Berichte über die DEG-Jahrestagung 2022 – Joachim Schlosser neuer Schatzmeister – DEG-Auktion zugunsten ukrainischer Künstler

Bericht über die Jahrestagung der DEG 2022

Ein Bericht der DEG-Tagung 2022 bedarf eines Vorspanns, dürften doch die organisatorischen Probleme, die bis zum Tagungsbeginn zu meistern waren, auch für die Tagungsteilnehmer von Interesse sein, die mit Vorfreude auf ein glückliches Wiedersehen mit Gleichgesinnten und in Erwartung von erfreu-lichen Tauscherlebnissen ihre Teilnahme zugesagt hatten.

Hatte das Gelsenkirchener Hotel bereits im Vorjahr wegen des nicht vorher-sehbaren Verkaufs des Hauses eine Verlegung der Tagung verursacht, gelang dem neuen Hotelbesitzer eine böse Überraschung, als er kurzfristig aus perfider Geldgier von dem bestehenden, rechtskräftigen Mietvertrag zurücktrat. Wegen gravierender Erkrankungen konnten erfahrene Führungs-persönlichkeiten des Vorstands nicht ins Geschehen eingreifen. Doch in der Person des Mitglieds Alexander Kerrutt fand sich ein Krisenmanager, um den herum sich ein Organisationsteam gruppierte, so dass die Gefahr, die Tagung gänzlich absagen zu müssen, gebannt werden konnte. Das Gesagte erklärt, warum die Stadt MOERS Tagungsort wurde, und unser Tagungshotel van der VALK heißt, wie es auf dem neu zu schaffenden Tagungsblatt von Andreas Raub mit dem Falken im Rüttelflug ausgewiesen ist, und alle Teilnehmer sich voller Verständnis der Mühe der Umbuchung unterworfen haben, statt ärger-lich abzusagen. Ein Lob auf den Zusammenhalt der Exlibrisfreunde in aller Welt. 

Tauschsaal im Hotel Van der Valk (Foto: Marietta Hagedorn)

Mit gerade einmal 80 Teilnehmern war es auch in diesem Jahr eine ruhige Tagung mit all den Vorzügen, die wir schon im Vorjahr als überaus wohltuend empfunden hatten, mit Zeit für genüsslichen Exlibristausch und anregenden, aber auch empathischen Gedankenaustausch.

Der Schwerpunkt dieses Treffens war jedoch ein anderer: Krieg in der Ukraine.

Darauf ging unser Präsident Dr. Henry Tauber bei seiner Eröffnungsrede zur Tagung ein.

Dieses Mal zu unserer insgesamt 72. DEG-Jahrestagung 2022 stehen wir unter dem Eindruck einer Katastrophe, die sich wohl niemand von uns noch vor wenigen Monaten hätte ausmalen oder vorstellen können.

Der von Putin und seinen Schergen entfachte Angriffskrieg gegen die Ukraine, mitten in Europa, in seiner Brutalität und Menschenverachtung zutiefst verabscheuungswürdig und aufs Schärfste zu verurteilen, hat bereits Tausende Menschenleben gekostet, und wird weitere Tausende Tote fordern, hat unendliches körperliches und psychisches Leid über Familien gebracht, Städte und Infrastrukturen wurden zerstört, Millionen Menschen wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, die kulturelle Identität eines ganzes Volkes ist existentiell bedroht.

Eröffnungsrede des DEG-Präsidenten Dr. Henry Tauber, ganz rechts im Bild: die Zweite Stellvertretende Bürgermeisterin von Moers Martina Barwitzki-Graeber (Foto: Marietta Hagedorn)

Zudem arbeitete er die Position der DEG zu dieser Aggression heraus.

Wir sind eine ganz bewusst international ausgerichtete Vereinigung, eine friedvolle und friedensstiftende, der Kunst zugewandte Gesellschaft, die sich der Pflege und Förderung insbesondere der Exlibriskunst verschrieben hat.

Der 1891 gegründete alte Deutsche Exlibrisverein zu Berlin hat sich zweimal während seiner Existenz auf schäbigste nationalistische Art und Weise exponiert und auch schuldig gemacht, das eine Mal während des Ersten Weltkriegs, das zweite Mal unter den Nazis.

Die 1949 in der Folge wieder- bzw. neu gegründete DEG hat sich niemals nationalistisch geriert und wird dies auch in der Zukunft nicht tun.
Alle gegenteiligen Behauptungen entbehren jeder Grundlage und sind absolut absurd. 

 

Tauschsaal (Foto: Marietta Hagedorn)

Zuvor hatte er Martina Barwitzki-Graeber, die Abgesandte der Stadt Moers herzlich begrüßt. Für sie, die Stellvertretende Bürgermeisterin, war es sicht-bar keine Pflichtübung, uns willkommen zu heißen. Ihre Begrüßungsworte zeigten überzeugend, wie sehr sie sich ihrer Stadt verbunden fühlt. Dass sie sich nicht, wie danach üblich, verabschiedete, sondern es sich nicht nehmen ließ, noch an der Versteigerung von Bildern zugunsten ukrainischer Künstler*innen teilzunehmen, unterstrich ihr persönliches Interesse. Als sie dann sogar ein Bild von Mariana Myroshnychenko ersteigerte, der einzig anwesenden ukrainischen Künstlerin, der es überhaupt gelungen war anzureisen, wurde ihr Engagement mit lebhaftem Applaus honoriert.

Wie es zu dieser kurzweiligen Versteigerung kam, ist beachtenswert. Utz Benkel hat seit Jahren enge Kontakte zu den internationalen Künstlern der DEG aufgebaut und gepflegt. Gleich bei Kriegsausbruch sah er es als seine persönliche Aufgabe an, ein Hilfsprogramm für ukrainische Künstler*innen zu organisieren, das von zahlreichen Mitgliedern der DEG pekuniär unter-stützt wurde. Die Idee zum Verkauf von Kunstwerken zur Linderung von Leid und Not wurde an ihn von dem russischen Künstler Igor Baranov herange-tragen, der spontan eigene Werke zur Verfügung stellte, ein wunderbares 

Andreas Raub im Tagungsbüro (Foto: Marietta Hagedorn)

Beispiel von Toleranz und unvoreingenommener Einfühlsamkeit. Basierend auf dieser Anregung entwickelte dann Ulrike Ladnar den Plan zu der Auktion, der von fleißigen Händen umgesetzt wurde. Bereichert durch Werke ukraini-scher Künstler*innen und solchen von Utz Benkel und Andreas Raub kam bei 38 Versteigerungsobjekten und weiteren Bilderverkäufen durch Ulrike Ladnar am Folgetag ein kaum zu erhoffender Erlös von 2.211,00 € zustande.

Wie segensstiftend sich Utz Benkels Hilfsaktion, die nunmehr die 20.000-Euro-Marke deutlich überschritten hat, bei den Empfängern auswirkt, berich-tete Mariana Myroshnychenko in ihrer sehr anrührenden Rede. Medikamente, Lebensmittel, Unterbringung, das sind die hauptsächlichen Verwendungs-zwecke, gedacht als Hilfe zum Überleben und Mut-Macher in dieser schwe-ren Zeit, sorgsam verteilt an die, die der Hilfe bedürfen. Das wird, wie die Künstlerin berichtet, von den Empfängern dankbar und freudig entgegen-genommen und keineswegs als Almosen abgetan, denn man fühlt sich der Familie der Exlibrisfreunde eng verbunden, ja zugehörig. Dennoch spricht sie auch von der Angst, bei einem länger anhaltenden Krieg vergessen zu werden, eine Vorstellung, die in ihrer Heimat verbreitet zu sein scheint. Die Hoffnung der in der Ukraine ausharrenden Künstlerschaft sei es, endlich wieder künstlerisch arbeiten zu können, denn Arbeit, so sagte sie, beruhige die Seele und erleichtere das schwere Herz.

Utz Benkel und Mariana Myroshnychenko (Foto: Marietta Hagedorn)

Trotz der außergewöhnlichen Einflüsse dürfen bei der Berichterstattung die üblichen Routineabläufe nicht vergessen werden. Die Mitgliederversamm-lung wurde abgehalten, zu der es einen separaten Bericht geben wird. Durch den erzwungenen Ortswechsel musste das sonst übliche Besichtigungspro-gramm entfallen. Als Höhepunkt erwies sich wieder einmal der Samstag-abend. Lob und Geschenke für die Helfer in der Not wurden vom Präsidenten persönlich stilvoll überreicht. Die Tombola, von großzügigen Sponsoren reich ausgestattet, denen dankbar gedacht wurde, fand außerordentliche Anerken-nung, und das Buffet, variations- und ideenreich dargebracht, erwies sich als ein Dorado für Gourmets.

Die Bekanntgabe der Preisträger der künstlerischen Wettbewerbe ließ sich der Präsident zum Abschluss auch nicht nehmen. Auch diese werden sepa-rat veröffentlicht.

Beim Auseinandergehen war mehrfach der Wunsch zu hören, das kommen-de Jahr möge uns in Frieden und Gesundheit in Paderborn zusammen-kommen lassen.

(Anne Büsing)

Sektempfang (Foto: Marietta Hagedorn)
Das Wichtigste aus der Mitgliederversammlung –
Neuer DEG-Schatzmeister Joachim Schlosser

Zum Nachfolger von Elena Deeken, die das Schatzmeisteramt sechs Jahre lang ausgeübt hat und von der Versammlung mit herzlichem Dank und großem Beifall verabschiedet wurde, wurde Joachim Schlosser gewählt. Neben dieser Funktion bleibt er weiterhin auch Archivar der DEG. 

Der Vorstand hat Alexander Kerrutt neu in den Beirat berufen.

U. a. geschuldet technischen Fortschritten, neueren rechtlichen Bestimmungen und allgemeinen Kostensteigerungen wurden einige
wichtige Satzungsänderungen beschlossen:

Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen können
künftig auch virtuell
abgehalten werden.

– Ein neu eingefügter Paragraph regelt die Beachtung der Vorgaben der
EU-Datenschutz-Grundverordnung und des Bundesdatenschutzgesetzes
.

– Der Mitgliedsbeitrag wird um 10 € erhöht (unabhängig von den bisherigen Basisgebühren) – beginnend mit dem Jahr 2023. 

(HenryTauber) 

Dr. Henry Tauber und der neue Schatzmeister Joachim Schlosser (Foto: Marietta Hagedorn)
DEG-Auktion zugunsten ukrainischer KünstlerInnen auf der DEG-Tagung 2022

Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der DEG in Moers sollte auch ein Zeichen der Solidarität mit unseren ukrainischen Exlibris-Künstler*innen gesetzt werden. 

Der Anstoß kam, als der russische Künstler Igor Baranov mit Hilfe unseres Mitglieds Margo Mulholland acht freie Grafiken verkaufen wollte, um den Erlös der Ukraine zu spenden. Utz Benkel, der sich derzeit mit einer Unterstützungskampagne für ukrainische Künstler und Künstlerinnen sehr stark engagiert, fragte die ukrainischen Exlibriskünstler*innen, ob sie auch Arbeiten für eine mit Ulrike Ladnar angedachte Versteigerung zur Verfügung stellen würden. Mariana Myroshnychenko, die einzige  Künstlerin, die aus der Ukraine zur Tagung kommen konnte, brachte Arbeiten von Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa, Anna Vojtiuk und sich selbst zur Tagung mit. 

Utz Benkel erstellte vorab schon einen Auktionskatalog, und mit Wolfgang Fiedler rahmte er einen Tag vor der Versteigerung insgesamt 38 Arbeiten von Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa, Anna Vojtiuk, Mariana Myroshnychenko, Oleg Dergachov, Igor Baranov, Utz Benkel und Andreas Raub. 

Nach der Eröffnung der DEG-Tagung am Freitag-Abend versteigerte Utz Benkel mit Hilfe von Wolfgang Fiedler diese Arbeiten. Der Erlös der kurz-weiligen Versteigerung waren 1836 Euro, und Ulrike Ladnar verkaufte am nächsten Tag noch Arbeiten von Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa, Anna Vojtiuk, Mariana Myroshnychenko und Mykhailo Drimaylo. Dabei erzielte sie einen weiteren Erlös von 375 Euro. So kamen insgesamt 2211 Euro für die Spendenaktion zusammen. Insgesamt hat Utz Benkel seit dem 24. Februar 22.416 Euro für die ukrainischen Exlibriskünstler*innen gesammelt und ihnen überwiesen. 

(Utz Benkel)

Auktionskatalog

Marie Plyatsko, Ukraine, “Burns”, 2022, Radierung
Utz Benkel und Mariana Myroshnychenko (Foto: Marietta Hagedorn)
Utz Benkel und Wolfgang Fiedler (Foto: Klaus Thoms)
Dr. Henry Tauber und Mariana Myroshnychenko (Foto: Marietta Hegedorn)
Ulrike Ladnar und Wolfgang Fiedler (Foto: Marietta Hagedorn)
Utz Benkel und Wolfgang Fiedler (Foto: Marietta Hagedorn)
Ulrike Ladnar, Utz Benkel, Wolfgang Fiedler (Foto: Marietta Hagedorn)
Auf dem Festabend (Foto: Marietta Hagedorn)
Auf dem Festabend (Foto:Marietta Hagedorn)
Auf dem Festabend (Foto: Marietta Hagedorn)
Preisverleihung an Silvana Martignoni - Publikumspreis für das "Beste Exlibris" (Foto: Marietta Hadedorn)
Alexander Kerrutt, Lydia Willemsen, Andreas Raub - Tagungsorganisator und Tagungsbüro (Foto: H. Tauber)
Abendliche Hotelrunde (Foto: H. Tauber)
Preisverleihung an Utz Benkel - Publikumspreis für die "Beste Gelegenheitsgrafik" (Foto: Marietta Hagedorn)
Tagungsorganisator Alexander Kerrutt (Foto: Marietta Hagedorn)
Klaus Thoms, ehemaliger DEG-Präsident und langjähriger Redakteur der DEG-Mitteilungen (30 Jahre) (Foto: Marietta Hagedorn)

Solidaritäts-Auktion der DEG zugunsten ukrainischer Exlibris-KünstlerInnen – Versteigerung von Exlibris und freien Grafiken

Save the date! Freitag, 6. Mai 2022, nach der offiziellen Eröffnung der Tagung der DEG

Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Exlibris-Tagung der DEG 2022 in Moers, liebe Mitglieder der DEG, liebe Gäste,

im Rahmen der diesjährigen DEG-Tagung soll auch ein Zeichen unserer Solidarität mit unseren ukrainischen Exlibris-Künstlern und -Künstlerinnen gesetzt werden.
Der Anstoß kam, als  der russische Künstler Igor Baranov mit Hilfe unseres Mitglieds Margo Mulholland acht freie Grafiken verkaufen wollte, um den Erlös im Rahmen einer Hilfe für die Ukraine zu spenden. Als ich von seiner Absicht erfuhr, ließ ich ihn durch Margo fragen, ob er einverstanden wäre,  dass wir zu diesem Zweck eine Auktion im Rahmen der Tagung durchführen. Er sagte gerne zu. Vielen Dank, Igor Baranov!
Utz Benkel, der sich derzeit mit einer Unterstützungskampagne für ukraini-sche Künstler und Künstlerinnen sehr stark engagiert, wird im Rahmen der Tagung die Auktion durchführen und selbst zwei seiner Originalgrafiken bei-steuern. Versteigert werden auch freie Grafiken und Exlibris von ukraini-schen Exlibris-Künstlerinnen, die durch diese Spendenaktion unterstützt wer-den: Marie Plyatsko, Oleksandra Sysa und Mariana Myroshnychenko. Eine  Freundin Oleksandras, Anna Voituk, hat ebenfalls ein Werk beigesteuert.
Ihre Arbeit und auch manche der anderen Grafiken aus der Ukraine sind erst in den letzten Wochen entstanden. Mariana, die an der Tagung teilnehmen wird, wird die Arbeiten nach Moers bringen. Auch dafür allen vielen Dank!

Marie Plyatsko, Ukraine, “Burns”, 2022, Radierung

Die Auktion hat bereits im Vorfeld auf sich aufmerksam gemacht, so dass Sie auch zwei Werke von Andreas  Raub – es handelt sich um seine Diplom-arbeiten! – sowie Exlibris von Oleg Dergachov in der Versteigerung erwerben können. Auch hierfür herzlichen Dank den Spendern.
Die Grafiken der ukrainischen, deutschen und russischen KünstlerInnen werden in Moers rechtzeitig vor der Auktion an Stellwänden präsentiert werden.
Auch nicht anwesende Kunstfreunde können an der Auktion teilnehmen. Näheres entnehmen Sie dem online-Katalog, den Utz Benkel erstellt hat. Sie finden ihn im Anhang.
Die Auktion soll unmittelbar nach der offiziellen Tagungseröffnung durch den Präsidenten der DEG, Herrn Dr. Henry Tauber, und der Ansprache eines Vertreters der Stadt am Freitagabend stattfinden; dazwischen wird ein Glas Sekt gereicht.
Also: Save the date! Freitag, 6. Mai, nach der offiziellen Eröffnung: Solidaritäts-Auktion für ukrainische Exlibris-Künstler und Künstlerinnen;  Auktionserlös geht an die Kampagne von Utz Benkel, über die Sie regel-mäßig im DEG-Newsletter informiert werden.
Aus der Ukraine sind mehr Arbeiten eingegangen, als aus Zeitgründen versteigert werden können. Diese können am Tag nach der Auktion bei mir zu Festpreisen erworben werden.

(für den Vorstand und den Beirat der DEG: U. Ladnar) 

Auktionskatalog

Oleksandra Sysa, Ukraine, Freie Grafik

Dear participants of the 2022 DEG Ex Libris Conference in Moers, DEG members and guests,
As part of this year’s DEG Meeting in Moers, an auction of donated original graphics will be held to raise money in support of our exlibris artists in Ukraine.
The idea came about when Russian artist, Igor Baranov offered our member, Margo Mulholland, a series of eight of his etchings to be auctioned with the proceeds to be given in solidarity to Ukraine. When I found out about his intentions, I asked Margo to ask if he would agree to the DEG holding the auction at the meeting. He gladly agreed. Thank you, Igor Baranov!
Utz Benkel, who is currently very much involved in a support campaign for Ukrainian artists, will conduct the auction during the meeting and will contribute two of his original graphics too. Andreas Raub contributed 2 graphics and we offer Exlibris by Oleg Dergachov. Four young Ukrainian artists also want to have some of her works auctioned for this purpose. One of them, Mariana Myroshnychenko, will take part in our meeting and will bring the graphics to Moers. Thank you all!

The willingness of German, Ukrainian and Russian artists to donate works made DEG’s solidarity auction 2022 in Moers possible.
The auction will take place immediately after the official opening of the meeting by the President of the DEG, Dr. Henry Tauber, and the address by a city official; a glass of sparkling wine will be served in between.

Please save the date! Friday, May 6th, after the official opening
:

In Solidarity with Ukraine Auction! Our donation will go directly to the Ukrainian bookplate artists we know to be distributed by Utz Benkel’s ongoing fundraising campaign, about which you will be informed in the DEG newsletter.

(for the DEG: U. Ladnar)

 

Exlibris des Monats Mai 2022 – “Wie in einem Spiegel” von Ferdinand Götz

Exlibris des Monats für Mai 2022
Ferdinand Götz: Eigenexlibris, um 1900, 2-farbiges Klischee

Schriftliche oder mündliche Kontakte geben einem Exlibriskünstler einen Einblick über Vorstellungen und Wünsche, die ein Eigner in einem für ihn geschaffenen individuellen Buchzeichen verwirklicht sehen will. Auch der Schöpfer dieser Kleingrafiken ist meist selbst ein Freund von Büchern, die sich entsprechend seiner Interessen zu einer kleineren oder größeren Sammlung anhäufen. Gestaltet er dafür ein Exlibris, wird er zwangsläufig zu seinem eigenen Auftraggeber. Er muss dann mit sich selbst ins Reine kommen und entscheiden, welches Motiv und welche Einzelheiten für ihn von Bedeutung sind. So entsteht ein sog. Eigenexlibris, Ferdinand Götz macht es nicht nur im Namen deutlich, er fügt noch ein „Exlibris meis“ dazu. Man fühlt sich sofort in die Epoche des Art Nouveau versetzt, die hierzulande als Jugendstil bekannt wurde. Nur wenige Details, aber viel freie Fläche sind hier bestimmende Merkmale: eine glatte Wasserfläche, deren Horizont weit nach oben geschoben ist. Darin ein nach rechts versetzter großer Felsblock, auf dem einsam eine nackte männliche Figur versonnen in den mit goldener Farbe gedruckten Wasserspiegel blickt. Indem er sich gebückt nach vorne lehnt, kann er sein klares Spiegelbild erkennen, wobei die Arme den Kopf abstützen und er eine entspannte Körperhaltung einnehmen kann. Dabei hält er vorsichtig die Füße nahe an der Wasseroberfläche, denn die kleinste Berührung würde die Spiegelung zerstören.
Im Vordergrund sehen wir also das gespiegelte Konterfei, der blanke Fels mit dem darauf Sitzenden bildet den mittleren Bereich, darüber ein schmaler Himmel, der als Hintergrund die Staffelung in die Tiefe abschließt. Durch die goldene Fläche auf der linken Seite werden alle drei Ebenen des Bildes miteinander verbunden.
Warum hat sich Ferdinand Götz diese Szene für ein Eigenexlibris ausgesucht? Ist es das Erkennen, was das eigene Antlitz über den inneren Zustand verrät? Der Künstler hat anstelle eines Selbstbildnisses eine Figur aus der griechischen Mythologie gewählt: Es geht hier um Narciss (lateinisch Narcissus), einen attraktiven jungen Mann, mit dem sich der Künstler in

seinem Eigenexlibris auseinandersetzt. Der römische Dichter Ovid hat in seinen Metamorphosen diese Geschichte umfassend in Hexametern beschrieben. Frauen und Männer begehrten den Goldgelockten, doch der ließ keine Liebe zu. Sein Stolz war so unermesslich groß wie seine Schönheit. Eines Tages beugte er sich über einen Teich, sah darin sein Spiegelbild und verliebte sich sofort darin. Tag und Nacht am Ufer verbleibend, verzweifelte er immer stärker, weil das wundersame Traumbild ihm keine Antwort gab. Beim Versuch, das Bild im Wasser zu küssen, verliert er das Gleichgewicht und ertrinkt. Der Mythos Narciss hat zahlreiche Künstler inspiriert. Das bekannteste Gemälde schuf der berühmte Maler des italienischen Frühbarocks, Michelangelo Merisi, gen. „Caravaggio“. Auch dieses Ölbild zeigt einen jungen Mann, der sein Spiegelbild im Wasser bewundert. Vielleicht hat Ferdinand Götz durch dieses Bild eine Anregung für sein Exlibris meis erfahren.
Eitle und selbstverliebte Zeitgenossen mit arrogantem Auftreten und fehlender Empathie gelten allgemein als Narzissten. In den Medien spricht man schon von einer “Narzissmus-Epidemie”. In allen Schichten unserer Gesellschaft kann man jüngeren und älteren Egozentrikerinnen und Egozentrikern begegnen, sei es im Fernsehen, im Internet oder auf der Straße. In Reality- und Castingshows setzen sie sich mit Visionen als zukünftige Top-Models oder als Welterklärer in Szene. Man findet sie in sozialen Netzwerken, in denen täglich fast 100 Millionen Bilder geteilt werden, unzählige davon mit dem wichtigsten Motiv unseres digitalen Lebens: dem Selfie. Damit hat das Eigenexlibris von Ferdinand Götz nichts zu tun. Es war primär für die eigene Bibliothek gedacht.

Der 1874 in Fürth geborene Ferdinand Götz war Architekt und Kunstmaler und zog 1895 nach München, wo er für die „Meggendorfer Blätter“ und die „Fliegenden Blätter“ als Zeichner und Karikaturist arbeitete. Als „Volljude“ wurde ihm die Mitgliedschaft in der Reichskammer der Bildenden Künste verweigert, weshalb er ab 1936 im Ausland und zuletzt in Paris lebte, wo er 1941, vermutlich durch Suizid, starb.
Narcissus ist auch der wissenschaftliche Name einer Pflanzengattung, die zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) gehört. Man bezeichnet diese auch als Blumen der Eitelkeit und erinnert somit an den mythischen Helden, denn an der Stelle, wo er zu Tode kam, fand man der Überlieferung nach keinen Leichnam, sondern nur diese Blumen mit gelben und weißen Blütenblättern. Sie blühen von Mai bis Mitte Juni und gelten als zerbrechlich und sehr schön. Im Land um Bad Aussee, einer reizvollen Region im Nachbarland Österreich, blüht die weiße sternblütige Narzisse. Jedes Jahr findet dort im Mai das Narzissenfest, das größte Blumenfest des Landes, statt. Die wild wachsenden Blumen schmücken die Blumenwiesen und verwandeln die idyllische Berg- und Seenlandschaft in ein duftendes Blütenmeer. Gelb, weiß, grün – so weit man sehen kann. Somit passt dieses Buchzeichen als „Exlibris des Monats“ besonders gut für den Mai.

Heinz Neumaier

Grafiken aus aller Welt zum 150. Geburtstag von Heinrich Vogeler

Zum 150. Geburtstag des Worpsweder Künstlers Heinrich Vogeler wurde unter der Schirmherrschaft der Deutschen Exlibris-Gesellschaft (DEG) und der Heinrich-Vogeler-Gesellschaft (HVG) sowie mit Unterstützung der Heinrich Vogeler Stiftung Haus im Schluh Worpswede ein Exlibris- und Kleingrafik-Wettbewerb ausgeschrieben und durchgeführt. 

Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt waren aufgerufen sich mit grafischen Arbeiten dem Leben und Werk des Geburtstagskindes zu widmen. Der Zuspruch zu diesem Wettbewerb war groß. Es wurden 100 Arbeiten von 72 Künstlerinnen und Künstlern aus 13 Ländern eingereicht.

In einer großen Bandbreite grafischer Techniken und Stile präsentieren die Arbeiten jeweils individuelle Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk von Heinrich Vogeler. Die jüngste Künstlerin mit 18 Jahren kommt aus Kasachstan, und der älteste Teilnehmer ist 88 Jahre und wohnt in der Nähe von Leipzig.

Die meisten Grafiken wurden aus Deutschland eingereicht, stark vertreten sind auch Künstlerinnen und Künstler aus Italien. Uns erreichten auch Grafiken aus den U.S.A., aus Norwegen, aus Russland, der Ukraine oder der Türkei, um nur einige Länder zu nennen. Vielleicht kann es ein Friedens-zeichen sein, wenn Künstlerinnen und Künstler aus der Ukraine und Russland sich gemeinsam dem Werk Heinrich Vogelers widmen. Eine italienische Grafikerin bezieht sich dazu in ihrer Radierung direkt auf Vogelers Friedens-brief. 

In Kasachstan befasste sich eine Studierendengruppe einer Hochschule für Grafikdesign mit Heinrich Vogeler und lieferte gleich eine ganze Serie von Kleingrafiken. Die betreuende Dozentin schrieb dazu: „Ja, die Studenten und 

Platz 1: Marianna Antonacci, Italien, Exlibris für Stefania Sanasi, Red Aid, C3/col., 2022, 120 x 125 mm

ich haben die Biografie von Heinrich Vogeler gelesen. Wir waren traurig über sein schweres Schicksal und die Tatsache, dass er weit weg von seiner Heimat in Kasachstan starb. Wir studierten seine Arbeit und sahen sein Talent und Können. Wir sind froh, dass wir durch Freunde von dieser Ausstellung erfahren haben und teilnehmen konnten.“

Erfreulich ist die große Anzahl von Grafiken, die in traditionellen Druck-verfahren gefertigt wurden, die auch zu Zeiten Vogelers genutzt wurden. Durchgängig war bei den eingereichten Werken eine hohe gestalterische und technische Qualtät zu erkennen, was die Auswahl für die Jury schwierig machte. Sie prämierte aus den ausgewählten Arbeiten drei Grafiken mit Preisen und hob zwei Arbeiten mit einer besonderen Erwähnung hervor. 

Der erste Preis ging an die Italienische Künstlerin Marianna Antonacci aus Rom. Ihre Radierung trägt den Titel “Red Aid” (Abb. 1). Die Jury wählte die Grafik aufgrund ihrer hervorragenden Komposition aus realistischen Darstellungen und Abstraktionen aus. Sie hob die exzellente Technik der Grafik hervor. Das Bild zeigt viele Stationen aus Vogelers Leben: seine musisch-künstlerische Bildung und seine Selbstkarikatur mit Schottenkappe aus seinem Frühwerk. Aus der frühen Zeit sind sein Windhund und der ausgestopfte Papagei zu sehen, der bei Vogeler im Barkenhoff stand. Für die spätere Periode in Vogelers Leben stehen die Kinder aus der Zeit des Barkenhoffs als Kinderheim der Roten Hilfe und das Puppentheater für das Kollektivistentheater in Odessa. Im Hintergrund stellt ein Fensterbild mit Fabrikgebäuden einen Bezug zu seinen Werken in der Sowjetunion her. Alles in allem eine gelungene Gesamtkomposition.

Auch der zweite Preis ging an eine Italienerin: Carla Fusi aus Florenz nimmt in ihrer Radierung Bezug auf Vogelers Friedensbrief an den Kaiser, der in unseren Tagen wieder sehr aktuell ist (Abb. 2). Auf dem Tisch im Vordergrund liegt der gefaltete Brief, von dem die letzten Zeilen lesbar sind, vor der Offiziersmütze des Briefeschreibers. Das Blatt zeigt symbolisch die Veränderungen in Vogelers Leben: Der Friedensbrief an den Kaiser ist eine einschneidende Aktion, die das Leben des Künstlers radikal verändert. 

Platz 2: Carla Fusi, Italien, "Friedensbrief", C3, 2021, 125 x 95 mm

Links im Bild ranken noch die Rosen des Jugendstils. Der Riss in der Wand deutet auf Vogelers Bruch mit dem alten Leben hin. Die romantische nordische Landschaft mit einem reetgedeckten Bauernhaus spiegelt sich in den Scheiben des geöffneten Fensters in der Bildsprache von Vogelers Komplexbildern.

Der dritte Preis wurde der russischen Künstlerin Ekaterina Kuberskaia aus Sankt Petersburg zugesprochen. Die Lithografie zeigt Vogelers Weg vom Romatiker zum Revolutionär (Abb. 3). Der junge Vogeler ist vor roten Fahnen und den aufständischen Matrosen zu sehen.

Besondere Erwähnungen erfuhren die Grafiken von Katarzyna Handzlik und Carsten Heuer (Abb. 4 und 5), die beide, in unterschiedlicher Drucktechnik, den Barkenhoff zum Thema machen.

Die eingereichten grafischen Arbeiten werden in einem Katalog und in zwei Ausstellungen präsentiert. Zu sehen sind die Blätter vom 20. November 2022 bis März 2023 in Worpswede im Haus im Schluh im Rahmen einer Kabinett-ausstellung, in der auch Exlibris-Grafiken von Heinrich Vogeler zu sehen sein werden. Eine weitere Ausstellung der Werke wird es vom 11. bis 14. Mai 2023 in Paderborn im Hotel WELCOME im Rahmen des Jahrestreffens der Deutschen Exlibris-Gesellschaft geben. 

 

(Siegfried Bresler) 

Platz 3. Ekaterina Kuberskaia, Russland, Exlibris Heinrich Vogeler, L1, 2022, 130 x 100 mm
Besondere Erwähnung: Katarzyna Handzlik, Polen, In memoriam Heinrich Vogeler, CGD, 2022, 105 x 68 mm
Besondere Erwähnung: Carsten Heuer, Deutschland, Barkenhoff, X3, 2021, 130 x 130 mm

Wichtige Änderung – DEG-Jahrestagung 2022 nicht in Gelsenkirchen, sondern in Moers

Die DEG-Jahrestagung 2022 findet vom 05.05.–08.05.2022 im Moers statt! 
Der Tagungsraum für die DEG Jahrestagung 2022 und die Zimmer in Gelsenkirchen wurden seitens des Plaza Hotels Gelsenkirchen gekündigt. Stattdessen wird die Tagung im gleichen Zeitraum in Moers im Van der Valk Hotel stattfinden
(EZ = EUR 90 pro Nacht, DZ = EUR 116 pro Nacht; jeweils inkl. Frühstück).

Bitte reservieren Sie sofort im neuen Hotel ihr Zimmer unter: salesnrw@vandervalk.de , Zimmertyp EZ oder DZ, Datum von – bis, Stichwort DEG-Tagung sowie Nr. GFC20083

Für telefonische Fragen bitte direkt Frau Giesen
unter Tel. +49 (0) 2841/146 555 anrufen.
Die genannten Konditionen für die Zimmer gelten nur bei einer Buchung bis spätestens 4. April 2022. 

Hotel-Website: https://moers.vandervalk.de/

Andreas Raub: Tagungsblatt für die DEG-Jahrestagung 2022

Für alle Teilnehmer, die bereits im Plaza Hotel Gelsenkirchen ein Zimmer gebucht haben, empfehlen wir, dass Sie dieses Zimmer selber mit folgendem Text stornieren:
Wegen der Kündigung der Tagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft vom 5. bis 8. Mai 2022 im Plaza Hotel Gelsenkirchen seitens des Hotels storniere ich mein EZ/DZ vom sofort, da der Anlass für meine Buchung entfallen ist.

Die bisherigen Tagungsanmeldungen bleiben selbstverständlich gültig. 
Weitere Tagungs-Anmeldungen senden Sie bitte an diese Mail-Adresse: 

a.kerrutt@yahoo.de (bitte auf die zwei r und die zwei t achten!)
Die Tagungs-Gebühren schicken Sie bitte an: Alexander Kerrutt, IBAN: DE24 3608 0080 0524 6970 01, BIC: DRESDEFF360, Verwendungszweck: DEG-Tagung 2022.

Anmeldung-DEG-Tagung-2022

Vorläufige Teilnehmerliste 02.05.2022


Wettbewerb der DEG 2022 – Ausschreibung

Die Stadt Moers hat rund 104.000 Einwohner und liegt am unteren Niederrhein am westlichen Rand des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen. Besondere Sehenswürdigkeiten der Stadt sind das Moerser Schloss mit dem Grafschafter Museum und dem Schlosspark, der direkt an die historische Altstadt anschließt.
Der Flughafen Düsseldorf liegt nur ca. 30 km von Moers entfernt.

Tagungsprogramm (Änderungen sind möglich)

Donnerstag, 5. Mai 

  • Tagungsbüro von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet (Losverkauf für die Tombola)
  • Tauschraum für Sammler, Antiquare und Künstler ab 09.00 – 20.00 Uhr geöffnet

Freitag, 6. Mai

  • Tagungsbüro von 10.00 – 16.00 Uhr geöffnet (Losverkauf für die Tombola)
  • Tauschraum für Sammler, Antiquare und Künstler ab 09.00 – 20.00 Uhr geöffnet 
  • Jahreshauptversammlung der DEG 14:00 – 17:00 Uhr
  • Eröffnung der Ausstellung Wettbewerb der DEG 2022
  • Offizielle Eröffnung der DEG-Jahrestagung durch den Präsidenten um 18.30 Uhr

Samstag, 7. Mai

  • Tagungsbüro von 10.00 – 14.00 Uhr geöffnet (Losverkauf für die Tombola)
  • Tauschraum für Sammler, Antiquare und Künstler ab 09.00 – 17.00 Uhr geöffnet
  • Stimmzettelabgabe für die DEG-Wettbewerbe bis 15.00 Uhr
  • Ehrungen und Urkundenverleihungen an die Wettbewerbsgewinner 18.30 Uhr
  • Anschließend gemeinsames Festessen

Sonntag, 8. Mai 

  • Tauschraum für Sammler, Antiquare und Künstler ab 09.00 – 12.00 Uhr geöffnet
  • 12.00 Uhr Tagungsende

Für Marie, Oleksandra, Yulia, Mariana, Mykhailo und viele andere …

Die Deutsche Exlibris-Gesellschaft versteht sich nicht als nationale Organisation im engen Sinn; wir haben Mitglieder aus ca. 20 Ländern – sowohl aus Europa als auch aus Amerika und Asien. Auch unsere Tagungen werden von Exlibris-Interessierten aus vielen Ländern der Welt besucht, unsere Begegnungen und der Austausch mit Menschen aus aller Welt gelten nicht nur dem Sammeln von Exlibris, sondern auch der Verständigung und dem friedlichen Miteinander von Menschen.

Auch auf unserer letzten Zusammenkunft im Oktober letzten Jahres in Haltern am See haben wir uns über die Anwesenheit von Mitgliedern und Künstlern aus anderen Ländern gefreut, unter denen uns ein junger Künstler und vier junge und fröhliche junge Künstlerinnen aus der Ukraine besonders im Gedächtnis geblieben sind, mit denen wir gesprochen, gearbeitet und gefeiert haben und deren Lächeln uns berührt hat.

Und jetzt sind wir alle in großer Sorge darüber, wie es ihnen, ihren Familien und Freunden und allen anderen Bürgern und Bürgerinnen der Ukraine geht.

Die Deutsche Exlibris-Gesellschaft denkt mit viel Freundschaft und Solidarität an ihre Mitglieder in der Ukraine, an die Künstlerinnen und Künstler, die in den letzten Jahren unsere Exlibris-Sammlungen durch viele ungewöhnliche und kreative Arbeiten bereichert haben, sowie an alle anderen Menschen, die jetzt in der Ukraine unter schwierigsten Bedingungen leben oder ihr Land verlassen müssen.

Ulrike Ladnar für den Vorstand und den Beirat der DEG

Marie Plyatsko: Memento Vivere, Exlibris für Ulrike Ladnar, 2019

Nachruf auf Hartmut Polenz

Noch auf der DEG-Tagung im Oktober in Haltern sah man Hartmut Polenz und Heinz Decker in intensivem Gespräch vertieft einträchtig beieinander-sitzen. Nun ist wenige Tage nach dem Tod von Heinz Decker auch Hartmut Polenz seinem längeren schweren Leiden erlegen. Er starb am 7. Dezember 2021 in Hamburg im Alter von 81 Jahren.
Hartmuts große Leidenschaft galt der Altertumsforschung. Er war Privat-dozent und Dr. phil. habil., der u. a. in der Redaktion der Römisch-Germa-nischen Kommission in Frankfurt tätig war und ab 1978 als wissenschaft-licher Referent am Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster arbeitete. Für die Vereinigung westfälischer Museen führte er von 1984 bis 1996 die Geschäfte und war von 1996 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2005 ihr Vorsitzender. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Ver-einigung gewählt. In zahlreichen Schriften teilte er seine Forschungs-ergebnisse mit der historischen Fachwelt und interessierten Laien, vor-nehmlich zur Geschichte und Archäologie der vorrömischen Eisenzeit und der Zeit der Römer und Germanen in Westfalen, besondere Schwerpunkte legte er auf keltische Kultur in Mitteleuropa und keltische Numismatik.
Zu seinen Interessensgebieten zählte aber auch die bildende Kunst, eine Leidenschaft, die er mit seiner Frau Anke Polenz, die er 2003 kennenlernte, teilte. Sie war 2001 in die Deutsche Exlibris-Gesellschaft eingetreten und förderte fast von Beginn an (v. a. jüngere) Exlibriskünstler aus Osteuropa. Und das taten dann beide, spätestens nach Hartmuts Eintritt in die DEG als Partnermitglied, gemeinsam. Die Namen der von ihnen geförderten Künstler und Künstlerinnen reichen von Jaroslav Minář aus Tschechien über Ivan Rusachek aus Belarus bis zu Rajmund Aszkowski aus Polen. Letzterer war es auch, der sie auf weitere polnische Künstler aufmerksam machte, wodurch u. a. eine besondere Verbindung mit Krzysztof Marek Bąk und Katarzyna Handzlik entstand. 
Auf den DEG-Jahrestagungen trat das Ehepaar Polenz (Anke Polenz leitet seit 2014 die DEG-Geschäftsstelle) stets gemeinsam auf, und auch die jährlichen Hamburger Exlibris-Treffen in ihrem Privathaus organisierten beide gemeinsam – als kenntnisreiche Gesprächspartner, freundschaftlich, groß-zügig, hilfsbereit. In seinen Exlibris wird Hartmut Polenz der Exlibriswelt für immer in Erinnerung bleiben.
Wir trauern mit seiner Frau und seiner Familie und fühlen mit ihnen.

(Henry Tauber)

Foto: Klaus Thoms
Jaroslav Minář: Exlibris für Dr. Hartmut Polenz, 2005, Lithografie
Andreas Raub: Exlibris für Dr. Hartmut Polenz, 2012, Radierung

Das 32. Berliner Exlibris-Treffen (bet)

Das 32. Berliner Exlibris-Treffen (bet)

Nach einem Jahr Zwangspause fand am 6. November das Berliner-Exlibris-Treffen – hervorragend organisiert von unserem Mitglied Wolfgang Fiedler – wieder mit ca. 45 Gästen statt. Das Thema der diesjährigen, von Wolfgang Fiedler zusammengestellten Ausstellung, war Birgit Göbel-Stiegler – eine große Sammlerin, die an unsere im letzten Jahr verstorbene ehemalige und langjährige Geschäftsführerin und Trägerin der Walter-von-Zur-Westen-Medaille, die schmerzlich vermisste Birgit Göbel-Stiegler in angemessener

Weise erinnerte. Anwesend waren unser Präsident Dr. Henry Tauber und Birgits drei Kinder Ines, Manon und Gerrit. Ebenfalls anwesend waren die Künstler Falk Geissler, Norbert Salzwedel, Utz Benkel und Elena Kiseleva.
Es war ein besinnlicher, aber auch munterer Tauschtag bei Kaffee und Kuchen, Kartoffelsalat und Bockwürsten. Außerdem wurden zwei neue Mitglieder für die DEG gewonnen: Brigitta Lizinski, Berlin (Wiedereintritt) und Peter-Jörg Preuschoff, Berlin.

Utz Benkel

Foto: Henry Tauber
Erhard Beitz: In memoriam Birgit Goebel-Stiegler, 2020, Kupferstich

Walter-von-Zur-Westen-Medaille 2021 für Ulrike Ladnar

Walter-von-Zur-Westen-Medaille 2021

Wusstest Du eigentlich, dass Du nur 2 Tage vor dem Geburtstag des heute vermutlich erfolgreichsten deutschen Gespensterkrimi-Autoren geboren wurdest? Der heißt Helmut Rellergerd und hat unter dem Pseudonym Jason Dark v. a. Romane der Geisterheftreihe „John Sinclair“ geschrieben, wohl mehr als 2.000 Geschichten. Rellergerd kam am 25. Januar 1945 in Altena-Dahle zur Welt.

Du, liebe Ulrike Ladnar, bist wie gesagt, 2 Tage vor ihm in Baden bei Wien zur Welt gekommen, bist in Bad Mergentheim in Baden-Württemberg aufgewachsen, wo u. a. Eduard Mörike 7 Jahre gelebt hat, hast in Frankfurt am Main Germanistik, Slavistik und Geschichte studiert, bist dann dortgeblieben, wenngleich Du auch immer wieder nach Baden gegangen bist, und wurdest Gymnasiallehrerin und Lehrerausbilderin.

Als solche warst Du Autorin von Schulfunksendungen, hast an Lehrwerken mitgearbeitet, Arbeiten zur Didaktik und Methodik des Deutschunterrichts geschrieben, zahlreiche Unterrichtshilfen verfasst. Und Du hast 5 historische Kriminalromane geschrieben, die im Gmeiner-Verlag und im Nikros Verlag erschienen sind und in Wien, Frankfurt und Süddeutschland spielen.

In diesem Zusammenhang gibt es ein Interview von Dir auf Youtube, aus dem ich mir ein paar Ausschnitte gemerkt habe, z. B. dass Du mit Deinen Schülern ein Abkommen hattest, dass sie ein Buch nicht aus der Hand legen sollten, bevor sie die Seite 30 erreicht hatten, „um dem Autor eine Chance zu geben“. Oder einen Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg, der sinngemäß lautet: „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, muss das nicht am Buch liegen.“ Oder Deine Antwort auf die Journalistenfrage, was man verpasst, wenn man nicht liest: „Man verpasst, in Muße über das eigene Leben nachzudenken.“

Dass Du eine Femme de lettres bist, davon hat schließlich in besonderem Maße die DEG profitiert durch zahlreiche Schriften zum Exlibris, die Du publiziert hast, z. B. mit Deinem Mann Heinz Decker: über „Bühnen-Bilder. Exlibris rund ums Theater“, das war 2009, ein Jahr darauf über „Exlibris zum Friedrichshagener Dichterkreis“, oder 2020 den Ausstellungskatalog „Water, water everywhere“. Artikel für das DEG-Jahrbuch gehörten dazu, etwa 2004 über „Jüdische Vertreter der Wiener und Prager Moderne und ihre Exlibris“, 2012 mit Heinz über „Josef Sechés Exlibris und Gebrauchsgrafik“ oder 2020 über „Politische Redner als Motiv auf Exlibris“.
Vor allem aber warst Du von 2016 bis 2021 Redakteurin des DEG-Jahrbuchs, die Jahre bis 2020 als Vorstandsmitglied der DEG, und hast das Aushängeschild der Gesellschaft auch noch nach Deinem Ausscheiden aus dem DEG-Vorstand souverän weitergeleitet, in Deine Zeit fallen z. B. die beiden Themenbände über „Komisches und Heiteres im Exlibris“ 2018 und über „Politischen und gesellschaftlichen Wandel“ 2020. Für die „DEG-Mitteilungen“ hast Du seit 2006 eine ganze Reihe von Beiträgen geschrieben, Rezensionen über das Jahrbuch der Gesellschaft der Bibliophilen „Imprimatur“, das ÖEG-Jahrbuch oder über Claudia Karolyis Gedichtband „Ephemera“.

Auch für die Schriften unserer befreundeten Exlibrisvereine in Österreich, also die ÖEG, und in der Schweiz, den SELC, hast Du Beiträge geschrieben, z. B. über „Exlibris von Sofia Maly“ im ÖEG-Jahrbuch 2013–2014, oder über „Exlibris der Lyrikerin Brigitte Fuchs“ und das „Exlibriswerk von Henriette Grimm“ in der Jahresgabe des SELC über „Schweizer Exlibriskünstlerinnen“ 2020–2021. Ebenso für die Mitteilungen der Gesellschaft der Bibliophilen, die „Wandelhalle für Bücherfreunde“, oder die „Marginalien“ der Pirckheimer-Gesellschaft: „Im Geäst der Initialen“ und „Im Gespinst der Bilder“ – „Schrift und Bild im Exlibris, Teil 1 und 2“ 2018, den gleichfalls launigen Titel

Foto: Klaus Thoms

„Hat Mona Lisa Zahnschmerzen ? Bildzitate im modernen Exlibris“ 2019 oder, abermals mit Heinz, „Wenn Bücher vom Himmel regnen – Füllhörner und die Büchse der Pandora als Exlibris-Motive“ 2021. Sehr glücklicherweise hat Dich der DEG-Vorstand 2020 in seinen Beirat berufen, wo Du uns buchstäblich als enge Beraterin zur Seite stehst, wofür Dir die DEG sehr zu danken hat.

Als ich Euch das erste Mal in Frankfurt besucht habe und Dir nach meiner Erinnerung ein Büchlein mitbrachte, hast Du mir gesagt, dass man sowieso mehr Bücher als Blumen verschenken sollte, jedenfalls würdest Du Dich darüber freuen.

 

Nun schenken wir Dir heute keine Blumen, aber auch kein Buch, sondern wir verleihen Dir eine Medaille und eine Urkunde, genauer: die 20. Walter-von-Zur-Westen-Medaille mit der zugehörigen schönen Urkunde von Joke van den Brandt! Und wir hoffen, dass Du Dich auch darüber freust!

Liebe Ulrike, ganz herzlichen Glückwunsch! 

Laudatio, gehalten von Henry Tauber am 23.10.2021 in Haltern am See

PreisträgerInnen des DEG-Wettbewerbs 2021

Nach zweieinhalbjähriger, v. a. coronabedingter Pause konnte die DEG vom 21. bis 24. Oktober erstmals wieder ihre Jahrestagung, diesmal in Haltern am See, abhalten.

Zu den Höhepunkten der Tagung gehört traditionsgemäß die Präsentation der für den Wettbewerb für Exlibris und Gelegenheitsgrafik eingesandten Arbeiten und die Auszeichnung der gewählten SiegerInnen in den einzelnen Kategorien.

Am Wettbewerb 2021 beteiligten sich diesmal 73 KünstlerInnen aus 16 Ländern mit insgesamt 244 Grafiken (220 Exlibris und 24 Gelegenheits-grafiken).

Die Jury (Bert Groeneveld [Antiquar], Bärbel Kieninger [Sammlerin], Ulrike Ladnar [Beirätin], Karl Pellens [Sammler], Oleksandra Sysa [Künstlerin]) sprach folgenden Teilnehmern die Preise in der Kategorie „Bester Künstler“ bzw. „Beste Künstlerin” zu:

Sergey Kirnitzkiy: Exlibris für Anneliese Ostermann, C4+C7, 2021

1. Sergey Kirnitzkiy (UA)
2. Oleg Dergachov (F)
3. Regina Franke (D)

Die Publikumspreise gingen an:

Silvana Martignoni (I) – „Bestes Exlibris“ (für Anke Polenz)

Anna Perekhodko (RUS) – Eigen-PF

Neben den Preisgeldern (300 €, 200 €, 100 €) erhalten die GewinnerInnen auch die von Joke van den Brandt wie immer sehr schön gestalteten Urkunden.

Die DEG freut sich sehr über den großen Anklang, den der Wettbewerb gefunden hat, und gratuliert den PreisträgerInnen ganz herzlich!

Dr. Henry Tauber, für den DEG-Vorstand 

Sergey Kirnitzkiy: Exlibris für Kurt Ostermann, C4+C7, 2021
Oleg Dergachov: Exlibris für Josef Burch, "Skull of Emperor", C3+C5, 2020
Oleg Dergachov: Exlibris für Anke und Hartmut Polenz, "Fantasy Megapolis", C3+C5, 2020
Regina Franke: Exlibris für Smilla, C3, 2021
Regina Franke: Exlibris für Titus, C3, 2021
Silvana Martignoni: Exlibris für Anke Polenz, C3, 2021
Anna Perekhodko: PF 2021, "Year of the Bull", L, 2020