarz, von heiler Welt und Zerstörung, von Sommerwolken und Raketen spiegelt sich Benkels inhaltliche Aussage auf der rechten unteren Bildseite wider. Da jagt eine schwarze Katze einen bunten Schmetterling, dem es aber im Unterschied zu den Menschen auf der oberen Bildhälfte gelingt, frei davonzufliegen.

Dass Utz Benkel sich zurzeit nicht nur als Künstler, sondern auch als politischer Mensch für die Menschen in der Ukraine einsetzt, ist für ihn ein folgerichtiger Schritt. Für sein Exlibris zum Thema Krieg und Frieden hat er sich eine Besonderheit ausgedacht, die er in seinem Beschrieb, ja, so heißt auf Schwyzerdütsch eine Beschreibung, an den Eigner so formuliert: „Der direkte Bezug zum Angriffskrieg Russlands sind Katze und Schmetterling. Die Katze symbolisiert Russland und der (in die Freiheit) wegschwebende Schmetterling die Ukraine. Bei einem Teil der Auflage habe ich den Schmetterling in den ukrainischen Farben koloriert.“ – Diese Variante habe ich als Bildvorlage für das Exlibris des Monats 2022 gewählt.

Ulrike Ladnar

Nachruf auf Karl Kröger

In der Exlibriswelt war sein Name untrennbar verbunden mit den Begriffen Industrie und Ruhrgebiet. Kein Wunder, als Diplom-Ingenieur des Maschinen-baus war Karl-Friedrich Kröger fast 40 Jahre lang im In- und Ausland mit der Planung, Inbetriebnahme und Abwicklung von Industrieanlagen befasst, darunter solchen zur Zementherstellung, thermischen Abfallbehandlungs-anlagen und Kohlekraftwerken. Dabei war er weniger ein Freund von Büro-tätigkeiten, vielmehr liebte er das pragmatische Handeln und Anpacken.

Karl Kröger war ein Familienmensch, der seine Frau, seine Kinder und Schwiegerkinder und seine beiden Enkelkinder liebte. Zu seinen darüber hinausgehenden Leidenschaften gehörte das Tennis; 14 Jahre lang – bis 2017 – amtierte er als Vorsitzender des großen Hertener Tennis Clubs.

Seit Mitte der 1950er Jahre lebte Karl, der am 28. Juli 1948 in Egge (Land-kreis Hameln-Pyrmont) geboren wurde, im Ruhrgebiet. Als er im Jahr 2000
in die Deutsche Exlibris-Gesellschaft eintrat und damit ein weiteres seiner Hobbys, das Sammeln von Grafik, wesentlich erweiterte, schrieb er u. a.:
„[…] habe mit den Jahren diese Region [das Ruhrgebiet] mit seinen wunder-schönen Landschaften, Industrien, mittlerweile vielen Industriedenkmälern sowie Menschen und seiner lebendigen Kunstszene liebgewonnen.“ Und weiter: in seiner Grafiksammlung befänden sich nicht nur die „üblichen Motive“, sondern immer wieder ginge es dabei um „die Darstellung von Industrieanlagen im Ruhrgebiet“, sodass zu seinen „künftigen Sammel-gebieten ´Industrie-Exlibris und alle für mich schönen Exemplare´ gehörten“. 

Andreas Raub: Exlibris für Karl-Friedrich Kröger, 2001, Radierung
Andreas Raub: Exlibris für Karl Kröger, 2006, Radierung

Und so trug er im Laufe der Zeit nicht nur eine große Grafiksammlung, 
sondern auch eine bedeutende Exlibris-Kollektion zusammen, die ihn als passionierten Liebhaber von Industriemotiven auswies. Gern stellte er diese Bücherzeichen als generöser Leihgeber für größere Ausstellungen zur Verfügung und schenkte den einschlägig bekannten Museen auch seine entsprechenden Eigenexlibris. 

2016 wurde Karl zum Vizepräsidenten der Deutschen Exlibris-Gesellschaft gewählt und pflegte in dieser Funktion u. a. Kontakte zu den großen Exlibris-Standorten in Schloss Burgk, Frederikshavn und Mönchengladbach und zu Sammlern wie Gerhard Lutz, einem Enkel von Adolf Kunst, oder dem Ehepaar Neuner, das das Waldmuseum Dr. Kanngießer im nordhessischen Braunfels leitet.

Frank Eißner: Exlibris für Karl Kröger, 2017, Holzschnitt

Bei all diesen Kontakten kam ihm seine ausgesprochen soziable Ader zugute, die ihm auch zu zahlreichen Verbindungen in die Künstlerszene verhalf. Da er als Sammler „traditionelle Drucktechniken bevorzugte, also Radierung, Holzschnitt“ usw., gehörten zu den häufig von ihm beauftragten Künstlern z. B. Radierer wie Andreas Raub und Holzschneider wie Frank Eißner. Besonderes Augenmerk lenkte er außerdem auf junge, z. T. noch unbekannte Künstlerinnen und Künstler, die er auf diese Weise förderte.
2021 organisierte Karl, schon gesundheitlich angeschlagen, die DEG-Jahrestagung in Haltern am See, die ursprünglich für Gelsenkirchen, mitten im Ruhrgebiet und nur wenige Kilometer von seinem Wohnort entfernt, geplant war. Und auch für 2022 hatte er sich als DEG-Tagungsorganisator angeboten und noch die ersten vorbereitenden Arbeiten dafür vorgenommen. Wegen seiner Erkrankung konnte er jedoch nicht mehr miterleben, wie es einem spontan eingesprungenen Organisationsteam schließlich gelang, die 2022er Tagung ganz in seinem Sinne erfolgreich zu veranstalten.

Am 11. Juni 2022 starb Karl Kröger nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren. In Gedanken sind wir bei seiner Familie und wünschen ihr in der Zeit des Abschieds und der Trauer viel Kraft. Mit seiner stets freundlichen und freundschaftlichen Art und dank seiner zahlreichen Eigenexlibris wird Karl uns in bester Erinnerung bleiben.

R. I. P.

(Henry Tauber) 

(Beitragsfoto von Klaus Thoms: Karl Kröger auf der DEG-Tagung 2021 in Haltern am See) 

Horst Rellecke: Exlibris für Karl-Friedrich Kröger, 2001, Kaltnadel auf Plexiglas
Regina Franke: Exlibris für Karl-Friedrich Kröger, 2004, Radierung
Harry Jürgens: Exlibris für Karl-Friedrich Kröger, "1001 Nacht", 2014, Radierung

DEG-Jahrestagung 2023 in Paderborn

Einladung zur DEG-Jahrestagung in Paderborn vom 11. – 14. Mai 2023

Viele Exlibris-Sammler und -Künstler erinnern sich noch gerne an die DEG Jahrestagung im Jahre 2017 in Paderborn. Aufgrund der positiven Rück-meldungen zu dem Treffen laden wir alle noch einmal in die kleine Bischofs-stadt mit dem mehr als 1200-jährigen Dom und der übersichtlichen Altstadt mit den zahlreichen Quellen der Pader ein. Das Stadtbild von Paderborn wird geprägt durch zahlreiche Kirchen, der Kaiserpfalz und viele alte Stadthäuser. Den Namen hat die Stadt vom kürzesten Fluss Deutschlands, der Pader, die im Stadtzentrum an Hunderten Stellen aus dem Boden quillt (Born ist eine alte Bezeichnung für Quelle), bevor sie in Schloss Neuhaus nach nur vier Kilometer Flusslauf in die Lippe mündet.
Von unserem Tagungsort, dem WELCOME Hotel, kann man zu Fuß in weni-gen Minuten die Altstadt erreichen. Ein schöner Spaziergang führt entlang der Pader zum Domplatz mit dem zentralen Neptunbrunnen. Hier lohnt es zu verweilen oder am Samstag ins Markttreiben einzutauchen. Ein Besuch des Domes, des Diözesanmuseums und der von Karl dem Großen angelegten Kaiserpfalz sind zu empfehlen. Durch eine Gasse kommt man aus dem Dom-viertel in das weltliche Paderborn und erreicht den Rathausplatz mit dem alten Rathaus und weiteren Giebelhäusern im Stile der Weser-Renaissance.
Für Begleitpersonen, die nicht oder nur teilweise an der Tagung teilnehmen, bietet das Stadtgebiet von Paderborn vielfältige Möglichkeiten für Besichti-gungen und Spaziergänge (u. a. Paderquellgebiet, Rokoko-Garten in Schloss Neuhaus, Stadtmuseum im Adam-und-Eva-Haus, Heinz-Nixdorf-Forum oder Wanderungen und Radtouren im nahen Haxtergrund). Am Samstagnach-mittag wird eine Busfahrt in das Klostermuseum Dalheim angeboten, zu der eine frühzeitige Anmeldung erbeten wird.
Unsere Tagung findet in dem modernen, im Jahre 2007 erbauten, Vier-Sterne-Hotel WELCOME am Rande der Paderborner Altstadt statt. In zwei Tausch-räumen und drei Räumen für Künstler und Antiquare gibt es genügend Platz für die Sammleraktivitäten, für Fachgespräche oder gemütlichen Plausch. Das Hotel verfügt über mehr als 130 Zimmer, die als Doppel- oder Einzel-zimmer frühzeitig direkt beim WELCOME Hotel zu buchen sind.  Weiter laden ein Restaurant und die Gaststätte „Plückers“ im Hotel zu einer Pause oder zu einem Absacker am Abend ein.

Utz Benkel: Tagungsblatt DEG-Jahrestagung 2023, Linolschnitt

Erreichbar ist der Tagungsort Paderborn mit der Bahn (IC) oder dem Auto über die Autobahn A33, die die A2 mit der A44 verbindet. Täglich gibt es auch Flugverbindungen von und nach München.
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt ist mit einem Bus-Shuttle mit der Innenstadt verbunden.

Wir freuen uns auf eine schöne, ertragreiche Tagung in Paderborn, zu der wir alle DEG-Mitglieder und Interessierte herzlich einladen.

Lydia Willemsen und Siegfried Bresler
Organisationsteam für die Jahrestagung 2023 

DEG-Tagung 2023 Anmeldeformular

 

DEG-Wettbewerb 2023 Ausschreibung




Tagungsort und Hotel:

WELCOME Hotel Paderborn – Fürstenweg 13 – D-33102 Paderborn
Tel. +49 (0)5251 2880 – 0
Reservierungen: info.pad@welcome-hotels.com
Homepage: www.welcome-hotels.com/hotels/paderborn/

Sonderpreis bei Buchung mit dem Kennwort „DEG-Jahrestagung 2023“ und Aufenthalt vom 10. bis zum 14.05. 2023 – Anreise am 10.5. ab 15:00 Uhr – Abreise am 14.05. bis 11:00 Uhr.

Übernachtung inklusive:
* Reichhaltiges „Welcome-the-day“ Frühstücksbuffett
* eine Flasche Mineralwasser
* WLAN-Zugang auf dem Zimmer

Sonderpreise:
84,00 Euro im Standard Einzelzimmer
114,00 Euro im Standard Doppelzimmer

Das Hotel verfügt über 131 Standardzimmer sowie 8 Superiorzimmer,
10 Executivezimmer und 2 Juniorsuiten. Gerne reservieren wir Ihnen diese Kategorien auf Anfrage nach Verfügbarkeit.
Hunde und Katzen auf Nachfrage

Enthalten sind MwSt., Bediengeld, Nutzung der Freizeiteinrichtungen und WLAN. Für den bewachten Hotelparkplatz ist eine Gebühr von 12,00 Euro pro Tag zu entrichten. Kostenfreie, unbewachte Park­plätze stehen in 250 Meter Entfernung zahlreich zur Verfügung.

Bitte buchen Sie Ihr Zimmer direkt im Hotel!

Weitere Unterkünfte:
In der Umgebung des Tagungshotels und im Paderborner Stadtgebiet gibt es weitere Hotels, Gasthöfe und Ferienwohnungen, die über die Touristen-Information der Stadt zu buchen sind:
Touristen-Information Paderborn – Tel. +49 (0)5251 882980 – FAX +49 (0)5251 882990 – E-Mail: tourist-info@paderborn.de




Programm (Änderungen vorbehalten)

Donnerstag, 11. Mai 2023       10:00 – 18:00 Uhr alle Tauschräume geöffnet. 
                                                      10:00 – 18:00 Uhr Tagungsbüro im Foyer des
                                                       Hotels
(Losverkauf für die Tombola)

Freitag, 12. Mai 2023                09:00 – 16:00 Uhr großer Tauschraum
                                                       geöffnet.
                                                       09:00 – 18:00 Uhr kleiner Tauschraum
                                                       geöffnet.                                                       
                                                       09:00 – 16:00 Uhr Tagungsbüro im Foyer des                                                         Hotels (Losverkauf für die Tombola)                                                                         10:00 Uhr DEG-Vorstandssitzung
                                                       14:00 Uhr Stadtspaziergang                                                                                        15:00 – 17:00 Uhr Vortrag von Prof. Dr.                                                                   Stork in der Erzbischöflichen Akademischen
                                                       Bibliothek
                                                       18:30 Uhr Eröffnung der DEG-Jahrestagung
                                                       und der Ausstellung „Grafik-Wettbewerb
                                                       Heinrich Vogeler-150“ im großen
                                                       Tauschraum. Sektempfang.
                                                       Anschließend Grafik-Versteigerung im
                                                       großen Tauschraum.

Samstag, 13. Mai 2023              09:00 – 16:00 Uhr großer Tauschraum
                                                        geöffnet.
                                                        09:00 – 18:00 Uhr kleiner Tauschraum
                                                        geöffnet.
                                                        09:00 – 16:00 Uhr Tagungsbüro im Foyer des
                                                        Hotels (Losverkauf für die Tombola)                                                                          10:00 – 12:00 Uhr DEG-Jahreshaupt-
                                                        versammlung
im Saal „Warsteiner 1“
                                                        13:30 – 18:00 Uhr Busausflug zum Kloster
                                                        Museum Dalheim (geführte Besichtigung der
                                                        Klosteranlage – Kaffeeausklang)
                                                        Bis 15:00 Uhr Stimmzettel-Abgabe für den
                                                        DEG-Wettbewerb. Wahlbox steht im
                                                        Tagungsbüro.
                                                        19:00 Ehrungen im großen Tauschraum
                                                        19:30 – 22:00 Uhr „Festliches Büfett“ und
                                                        Tombola

Sonntag, 14. Mai 2023                09:00 – 13:00 Uhr Tauschräume geöffnet.
                                                        13:00 Uhr Tagungsende und Abreise.




Tagungsgebühren:

DEG-Mitglieder und tauschende Partnermitglieder
inkl. aller Tagungsunterlagen, Sektempfang und Festessen                100,00 €

Nichtmitglieder
inkl. aller Tagungsunterlagen, Sektempfang und Festessen                125,00 €

Nichttauschende Partner (ohne Tagungsmaterial)                                 50,00 €

Tageskarten für DEG Mitglieder / für Gäste
inkl. Tagungsunterlagen, ohne Festessen und Sektempfang – pro Tag                                                                                                                       30,00 € / 40,00 €

Tische sind verpflichtend für Künstler und Antiquare
Pro Tisch für DEG Mitglieder / für Gäste  Gäste                     30,00 € / 40,00 €  Es wird eine namentliche Beschriftung der Tische und eine
farbliche Unterscheidung zwischen Künstlern und Antiquaren
vorgenommen. Ohne Tisch gibt es keine Präsentationsmöglichkeiten!

Ausflug
Busfahrt zum Klostermuseum Dalheim inkl. Führung                            30,00 €

Anmeldung:
Bitte melden Sie sich spätestens bis zum 15. März 2023 an bei:Siegfried Bresler – Zittauer Straße 23 B – D-33619 Bielefeld
Anmeldung möglichst per Mail: s.bresler@t-online.de

Es gelten nur schriftliche Anmeldungen per Post oder per Mail!




Bezahlung:
Die Bezahlung der Tagungsgebühren und sonstige Kosten (Ausflug, Tische etc.) hat mit der Anmeldung, bis spätestens zum 15. März 2023 zu erfolgen. Spätere Zahlungseingänge bedingen einen Aufschlag von 10 €
Konto:  Lydia Willemsen
IBAN:    DE 04 4726 0307 0064 4164 01
BIC:       GENODEM1BKC
Verwendungszweck: DEG-Tagung 2023.

Tagungsteilnehmer, die nicht zum SEPA-Raum gehören, können im Tagungsbüro bar bezahlen. Bitte den Betrag in Euro bereithalten!

Tombola:
Damit wir auch auf dieser Tagung eine Tombola mit attraktiven Preisen anbieten können, bitten wir schon jetzt um Spenden in Form von freien Grafiken, Exlibris, Büchern und anderen Dingen, die das Sammlerherz erfreuen! Um die Organisation der Tombola kümmert sich dankenswerter Weise Anke POLENZ. Sachspenden sind bitte bis zum 15. März 2023 an sie zu senden. Vielen Dank im Voraus!

Anke Polenz – Basaltweg 43 – 22395 Hamburg – Tel. 0175 5263299 – anke@polenz-hh.de

DEG-Wettbewerb:
Einsendungen bitte bis zum 1. April 2023 an Joachim Schlosser – Viersener Straße 123 – D-41063 Mönchengladbach – Tel. +49 (0)2161-468877 – E-Mail: joachim47@t-online.de
Die Exlibris und PF bitte – ohne Trägerpapier – auf der Rückseite mit Bleistift beschriften: Name – Land –Titel – Technik und Jahr! 

DEG-Wettbewerb 2023 Ausschreibung

Berichte über die DEG-Jahrestagung 2022 – Joachim Schlosser neuer Schatzmeister – DEG-Auktion zugunsten ukrainischer Künstler

Bericht über die Jahrestagung der DEG 2022

Ein Bericht der DEG-Tagung 2022 bedarf eines Vorspanns, dürften doch die organisatorischen Probleme, die bis zum Tagungsbeginn zu meistern waren, auch für die Tagungsteilnehmer von Interesse sein, die mit Vorfreude auf ein glückliches Wiedersehen mit Gleichgesinnten und in Erwartung von erfreu-lichen Tauscherlebnissen ihre Teilnahme zugesagt hatten.

Hatte das Gelsenkirchener Hotel bereits im Vorjahr wegen des nicht vorher-sehbaren Verkaufs des Hauses eine Verlegung der Tagung verursacht, gelang dem neuen Hotelbesitzer eine böse Überraschung, als er kurzfristig aus perfider Geldgier von dem bestehenden, rechtskräftigen Mietvertrag zurücktrat. Wegen gravierender Erkrankungen konnten erfahrene Führungs-persönlichkeiten des Vorstands nicht ins Geschehen eingreifen. Doch in der Person des Mitglieds Alexander Kerrutt fand sich ein Krisenmanager, um den herum sich ein Organisationsteam gruppierte, so dass die Gefahr, die Tagung gänzlich absagen zu müssen, gebannt werden konnte. Das Gesagte erklärt, warum die Stadt MOERS Tagungsort wurde, und unser Tagungshotel van der VALK heißt, wie es auf dem neu zu schaffenden Tagungsblatt von Andreas Raub mit dem Falken im Rüttelflug ausgewiesen ist, und alle Teilnehmer sich voller Verständnis der Mühe der Umbuchung unterworfen haben, statt ärger-lich abzusagen. Ein Lob auf den Zusammenhalt der Exlibrisfreunde in aller Welt. 

Tauschsaal im Hotel Van der Valk (Foto: Marietta Hagedorn)

Mit gerade einmal 80 Teilnehmern war es auch in diesem Jahr eine ruhige Tagung mit all den Vorzügen, die wir schon im Vorjahr als überaus wohltuend empfunden hatten, mit Zeit für genüsslichen Exlibristausch und anregenden, aber auch empathischen Gedankenaustausch.

Der Schwerpunkt dieses Treffens war jedoch ein anderer: Krieg in der Ukraine.

Darauf ging unser Präsident Dr. Henry Tauber bei seiner Eröffnungsrede zur Tagung ein.

Dieses Mal zu unserer insgesamt 72. DEG-Jahrestagung 2022 stehen wir unter dem Eindruck einer Katastrophe, die sich wohl niemand von uns noch vor wenigen Monaten hätte ausmalen oder vorstellen können.

Der von Putin und seinen Schergen entfachte Angriffskrieg gegen die Ukraine, mitten in Europa, in seiner Brutalität und Menschenverachtung zutiefst verabscheuungswürdig und aufs Schärfste zu verurteilen, hat bereits Tausende Menschenleben gekostet, und wird weitere Tausende Tote fordern, hat unendliches körperliches und psychisches Leid über Familien gebracht, Städte und Infrastrukturen wurden zerstört, Millionen Menschen wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, die kulturelle Identität eines ganzes Volkes ist existentiell bedroht.

Eröffnungsrede des DEG-Präsidenten Dr. Henry Tauber, ganz rechts im Bild: die Zweite Stellvertretende Bürgermeisterin von Moers Martina Barwitzki-Graeber (Foto: Marietta Hagedorn)

Zudem arbeitete er die Position der DEG zu dieser Aggression heraus.

Wir sind eine ganz bewusst international ausgerichtete Vereinigung, eine friedvolle und friedensstiftende, der Kunst zugewandte Gesellschaft, die sich der Pflege und Förderung insbesondere der Exlibriskunst verschrieben hat.

Der 1891 gegründete alte Deutsche Exlibrisverein zu Berlin hat sich zweimal während seiner Existenz auf schäbigste nationalistische Art und Weise exponiert und auch schuldig gemacht, das eine Mal während des Ersten Weltkriegs, das zweite Mal unter den Nazis.

Die 1949 in der Folge wieder- bzw. neu gegründete DEG hat sich niemals nationalistisch geriert und wird dies auch in der Zukunft nicht tun.
Alle gegenteiligen Behauptungen entbehren jeder Grundlage und sind absolut absurd. 

 

Tauschsaal (Foto: Marietta Hagedorn)

Zuvor hatte er Martina Barwitzki-Graeber, die Abgesandte der Stadt Moers herzlich begrüßt. Für sie, die Stellvertretende Bürgermeisterin, war es sicht-bar keine Pflichtübung, uns willkommen zu heißen. Ihre Begrüßungsworte zeigten überzeugend, wie sehr sie sich ihrer Stadt verbunden fühlt. Dass sie sich nicht, wie danach üblich, verabschiedete, sondern es sich nicht nehmen ließ, noch an der Versteigerung von Bildern zugunsten ukrainischer Künstler*innen teilzunehmen, unterstrich ihr persönliches Interesse. Als sie dann sogar ein Bild von Mariana Myroshnychenko ersteigerte, der einzig anwesenden ukrainischen Künstlerin, der es überhaupt gelungen war anzureisen, wurde ihr Engagement mit lebhaftem Applaus honoriert.

Wie es zu dieser kurzweiligen Versteigerung kam, ist beachtenswert. Utz Benkel hat seit Jahren enge Kontakte zu den internationalen Künstlern der DEG aufgebaut und gepflegt. Gleich bei Kriegsausbruch sah er es als seine persönliche Aufgabe an, ein Hilfsprogramm für ukrainische Künstler*innen zu organisieren, das von zahlreichen Mitgliedern der DEG pekuniär unter-stützt wurde. Die Idee zum Verkauf von Kunstwerken zur Linderung von Leid und Not wurde an ihn von dem russischen Künstler Igor Baranov herange-tragen, der spontan eigene Werke zur Verfügung stellte, ein wunderbares 

Andreas Raub im Tagungsbüro (Foto: Marietta Hagedorn)

Beispiel von Toleranz und unvoreingenommener Einfühlsamkeit. Basierend auf dieser Anregung entwickelte dann Ulrike Ladnar den Plan zu der Auktion, der von fleißigen Händen umgesetzt wurde. Bereichert durch Werke ukraini-scher Künstler*innen und solchen von Utz Benkel und Andreas Raub kam bei 38 Versteigerungsobjekten und weiteren Bilderverkäufen durch Ulrike Ladnar am Folgetag ein kaum zu erhoffender Erlös von 2.211,00 € zustande.

Wie segensstiftend sich Utz Benkels Hilfsaktion, die nunmehr die 20.000-Euro-Marke deutlich überschritten hat, bei den Empfängern auswirkt, berich-tete Mariana Myroshnychenko in ihrer sehr anrührenden Rede. Medikamente, Lebensmittel, Unterbringung, das sind die hauptsächlichen Verwendungs-zwecke, gedacht als Hilfe zum Überleben und Mut-Macher in dieser schwe-ren Zeit, sorgsam verteilt an die, die der Hilfe bedürfen. Das wird, wie die Künstlerin berichtet, von den Empfängern dankbar und freudig entgegen-genommen und keineswegs als Almosen abgetan, denn man fühlt sich der Familie der Exlibrisfreunde eng verbunden, ja zugehörig. Dennoch spricht sie auch von der Angst, bei einem länger anhaltenden Krieg vergessen zu werden, eine Vorstellung, die in ihrer Heimat verbreitet zu sein scheint. Die Hoffnung der in der Ukraine ausharrenden Künstlerschaft sei es, endlich wieder künstlerisch arbeiten zu können, denn Arbeit, so sagte sie, beruhige die Seele und erleichtere das schwere Herz.

Utz Benkel und Mariana Myroshnychenko (Foto: Marietta Hagedorn)

Trotz der außergewöhnlichen Einflüsse dürfen bei der Berichterstattung die üblichen Routineabläufe nicht vergessen werden. Die Mitgliederversamm-lung wurde abgehalten, zu der es einen separaten Bericht geben wird. Durch den erzwungenen Ortswechsel musste das sonst übliche Besichtigungspro-gramm entfallen. Als Höhepunkt erwies sich wieder einmal der Samstag-abend. Lob und Geschenke für die Helfer in der Not wurden vom Präsidenten persönlich stilvoll überreicht. Die Tombola, von großzügigen Sponsoren reich ausgestattet, denen dankbar gedacht wurde, fand außerordentliche Anerken-nung, und das Buffet, variations- und ideenreich dargebracht, erwies sich als ein Dorado für Gourmets.

Die Bekanntgabe der Preisträger der künstlerischen Wettbewerbe ließ sich der Präsident zum Abschluss auch nicht nehmen. Auch diese werden sepa-rat veröffentlicht.

Beim Auseinandergehen war mehrfach der Wunsch zu hören, das kommen-de Jahr möge uns in Frieden und Gesundheit in Paderborn zusammen-kommen lassen.

(Anne Büsing)

Sektempfang (Foto: Marietta Hagedorn)
Das Wichtigste aus der Mitgliederversammlung –
Neuer DEG-Schatzmeister Joachim Schlosser

Zum Nachfolger von Elena Deeken, die das Schatzmeisteramt sechs Jahre lang ausgeübt hat und von der Versammlung mit herzlichem Dank und großem Beifall verabschiedet wurde, wurde Joachim Schlosser gewählt. Neben dieser Funktion bleibt er weiterhin auch Archivar der DEG. 

Der Vorstand hat Alexander Kerrutt neu in den Beirat berufen.

U. a. geschuldet technischen Fortschritten, neueren rechtlichen Bestimmungen und allgemeinen Kostensteigerungen wurden einige
wichtige Satzungsänderungen beschlossen:

Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen können
künftig auch virtuell
abgehalten werden.

– Ein neu eingefügter Paragraph regelt die Beachtung der Vorgaben der
EU-Datenschutz-Grundverordnung und des Bundesdatenschutzgesetzes
.

– Der Mitgliedsbeitrag wird um 10 € erhöht (unabhängig von den bisherigen Basisgebühren) – beginnend mit dem Jahr 2023. 

(HenryTauber) 

Dr. Henry Tauber und der neue Schatzmeister Joachim Schlosser (Foto: Marietta Hagedorn)
DEG-Auktion zugunsten ukrainischer KünstlerInnen auf der DEG-Tagung 2022

Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der DEG in Moers sollte auch ein Zeichen der Solidarität mit unseren ukrainischen Exlibris-Künstler*innen gesetzt werden. 

Der Anstoß kam, als der russische Künstler Igor Baranov mit Hilfe unseres Mitglieds Margo Mulholland acht freie Grafiken verkaufen wollte, um den Erlös der Ukraine zu spenden. Utz Benkel, der sich derzeit mit einer Unterstützungskampagne für ukrainische Künstler und Künstlerinnen sehr stark engagiert, fragte die ukrainischen Exlibriskünstler*innen, ob sie auch Arbeiten für eine mit Ulrike Ladnar angedachte Versteigerung zur Verfügung stellen würden. Mariana Myroshnychenko, die einzige  Künstlerin, die aus der Ukraine zur Tagung kommen konnte, brachte Arbeiten von Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa, Anna Vojtiuk und sich selbst zur Tagung mit. 

Utz Benkel erstellte vorab schon einen Auktionskatalog, und mit Wolfgang Fiedler rahmte er einen Tag vor der Versteigerung insgesamt 38 Arbeiten von Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa, Anna Vojtiuk, Mariana Myroshnychenko, Oleg Dergachov, Igor Baranov, Utz Benkel und Andreas Raub. 

Nach der Eröffnung der DEG-Tagung am Freitag-Abend versteigerte Utz Benkel mit Hilfe von Wolfgang Fiedler diese Arbeiten. Der Erlös der kurz-weiligen Versteigerung waren 1836 Euro, und Ulrike Ladnar verkaufte am nächsten Tag noch Arbeiten von Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa, Anna Vojtiuk, Mariana Myroshnychenko und Mykhailo Drimaylo. Dabei erzielte sie einen weiteren Erlös von 375 Euro. So kamen insgesamt 2211 Euro für die Spendenaktion zusammen. Insgesamt hat Utz Benkel seit dem 24. Februar 22.416 Euro für die ukrainischen Exlibriskünstler*innen gesammelt und ihnen überwiesen. 

(Utz Benkel)

Auktionskatalog

Marie Plyatsko, Ukraine, “Burns”, 2022, Radierung
Utz Benkel und Mariana Myroshnychenko (Foto: Marietta Hagedorn)
Utz Benkel und Wolfgang Fiedler (Foto: Klaus Thoms)
Dr. Henry Tauber und Mariana Myroshnychenko (Foto: Marietta Hegedorn)
Ulrike Ladnar und Wolfgang Fiedler (Foto: Marietta Hagedorn)
Utz Benkel und Wolfgang Fiedler (Foto: Marietta Hagedorn)
Ulrike Ladnar, Utz Benkel, Wolfgang Fiedler (Foto: Marietta Hagedorn)
Auf dem Festabend (Foto: Marietta Hagedorn)
Auf dem Festabend (Foto:Marietta Hagedorn)
Auf dem Festabend (Foto: Marietta Hagedorn)
Preisverleihung an Silvana Martignoni - Publikumspreis für das "Beste Exlibris" (Foto: Marietta Hadedorn)
Alexander Kerrutt, Lydia Willemsen, Andreas Raub - Tagungsorganisator und Tagungsbüro (Foto: H. Tauber)
Abendliche Hotelrunde (Foto: H. Tauber)
Preisverleihung an Utz Benkel - Publikumspreis für die "Beste Gelegenheitsgrafik" (Foto: Marietta Hagedorn)
Tagungsorganisator Alexander Kerrutt (Foto: Marietta Hagedorn)
Klaus Thoms, ehemaliger DEG-Präsident und langjähriger Redakteur der DEG-Mitteilungen (30 Jahre) (Foto: Marietta Hagedorn)

Solidaritäts-Auktion der DEG zugunsten ukrainischer Exlibris-KünstlerInnen – Versteigerung von Exlibris und freien Grafiken

Save the date! Freitag, 6. Mai 2022, nach der offiziellen Eröffnung der Tagung der DEG

Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Exlibris-Tagung der DEG 2022 in Moers, liebe Mitglieder der DEG, liebe Gäste,

im Rahmen der diesjährigen DEG-Tagung soll auch ein Zeichen unserer Solidarität mit unseren ukrainischen Exlibris-Künstlern und -Künstlerinnen gesetzt werden.
Der Anstoß kam, als  der russische Künstler Igor Baranov mit Hilfe unseres Mitglieds Margo Mulholland acht freie Grafiken verkaufen wollte, um den Erlös im Rahmen einer Hilfe für die Ukraine zu spenden. Als ich von seiner Absicht erfuhr, ließ ich ihn durch Margo fragen, ob er einverstanden wäre,  dass wir zu diesem Zweck eine Auktion im Rahmen der Tagung durchführen. Er sagte gerne zu. Vielen Dank, Igor Baranov!
Utz Benkel, der sich derzeit mit einer Unterstützungskampagne für ukraini-sche Künstler und Künstlerinnen sehr stark engagiert, wird im Rahmen der Tagung die Auktion durchführen und selbst zwei seiner Originalgrafiken bei-steuern. Versteigert werden auch freie Grafiken und Exlibris von ukraini-schen Exlibris-Künstlerinnen, die durch diese Spendenaktion unterstützt wer-den: Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa und Mariana Myroshnychenko. Eine  Freundin Oleksandras, Anna Voituk, hat ebenfalls ein Werk beigesteuert.
Ihre Arbeit und auch manche der anderen Grafiken aus der Ukraine sind erst in den letzten Wochen entstanden. Mariana, die an der Tagung teilnehmen wird, wird die Arbeiten nach Moers bringen. Auch dafür allen vielen Dank!

Marie Plyatsko, Ukraine, “Burns”, 2022, Radierung

Die Auktion hat bereits im Vorfeld auf sich aufmerksam gemacht, so dass Sie auch zwei Werke von Andreas  Raub – es handelt sich um seine Diplom-arbeiten! – sowie Exlibris von Oleg Dergachov in der Versteigerung erwerben können. Auch hierfür herzlichen Dank den Spendern.
Die Grafiken der ukrainischen, deutschen und russischen KünstlerInnen werden in Moers rechtzeitig vor der Auktion an Stellwänden präsentiert werden.
Auch nicht anwesende Kunstfreunde können an der Auktion teilnehmen. Näheres entnehmen Sie dem online-Katalog, den Utz Benkel erstellt hat. Sie finden ihn im Anhang.
Die Auktion soll unmittelbar nach der offiziellen Tagungseröffnung durch den Präsidenten der DEG, Herrn Dr. Henry Tauber, und der Ansprache eines Vertreters der Stadt am Freitagabend stattfinden; dazwischen wird ein Glas Sekt gereicht.
Also: Save the date! Freitag, 6. Mai, nach der offiziellen Eröffnung: Solidaritäts-Auktion für ukrainische Exlibris-Künstler und Künstlerinnen;  Auktionserlös geht an die Kampagne von Utz Benkel, über die Sie regel-mäßig im DEG-Newsletter informiert werden.
Aus der Ukraine sind mehr Arbeiten eingegangen, als aus Zeitgründen versteigert werden können. Diese können am Tag nach der Auktion bei mir zu Festpreisen erworben werden.

(für den Vorstand und den Beirat der DEG: U. Ladnar) 

Auktionskatalog

Oleksandra Sysa, Ukraine, Freie Grafik

Dear participants of the 2022 DEG Ex Libris Conference in Moers, DEG members and guests,
As part of this year’s DEG Meeting in Moers, an auction of donated original graphics will be held to raise money in support of our exlibris artists in Ukraine.
The idea came about when Russian artist, Igor Baranov offered our member, Margo Mulholland, a series of eight of his etchings to be auctioned with the proceeds to be given in solidarity to Ukraine. When I found out about his intentions, I asked Margo to ask if he would agree to the DEG holding the auction at the meeting. He gladly agreed. Thank you, Igor Baranov!
Utz Benkel, who is currently very much involved in a support campaign for Ukrainian artists, will conduct the auction during the meeting and will contribute two of his original graphics too. Andreas Raub contributed 2 graphics and we offer Exlibris by Oleg Dergachov. Four young Ukrainian artists also want to have some of her works auctioned for this purpose. One of them, Mariana Myroshnychenko, will take part in our meeting and will bring the graphics to Moers. Thank you all!

The willingness of German, Ukrainian and Russian artists to donate works made DEG’s solidarity auction 2022 in Moers possible.
The auction will take place immediately after the official opening of the meeting by the President of the DEG, Dr. Henry Tauber, and the address by a city official; a glass of sparkling wine will be served in between.

Please save the date! Friday, May 6th, after the official opening
:

In Solidarity with Ukraine Auction! Our donation will go directly to the Ukrainian bookplate artists we know to be distributed by Utz Benkel’s ongoing fundraising campaign, about which you will be informed in the DEG newsletter.

(for the DEG: U. Ladnar)

 

Exlibris des Monats Mai 2022 – “Wie in einem Spiegel” von Ferdinand Götz

Exlibris des Monats für Mai 2022
Ferdinand Götz: Eigenexlibris, um 1900, 2-farbiges Klischee

Schriftliche oder mündliche Kontakte geben einem Exlibriskünstler einen Einblick über Vorstellungen und Wünsche, die ein Eigner in einem für ihn geschaffenen individuellen Buchzeichen verwirklicht sehen will. Auch der Schöpfer dieser Kleingrafiken ist meist selbst ein Freund von Büchern, die sich entsprechend seiner Interessen zu einer kleineren oder größeren Sammlung anhäufen. Gestaltet er dafür ein Exlibris, wird er zwangsläufig zu seinem eigenen Auftraggeber. Er muss dann mit sich selbst ins Reine kommen und entscheiden, welches Motiv und welche Einzelheiten für ihn von Bedeutung sind. So entsteht ein sog. Eigenexlibris, Ferdinand Götz macht es nicht nur im Namen deutlich, er fügt noch ein „Exlibris meis“ dazu. Man fühlt sich sofort in die Epoche des Art Nouveau versetzt, die hierzulande als Jugendstil bekannt wurde. Nur wenige Details, aber viel freie Fläche sind hier bestimmende Merkmale: eine glatte Wasserfläche, deren Horizont weit nach oben geschoben ist. Darin ein nach rechts versetzter großer Felsblock, auf dem einsam eine nackte männliche Figur versonnen in den mit goldener Farbe gedruckten Wasserspiegel blickt. Indem er sich gebückt nach vorne lehnt, kann er sein klares Spiegelbild erkennen, wobei die Arme den Kopf abstützen und er eine entspannte Körperhaltung einnehmen kann. Dabei hält er vorsichtig die Füße nahe an der Wasseroberfläche, denn die kleinste Berührung würde die Spiegelung zerstören.
Im Vordergrund sehen wir also das gespiegelte Konterfei, der blanke Fels mit dem darauf Sitzenden bildet den mittleren Bereich, darüber ein schmaler Himmel, der als Hintergrund die Staffelung in die Tiefe abschließt. Durch die goldene Fläche auf der linken Seite werden alle drei Ebenen des Bildes miteinander verbunden.
Warum hat sich Ferdinand Götz diese Szene für ein Eigenexlibris ausgesucht? Ist es das Erkennen, was das eigene Antlitz über den inneren Zustand verrät? Der Künstler hat anstelle eines Selbstbildnisses eine Figur aus der griechischen Mythologie gewählt: Es geht hier um Narciss (lateinisch Narcissus), einen attraktiven jungen Mann, mit dem sich der Künstler in

seinem Eigenexlibris auseinandersetzt. Der römische Dichter Ovid hat in seinen Metamorphosen diese Geschichte umfassend in Hexametern beschrieben. Frauen und Männer begehrten den Goldgelockten, doch der ließ keine Liebe zu. Sein Stolz war so unermesslich groß wie seine Schönheit. Eines Tages beugte er sich über einen Teich, sah darin sein Spiegelbild und verliebte sich sofort darin. Tag und Nacht am Ufer verbleibend, verzweifelte er immer stärker, weil das wundersame Traumbild ihm keine Antwort gab. Beim Versuch, das Bild im Wasser zu küssen, verliert er das Gleichgewicht und ertrinkt. Der Mythos Narciss hat zahlreiche Künstler inspiriert. Das bekannteste Gemälde schuf der berühmte Maler des italienischen Frühbarocks, Michelangelo Merisi, gen. „Caravaggio“. Auch dieses Ölbild zeigt einen jungen Mann, der sein Spiegelbild im Wasser bewundert. Vielleicht hat Ferdinand Götz durch dieses Bild eine Anregung für sein Exlibris meis erfahren.
Eitle und selbstverliebte Zeitgenossen mit arrogantem Auftreten und fehlender Empathie gelten allgemein als Narzissten. In den Medien spricht man schon von einer “Narzissmus-Epidemie”. In allen Schichten unserer Gesellschaft kann man jüngeren und älteren Egozentrikerinnen und Egozentrikern begegnen, sei es im Fernsehen, im Internet oder auf der Straße. In Reality- und Castingshows setzen sie sich mit Visionen als zukünftige Top-Models oder als Welterklärer in Szene. Man findet sie in sozialen Netzwerken, in denen täglich fast 100 Millionen Bilder geteilt werden, unzählige davon mit dem wichtigsten Motiv unseres digitalen Lebens: dem Selfie. Damit hat das Eigenexlibris von Ferdinand Götz nichts zu tun. Es war primär für die eigene Bibliothek gedacht.

Der 1874 in Fürth geborene Ferdinand Götz war Architekt und Kunstmaler und zog 1895 nach München, wo er für die „Meggendorfer Blätter“ und die „Fliegenden Blätter“ als Zeichner und Karikaturist arbeitete. Als „Volljude“ wurde ihm die Mitgliedschaft in der Reichskammer der Bildenden Künste verweigert, weshalb er ab 1936 im Ausland und zuletzt in Paris lebte, wo er 1941, vermutlich durch Suizid, starb.
Narcissus ist auch der wissenschaftliche Name einer Pflanzengattung, die zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) gehört. Man bezeichnet diese auch als Blumen der Eitelkeit und erinnert somit an den mythischen Helden, denn an der Stelle, wo er zu Tode kam, fand man der Überlieferung nach keinen Leichnam, sondern nur diese Blumen mit gelben und weißen Blütenblättern. Sie blühen von Mai bis Mitte Juni und gelten als zerbrechlich und sehr schön. Im Land um Bad Aussee, einer reizvollen Region im Nachbarland Österreich, blüht die weiße sternblütige Narzisse. Jedes Jahr findet dort im Mai das Narzissenfest, das größte Blumenfest des Landes, statt. Die wild wachsenden Blumen schmücken die Blumenwiesen und verwandeln die idyllische Berg- und Seenlandschaft in ein duftendes Blütenmeer. Gelb, weiß, grün – so weit man sehen kann. Somit passt dieses Buchzeichen als „Exlibris des Monats“ besonders gut für den Mai.

Heinz Neumaier

Grafiken aus aller Welt zum 150. Geburtstag von Heinrich Vogeler

Zum 150. Geburtstag des Worpsweder Künstlers Heinrich Vogeler wurde unter der Schirmherrschaft der Deutschen Exlibris-Gesellschaft (DEG) und der Heinrich-Vogeler-Gesellschaft (HVG) sowie mit Unterstützung der Heinrich Vogeler Stiftung Haus im Schluh Worpswede ein Exlibris- und Kleingrafik-Wettbewerb ausgeschrieben und durchgeführt. 

Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt waren aufgerufen sich mit grafischen Arbeiten dem Leben und Werk des Geburtstagskindes zu widmen. Der Zuspruch zu diesem Wettbewerb war groß. Es wurden 100 Arbeiten von 72 Künstlerinnen und Künstlern aus 13 Ländern eingereicht.

In einer großen Bandbreite grafischer Techniken und Stile präsentieren die Arbeiten jeweils individuelle Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk von Heinrich Vogeler. Die jüngste Künstlerin mit 18 Jahren kommt aus Kasachstan, und der älteste Teilnehmer ist 88 Jahre und wohnt in der Nähe von Leipzig.

Die meisten Grafiken wurden aus Deutschland eingereicht, stark vertreten sind auch Künstlerinnen und Künstler aus Italien. Uns erreichten auch Grafiken aus den U.S.A., aus Norwegen, aus Russland, der Ukraine oder der Türkei, um nur einige Länder zu nennen. Vielleicht kann es ein Friedens-zeichen sein, wenn Künstlerinnen und Künstler aus der Ukraine und Russland sich gemeinsam dem Werk Heinrich Vogelers widmen. Eine italienische Grafikerin bezieht sich dazu in ihrer Radierung direkt auf Vogelers Friedens-brief. 

In Kasachstan befasste sich eine Studierendengruppe einer Hochschule für Grafikdesign mit Heinrich Vogeler und lieferte gleich eine ganze Serie von Kleingrafiken. Die betreuende Dozentin schrieb dazu: „Ja, die Studenten und 

Platz 1: Marianna Antonacci, Italien, Exlibris für Stefania Sanasi, Red Aid, C3/col., 2022, 120 x 125 mm

ich haben die Biografie von Heinrich Vogeler gelesen. Wir waren traurig über sein schweres Schicksal und die Tatsache, dass er weit weg von seiner Heimat in Kasachstan starb. Wir studierten seine Arbeit und sahen sein Talent und Können. Wir sind froh, dass wir durch Freunde von dieser Ausstellung erfahren haben und teilnehmen konnten.“

Erfreulich ist die große Anzahl von Grafiken, die in traditionellen Druck-verfahren gefertigt wurden, die auch zu Zeiten Vogelers genutzt wurden. Durchgängig war bei den eingereichten Werken eine hohe gestalterische und technische Qualtät zu erkennen, was die Auswahl für die Jury schwierig machte. Sie prämierte aus den ausgewählten Arbeiten drei Grafiken mit Preisen und hob zwei Arbeiten mit einer besonderen Erwähnung hervor. 

Der erste Preis ging an die Italienische Künstlerin Marianna Antonacci aus Rom. Ihre Radierung trägt den Titel “Red Aid” (Abb. 1). Die Jury wählte die Grafik aufgrund ihrer hervorragenden Komposition aus realistischen Darstellungen und Abstraktionen aus. Sie hob die exzellente Technik der Grafik hervor. Das Bild zeigt viele Stationen aus Vogelers Leben: seine musisch-künstlerische Bildung und seine Selbstkarikatur mit Schottenkappe aus seinem Frühwerk. Aus der frühen Zeit sind sein Windhund und der ausgestopfte Papagei zu sehen, der bei Vogeler im Barkenhoff stand. Für die spätere Periode in Vogelers Leben stehen die Kinder aus der Zeit des Barkenhoffs als Kinderheim der Roten Hilfe und das Puppentheater für das Kollektivistentheater in Odessa. Im Hintergrund stellt ein Fensterbild mit Fabrikgebäuden einen Bezug zu seinen Werken in der Sowjetunion her. Alles in allem eine gelungene Gesamtkomposition.

Auch der zweite Preis ging an eine Italienerin: Carla Fusi aus Florenz nimmt in ihrer Radierung Bezug auf Vogelers Friedensbrief an den Kaiser, der in unseren Tagen wieder sehr aktuell ist (Abb. 2). Auf dem Tisch im Vordergrund liegt der gefaltete Brief, von dem die letzten Zeilen lesbar sind, vor der Offiziersmütze des Briefeschreibers. Das Blatt zeigt symbolisch die Veränderungen in Vogelers Leben: Der Friedensbrief an den Kaiser ist eine einschneidende Aktion, die das Leben des Künstlers radikal verändert. 

Platz 2: Carla Fusi, Italien, "Friedensbrief", C3, 2021, 125 x 95 mm

Links im Bild ranken noch die Rosen des Jugendstils. Der Riss in der Wand deutet auf Vogelers Bruch mit dem alten Leben hin. Die romantische nordische Landschaft mit einem reetgedeckten Bauernhaus spiegelt sich in den Scheiben des geöffneten Fensters in der Bildsprache von Vogelers Komplexbildern.

Der dritte Preis wurde der russischen Künstlerin Ekaterina Kuberskaia aus Sankt Petersburg zugesprochen. Die Lithografie zeigt Vogelers Weg vom Romatiker zum Revolutionär (Abb. 3). Der junge Vogeler ist vor roten Fahnen und den aufständischen Matrosen zu sehen.

Besondere Erwähnungen erfuhren die Grafiken von Katarzyna Handzlik und Carsten Heuer (Abb. 4 und 5), die beide, in unterschiedlicher Drucktechnik, den Barkenhoff zum Thema machen.

Die eingereichten grafischen Arbeiten werden in einem Katalog und in zwei Ausstellungen präsentiert. Zu sehen sind die Blätter vom 20. November 2022 bis März 2023 in Worpswede im Haus im Schluh im Rahmen einer Kabinett-ausstellung, in der auch Exlibris-Grafiken von Heinrich Vogeler zu sehen sein werden. Eine weitere Ausstellung der Werke wird es vom 11. bis 14. Mai 2023 in Paderborn im Hotel WELCOME im Rahmen des Jahrestreffens der Deutschen Exlibris-Gesellschaft geben. 

 

(Siegfried Bresler) 

Platz 3. Ekaterina Kuberskaia, Russland, Exlibris Heinrich Vogeler, L1, 2022, 130 x 100 mm
Besondere Erwähnung: Katarzyna Handzlik, Polen, In memoriam Heinrich Vogeler, CGD, 2022, 105 x 68 mm
Besondere Erwähnung: Carsten Heuer, Deutschland, Barkenhoff, X3, 2021, 130 x 130 mm