Eva Masthoff: Petar Chinovsky – in: Graphische Künste

Seit 2011 wird das Oeuvre des jungen bulgarischen Grafikers und Illustrators Petar Vladimirov Chinovsky weltweit auf zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Anfangs bestand es aus Lithografien, mittlerweile vor allem aus Algraphien. Unter seinen zahlreichen erwähnenswerten Auszeichnungen befindet sich der 1. Preis für Kleingrafik auf der 2. Internationalen Ausstellung „Enter into Art“ in Köln (2016) und eine „Lobende Erwähnung“ auf dem PRIMER SALÓN INTERNACIONAL DE MINIPRINT Y EX-LIBRIS 2012 in Argentinien.

In einem Aufsatz für die Graphische Kunst stellt Eva Masthoff den Künstler vor und legt überzeugend dar, dass es „sich lohnt, sich Zeit und Geduld zu nehmen, um seine immens komplexen, von Mythos und Magie [durchdrungenen] Bilder zu lesen“.

Eva Masthoff: Petar Vladimirov Chinovsky – Graphiker und Illustrator, in: Graphische Kunst, 2/2020, S. 9–15, mit 9 Abb. (v. a. Exlibris). 

 

Chinovsky – Graphische Künste – Eva Masthoff

“Wandelhalle für Bücherfreunde” – Exlibris-Beiträge

Es sind gleich drei Artikel in der Wandelhalle, in denen Exlibris eine wichtige Rolle spielen:

Zunächst in der Rubrik Blickpunkt, in der Bernd Gerlach über die Ergebnisse seiner Recherchen zu der bibliophilen Büchersammlerin Lucy Spiegl berichtet. 1982 erstand er in dem Marburger Antiquariat Braun-Elwert (den Ubbelohde-Freunden werden beim Namen Elwert die Glocken klingeln) eine Auswahl der Gedichte Goethes von Cobden-Sanderson, erschienen in der Dover-Press, England während des Ersten Weltkriegs. In diesem Buch fand sich kleiner Stahlstich mit dem Namen Lucy Spiegl, umrahmt von einer Randgirlande. Danach fand Gerlach immer wieder einmal Bücher, in denen das Spiegl-Exlibris befestigt war, „bibliophile, oft sehr berühmte Ausgaben interessanter Texte“. Die Neugierde war geweckt, und der Autor recherchierte Biografisches und Sonstiges zur Eignerin des Bücherzeichens. Lucy von Goldschmidt-Rothschild (1891–1977) war eine Tochter des Frankfurter Bankiers und Kunstmäzens Maximilian von Goldschmidt-Rothschild und seiner Frau Minna geb. von Rothschild, die als „wohlhabendstes Ehepaar

des Kaiserreichs” galten. 1917 heiratete Lucy den österreichischen Diplomaten Edgar von Spiegl. Nach dem (verlorenen) Weltkrieg zog sich das Paar ins Privatleben ins Salzkammergut zurück und baute dort eine wertvolle Sammlung von Volkskunst auf. Edgar von Spiegl starb 1931, Lucy emigrierte nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich in die Schweiz und lebte dort bis zu ihrem Tod in der Nähe des Genfer Sees. Zu den spannendsten Entdeckungen bei seiner weiteren Spurensuche in bibliophilen Buchausgaben gehörten, wie Gerlach erzählt, etwa eine Widmung von Else Lasker-Schüler (die u. a. selbst ein Exlibris auf ihren Namen von Sella Hasse besaß) unter dem Gedicht Versöhnung an „meine asiatische Prinzessin 

Lucie von Goldschmidt-Rothschild zur Verlobung und Glücksewigkeit vom Prinzen Jussuf von Theben“ oder ein Begleitbrief von Rainer Maria Rilke zu einem Hochzeitsgeschenk (dem Westöstlichen Divan), der in einem Auktionskatalog von Sotheby´s abgedruckt ist und in dem der berühmte Dichter u. a. schreibt: „[…] Spiegl weiß von unserer Freundschaft […]“ –
Am Anfang dieser ganz und gar erstaunlichen Entdeckungen stand ein kleines, unscheinbares Bücherzeichen, mit dem der Käufer zunächst nichts anzufangen wusste. Die Geschichte steht geradezu beispielhaft für einen der interessantesten Aspekte in Bezug auf die Bedeutung des Sammelns von Exlibris, nämlich die Provenienzforschung.

In der Rubrik Aus anderen Gesellschaften stellt die Redakteurin der Wandelhalle, Silvia Werfel, das DEG-Jahrbuch 2020 vor, das diesmal unter dem Leitthema Politischer und gesellschaftlicher Wandel steht. Die Autoren spannen einen weiten Bogen u. a. vom Ersten Weltkrieg in der Exlibrisliteratur, über politische Positionen von Exlibriskünstlern wie Heinrich Vogeler, Michel Fingesten und Eduard Winkler sowie Exlibris jenseits des Eisernen Vorhangs und das Motiv des politischen Redners, bis zum unaufhaltsamen Wandel der Frau in der Gesellschaft.
[Siehe dazu auch die Jahrbuch-Rezension von Alice Aeberhard unter https://www.exlibris-deg.de/2020/07/05/deg-jahrbuch-2020/ und den kompletten Artikel Der Frau ihre Kunst und Freiheit von Ursula Müksch unter https://www.exlibris-deg.de/2020/05/18/2020-der-frau-ihre-kunst-und-freiheit/ – beides auf der DEG-Website.]

Als Nr. 7 der Reihe Exlibris im Porträt schließlich stellt Daniel Theveßen ein Blatt von Michel Fingesten für Marco Birnholz vor. Passenderweise lautet der Untertitel Von verfolgten Künstlern und Eignern. Sowohl der hochbedeutende Exlibris-Künstler Michel Fingesten, der mehr als 750 Exlibris geschaffen hat, als auch der gleichfalls bedeutende obsessive Exlibris-Sammler Marco Birnholz flohen – als Juden – vor den Nationalsozialisten, der erste von Deutschland nach Italien, wo er trotzdem interniert wurde und 1943 an den Folgen einer Operation starb, der zweite von Österreich in die USA, wo er noch bis 1965 lebte. Immerhin erhielt Birnholz nach 1950 die Reste seiner von der Gestapo beschlagnahmten Bibliothek und seiner riesigen Exlibris-Kollektion in einer frühen Restitution zurück. Der Autor streift die Ereignisse und beschreibt sodann das Exlibris mit dem Lesenden vor einer Menora und einer Torso-Skulptur. 

Wandelhalle für Bücherfreunde, Herbst 2020, red. von Silvia Werfel M.A., München 2020, 48 S., für Nichtmitglieder 10 Euro (für 2 Ausgaben jährlich)

(Henry Tauber) 

Eros und Thanatos – Die sinnliche und makabre Kunst von Michel Fingesten

Eros e Thanatos – L’arte sensuale e macabra di Michel Fingesten

Eros und Thanatos – Die sinnliche und makabre Kunst von Michel Fingesten

Zur gerade zu Ende gegangenen Ausstellung zum grafischen Werk von Michel Fingesten in Sesto Fiorentino (Italien) ist ein umfangreicher, reich illustrierter Katalog erschienen.
Die einleitenden Aufsätze von Giuseppe Mirabella, Emanuele Bardazzi und Giulia Ballerini beleuchten biografische und künstlerische Aspekte des vielseitigen Grafikkünstlers.
Auch wenn diese Texte in Italienisch geschrieben sind, bieten den Text begleitende Fotografien und Abbildungen von zum Teil unbekannten Werken vielseitige visuelle Informationen.
Im zweiten Teil des Buches werden die Werke der Ausstellung auf fast 200 Seiten mit über 450 Abbildungen dokumentiert.
Selbst Fingesten-Kenner werden in diesem Katalog viel Neues entdecken können.
Dieser in hervorragender Qualität gedruckte Katalog in festem Einband ist schon jetzt ein Referenzwerk zum künstlerischen Werk von Michel Fingesten.

(Siegfried Bresler) 

Zu beziehen ist der Katalog über
ufficiostampa@lasoffittaspaziodellearti.it
– Telefon 0039-335-6136979.

Katalog zum DEG-Wettbewerb für Exlibris und Gelegenheitsgrafik 2020

Katalog zum DEG-Wettbewerb für Exlibris und Gelegenheitsgrafik,
Jahrestagung 2020 in Bad Bramstedt 
(Tagung aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen), 
zusammengestellt von Joachim Schlosser

Nach dem Verzicht auf die früher geltende Teilnahmebedingung, dass entweder der Künstler/die Künstlerin oder der Eigner/die Eignerin Mitglied der DEG sein musste, war erstmals jedermann/jedefrau zur Einreichung von Wettbewerbsarbeiten berechtigt. Dies führte zu einem Anstieg der Wettbewerbsarbeiten gegenüber dem Vorjahr um das Zweieinhalbfache.

Zum Wettbewerb wurden 263 Grafiken (237 Exlibris und 26 Gelegenheitsgrafiken) von 41 KünstlerInnen aus 18 Ländern eingereicht, die alle in diesem Katalog veröffentlicht sind.

Die Preise der Jury für den besten Künstler / die beste Künstlerin (dotiert mit 300 € für Rang 1, 200 € für Rang 2 und jeweils 100 € für Rang 3) gingen an:

     1. Lembit Löhmus (Estland) 
     2. Irina Kozub (Russland)
     3. Mykhailo Drimaylo (Ukraine) und Anna Perekhodko (Russland)

Die Vergabe der Publikumspreise für das „beste Exlibris“ und die „beste Gelegenheitsgrafik“ musste 2020 leider ausfallen.

Der seit nunmehr zehn Jahren regelmäßig erscheinende Katalog dokumentiert den Stand der Dinge in der Exlibriskunst und zeigt u. a. Trends auf, was Inhalte und Techniken anbelangt. Wettbewerb und Katalog bieten sowohl bekannten als auch jungen und aufstrebenden KünstlerInnen eine wirksame Präsentationsbühne. 

Zu beziehen über: Karl Kröger, vizepraesident@exlibris-deg.de

Preis: 10 €

Water, water everywhere …

Ulrike Ladnar/Heinz Decker: Water, water everywhere … 
DIN A4, 2020, 56 S., 206 Abb. 

ISBN 978-3-925300-70-7

Water- water- everywhere

Anlässlich der für 2020 in Bad Bramstedt im meerumschlungenen Schleswig-Holstein geplanten Jahrestagung der Deutschen-Exlibris-Gesellschaft e.V., die wegen der Corona-Pandemie leider ausfallen musste, hatten Ulrike Ladnar und Heinz Decker mit 204 ausgewählten Exlibris sowie einer freien Grafik und einem PF für 1985 eine Ausstellung zum Thema „Water, water, everywhere…“ vorbereitet.

Zugleich ist von den beiden dazu ein von Utz Benkel grafisch gestalteter und im Mehrfarbendruck erschienener gleichnamiger Katalog als Veröffentlichung der DEG vorgelegt worden.

Dem Titel der Ausstellung liegt eine Zeile des Gedichtes „The Rime of the Ancient Mariner“ von Samuel Taylor Coleridge zugrunde: „Alles was auf See gesehen werden und passieren kann, ist im Gedicht enthalten (…) und auch auf Exlibris dargestellt worden“ (so der Hinweis der Verf. in der Einleitung).  Und das wird auch aus dem Inhaltsverzeichnis ersichtlich, das die Fülle der abgebildeten Themen in drei große Abschnitte gliedert: „Meer als realer Raum“, „Meer als Raum der Phantasie“ und „Meer als symbolischer Raum“. Den Schluss bildet ein alphabetisches Verzeichnis der Künstler der über 200 abgebildeten Exlibris, die sich auf einen Zeitraum von „um 1890“ bis „2020“ erstrecken.

 

Die ganze nur denkbare und auf Exlibris dargestellte Palette, die im weitesten Sinne mit Meer in Verbindung gebracht werden kann, wird mit der Vielzahl künstlerischer Ausprägungen bestens vor Augen geführt und mit knappen Textbeiträgen – oftmals humoristisch –  erläutert.

Angesichts der Fülle an Beispielen, die im gesamten Exlibrisbereich vorliegen, kann in dieser Schrift natürlich nur eine kleine Auswahl aus ca. 130 Jahren reger Kunstübung vorgestellt werden. Wer sich eine angenehme Kurzweil verschaffen will, der ziehe sich in eine Leseecke zurück und genieße das schmucke Schmankerl, das wir Ulrike Ladnar, Heinz Decker und Utz Benkel verdanken! Den Dreien ist ein bildhübscher Exlibris-Katalog gelungen.

(Hartmut Polenz) 

Zu beziehen über: Karl Kröger, vizepraesident@exlibris-deg.de

Preis: 10 € 

Arthur Greuell: Exlibris für Robert Prévot, 1922, Radierung, 105 x 140 mm

Kurzer Leitfaden zur Aufbewahrung, Struktur und Inventarisierung von Exlibris-Sammlungen

Daniel Theveßen: Kurzer Leitfaden zur Aufbewahrung, Struktur und Inventarisierung von Exlibris-Sammlungen (Schriften des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach, Band 10), Oktober 2020

Inhalt

Vorwort

Formale Bedingungen:
Lagerung / Verpackung / Befestigung – Photo-Klebe-Ecken, Klemmtaschen/Selbstklebestreifen, Trägerböden
Aufbewahrungssysteme

Inhaltliche Erschließung:
Sortierformate – Geographisch, Alphabetisch

Sortierformate innerhalb eines Künstlerbestands:
Nach Opus-Nummer, Nach Alphabet

Resümee

24 S., brosch., Titelabb. von Hedwig Pauwels, 8 Textabb.

 

Regelmäßige Ausstellungen ausgewählter Exlibris des Internationalen Exlibris-Zentrums finden ab 2023 wieder in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Mönchengladbach, Carl-Brandts-Haus statt.

Exlibris und Gelegenheitsgrafik unter dem Hakenkreuz

Henry Tauber: Exlibris und Gelegenheitsgrafik unter dem Hakenkreuz
DIN A4, 2020, 68 S., 103 Abb. 
mit englischer Übersetzung von Heinz Decker, 28 S. als Booklet 

ISBN 978-3925300-71-4

75 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur in Deutschland gibt die vorliegende Studie erstmals eine umfassende Übersicht zu Exlibriskunst und Gelegenheitsgrafik im Nationalsozialismus. Ausgehend von Hitlers programmatischer Rede auf der ersten Großen Deutschen Kunstausstellung in München 1937 wird aufgezeigt, wie willfährig die NS-konformen KünstlerInnen in ihren Werken die künstlerischen Vorstellungen der Nationalsozialisten verwirklichten: in bäuerlicher Darstellung und der Darstellung von Arbeit, Frau, Krieg, Feind, Natur und NS-Symbolen. Zudem werden Exlibris der ranghöchsten NS-Funktionäre vorgestellt. Demgegenüber stehen vergleichsweise wenige Werke für Widerstand und Verfolgung. Ein Epilog über die Zeit unmittelbar nach Ende der Naziherrschaft und eine Liste von Exlibris-KünstlerInnen, die zu NS-Opfern wurden, vervollständigen das Bild der Epoche. 

75 years after the end of the Nazi dictatorship in Germany, the present study for the first time provides a comprehensive overview of bookplate art and occasional graphics under National Socialism. Based on Hitler’s programmatic speech at the first Great German Art Exhibition in Munich in 1937, it is shown how willfully the Nazi-compliant artists realized the artistic ideas of the National Socialists in their works: in peasant representation and the representation of work, women, war, enemy, nature and NS symbols. In addition, bookplates of the highest-ranking NS officials are presented. In contrast, comparatively few works stand for resistance and persecution. An epilogue about the period immediately after the end of Nazi rule and a list of ex-libris artists who became victims of the Nazis complete the picture of the era. 

Zu beziehen über: Joachim Schlosser, archivar@exlibris-deg.de

Preis: 10 €

Franz Traunfellner. Ein Waldviertler Grafiker und Maler

Die Österreichische Exlibris-Gesellschaft kann mit großer Freude eine neue Sonderveröffentlichung präsentieren. Im vorliegenden Band wird nicht nur der künstlerische Werdegang von Franz Traunfellner dargestellt, sondern ein besonderer Schwerpunkt auf das Exlibris und auf die Kleingrafik des Künstlers gelegt. Traunfellner lebte als Sohn eines Bauern in Gerersdorf bei Pöggstall, wo er zunächst in der Landwirtschaft mithalf. Sein Vater betrieb nebenbei eine Holzwerkstatt für landwirtschaftliche Geräte, in der auch Franz mitarbeitete. Schon sehr früh, gegen Ende der Pflichtschulzeit, wurde sein künstlerisches Talent entdeckt. Für Franz Traunfellner begann eine Gratwanderung zwischen Landwirtschaft und Kunst, bzw. Brotberuf und Leidenschaft. Schon früh fertigte er Holzschnitte an und wurde schon in jungen Jahren durch seine Ausstellungstätigkeit bekannt. Die Armut im Hause Traunfellner führte dazu, dass Franz keine Ausbildung an einer Kunsthochschule genießen konnte. Nur selten hatte er Gelegenheit von zeitgenössischen Künstlern Tipps für seine Arbeit zu bekommen. 1963 gab er die Landwirtschaft auf und widmete sich nur mehr seinem künstlerischen Schaffen. Sein Schaffen fand immer wieder große Aufmerksamkeit und wurde entsprechend durch Auszeichnungen belohnt. Das Schöne an der Entstehung dieses Buches ist, dass es praktisch fast nur von Frauen erstellt wurde. Auch das Layout und die Betreuung in der Druckerei erfolgten ebenfalls durch eine Frau.
Viel Freude den Lesern dieser Neuerscheinung.  

Linke−Traunfellner, Irmgard; Linke, Nina; Karolyi, Claudia (Beitr.): Franz Traunfellner. Ein Waldviertler Grafiker und Maler. – 17. Sonderveröffentlichung der Österreichischen Exlibris – Gesellschaft, 115 S.: 2 Bilder, 56 Abb.; 23 cm; Leinen geb. – ISBN 978−3−95042−1−8   Preis: € 30,– zuzüglich Versandkosten.

Bezug ist ausschließlich über die Österreichische Exlibris-Gesellschaft (ÖEG) (www.exlibris-austria.at) möglich.

Franz Traunfellner, Bauerngarten, Holzstich, 1945 15 x 11 cm

DEG-Jahrbuch 2020

Das Jahrbuch 2020 der DEG

Wie schon vor zwei Jahren, ist das neueste Jahrbuch einem einzigen Thema gewidmet. 2018 war es der Humor im Exlibris, 2020 geht es um politischen und gesellschaftlichen Wandel, dargestellt in freier Grafik und im Exlibris. In ihrem Vorwort weist Ulrike Ladnar bereits darauf hin, dass es vor allem zu den beiden Weltkriegen etliche Exlibris gibt. Zu anderen, ebenfalls die Gesellschaft prägenden großen Ereignissen wie z. B. Natur- und Atomkatastrophen, zum Mauerbau wie auch zum Fall dieser Mauer in Berlin, oder zu Armut, zum Klimawandel sind Exlibris nicht so leicht zu finden. Es scheint, dass wir, wenn wir unseren Liebhabereien nachgehen, die aktuellen Probleme lieber ausblenden und idyllische Blätter bevorzugen.

Heinz Decker beginnt mit einem Beitrag über den Ersten Weltkrieg. Dabei kann der Autor ein bisher unbekanntes Exlibris von der österreichischen Künstlerin Broncia Koller-Pinell (1863–1934), ein Holzschnitt aus dem Jahr 1914, vorstellen (Abb. 1). Es folgen Beiträge über drei Künstler, die als kritische Zeitzeugen ihrer Haltung auch in ihren grafischen Arbeiten Ausdruck verliehen. Siegfried Bresler stellt den politischen Wandel von Heinrich Vogeler (1872–1942) vom gefeierten Künstler des Jugendstils zum sozial engagierten Mittbürger anhand seines Werkes vor. Giuseppe Mirabella bringt uns die Lebensphilosophie im Oeuvre von Michel Fingesten (1884–1943) auf spannende Art näher. Fingesten, der klar gegen die Nazis und den Krieg Stellung bezog, wurde schließlich deren Opfer. Drittens beschreibt Karsten Weber Eduard Winklers (1884–1978) Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, sein lebensgefährliches Engagement für den Widerstand. 

Abb. 1. Broncia Koller-Pinell: Exlibris 1914 für Rupert Koller, 1914, Holzschnitt

Über die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg berichtet Henry Tauber. Ein besonderes Exlibris stellt uns Peter Rath vor. Die Geschichte um das Blatt von Helene Potetz (1902–1987) für ihre Freundin und Mitgefangene Rosl Jochmann (1901–1994), die sie im Konzentrationslager Ravensbrück getroffen hat, berührt sehr. Klaus Rödel stellt Künstler und ihre Exlibris jenseits des Eisernen Vorhangs aus der Zeit von 1960–1990 anhand von zahlreichen Beispielen vor. Interessant ist auch der Beitrag von Peter Labuhn über eine Serie von PF-Karten mit Plaketten, angefertigt von Hans-Joachim Sendler (1934–2005). Die fünf vorgestellten Medaillen mit ihren zeitkritischen Botschaften in Latein sind außergewöhnlich.

Der zweite Beitrag von Heinz Decker bringt uns den Maler und Grafiker Utz Benkel (*1959), einen sozialkritischen Zeitzeugen, näher. Menschen mit besonderen Lebensläufen, die sich in irgendeiner Weise für Veränderungen und Verbesserungen für uns alle eingesetzt haben, sind oft Gegenstand seiner Grafiken. Für ein kritisches Exlibris aber braucht es einen entsprechenden Auftraggeber wie zum Beispiel Dr. Emil Kunze, für den Utz Benkel eine Mappe mit zehn Exlibris zum Thema Aids geschaffen hat. Hier zitiere ich Heinz Decker: Eros und Thanatos, Liebe und Tod sind häufig von Sammlern gesuchte Motive zu denen wir auch zahlreiche Beispiele im Werk Utz Benkels finden, … Unser Streifzug hingegen hat gezeigt, dass es auch den menschengemachten Tod als Bedrohung gibt, durch die Justiz, durch Ausbeutung und Armut, durch Seuchen, durch Umweltverschmutzung, durch Vernichtungswaffen.

Ulrike Ladnar stellt politische Redner und eine Rednerin im Exlibris vor und ich bin erstaunt, dass sie zu diesem Thema Exlibris gefunden hat, darunter auch das eindrückliche Blatt der australischen Politikerin Jean Daley (1981–1948) von Erich Thrake. Passend zum Beethoven-Jahr stellt Heinz Neumaier diesen großen Komponisten in den Exlibris vor. Ludwig van Beethoven (1770–1827) führte die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Blüte und wurde zum Wegbereiter für die Musik der Romantik. Der hochverehrte Musiker gehört noch heute zu den am meisten gespielten Komponisten der Welt.

 

Über den historischen Wandel in der Ess- und Tischkultur berichtet Anke Polenz anhand von diversen Beispielen. Dabei werden Küchengeräte und Essbestecke genauso beachtet wie die Kulinarik im Spiegel von Kochbüchern sowie der Wandel in der Tischkultur. Die Autorin stellt Exlibris über Lebensmittel, über das Essen allein, in Gemeinschaft und unterwegs vor. Sie berichtet ebenfalls über das Essen in kargen Zeiten oder im Überfluss.

Anhand des Bilderbuches „Das Loch in der Hose“ mit Bildern und Text von Frans Haacken (1911–1979) erläutert Till Schröder das Werk dieses vielseitigen Künstlers, der im vorgestellten Bilderbuch Illustrationen mit Papierplastiken schuf, die er geschickt montierte und vor beleuchteten Kulissen fotografierte. Vorgestellt werden auch die zwei Exlibris, die man von Haacken kennt. Es folgt der Beitrag von Ursula Müksch über die Kunst und Freiheit der Frau, verbunden mit dem unaufhaltbaren Wandel der Frau in Gesellschaft und Kunst. Eine interessante Abhandlung mit faszinierenden Beispielen. Das Spektrum der vorgestellten Künstlerinnen reicht vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Autorin wünscht sich ein geschärftes Bewusstsein über Künstlerinnen sowie eine intensivere Erforschung ihrer Werke.

Zwei eindrückliche Exlibris aus diesem Band möchte ich im Bild vorstellen. Eines von Erhard Göttlicher für Marietta Hagedorn zum deutschen Geist und den deutschen Geistern [auf S. 9]. Während der Geist unten links nicht beachtet wird, proleten die Geister über ihm umso lauter. Das zweite Exlibris von Utz Benkel für Dr. Emil Kunze gehört zur Mappe AIDS (Abb. 2). Dieser eigenartige Reigen der eher traurigen nackten Menschen scheint gleichzeitig ein neuer Totentanz zu sein.

Zwölf eingebundene Originalbeilagen bereichern dieses Jahrbuch, eine großzügige Geste. Ich gratuliere der Herausgeberin zur Themenwahl und zum rundum gelungenen Werk.                                                  

(Alice Aeberhard)

Abb. 2. Utz Benkel: Exlibris für Dr. Emil Kunze, AIDS, 1989, Linolschnitt

„Wandelhalle für Bücherfreunde“ – Exlibris-Beiträge

„Wandelhalle für Bücherfreunde“ – Exlibris-Beiträge

In der Frühjahrsausgabe der „Wandelhalle für Bücherfreunde“ (Nachrichten der Gesellschaft der Bibliophilen e. V.) gibt Ulrike Ladnar in der Rubrik „Aus anderen Gesellschaften“ einen kleinen Einblick in die Vereinsgrafik der DEG. Dabei spannt sie einen Bogen von den Einladungen der Stiftungsfeste des alten Deutschen Exlibris-Vereins über Speise- und Tischkarten anlässlich der damaligen Vereinsabende, den TeilnehmerInnen von Kongressen gewidmete Grafikmappen und einzelne Widmungsblätter der frühen DEG bis hin zu zeitgenössischer Kleingrafik, die zur Erinnerung an heutige DEG-Jahrestagungen ausgegeben wird. Näher geht sie auf die zuletzt für das Treffen in Wetzlar 2019 entstandenen Blätter von Hedwig Pauwels, Utz Benkel und Krzysztof Marek Bąk ein. 

Als No. 6 der Reihe „Exlibris im Porträt“ stellt sodann Joachim Wirtz unter dem Titel „Traubenlese“ ein Exlibris von Albert Robida für F. Uvae aus dem Jahr 1905 vor. Zum Verständnis des Exlibris unternimmt der Autor einen kleinen Exkurs in die Geschichte Genfs (insbesondere die Zeit der Reformation), dessen Silhouette hinter dem im Bildvordergrund proträtierten humanistischen Gelehrten abgebildet ist. Und er teilt Interessantes über den Genfer Bibliophilen, Dichter, Juristen und Politiker Frédéric Raisin (1851–1923) mit, der hinter dem Eigner-Namen „F. Uvae“ = Genitiv von uva = Traube = Raisin steht. Raisin besaß nicht nur Exlibris berühmter Künstler wie Vallet und Valloton auf seinen Namen, sondern eben auch mehrere von der Hand Robidas, darunter ein Kriegsexlibris von 1914, das seine antideutsche Position im Ersten Weltkrieg unterstreicht.

Wandelhalle für Bücherfreunde, Frühjahr 2020, red. von Silvia Werfel M.A., München 2020, 48 S., für Nichtmitglieder 10 Euro (für 2 Ausgaben jährlich)

(Henry Tauber)