Vom Recht zur Kunst. Emil Preetorius und die Universität Gießen

In einem Aufsatz für die Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins (MOHG) berichtet Lutz Trautmann M. A., Archivar an der Universität Gießen, von Emil Preetorius (1883–1973), der, bevor er eine künstlerische Laufbahn einschlug, wohl auf Wunsch seiner Familie – in München, Berlin und Gießen –, die Fächer Medizin, Physik, Kunstgeschichte und Rechtswissenschaft studierte und 1906 eine Dissertation über „Die eheliche Vormundschaft und das bürgerliche Gesetzbuch“ zur Promotion einreichte. Trotz darin enthaltener, für die damalige Zeit höchst bemerkenswerter Formulierungen wie: „Das geltende Eherecht entspricht der sozialen Stellung der heutigen Frau nicht. […] Man braucht weder die Vorherrschaft der Frau zu wünschen, noch die Abschaffung der Ehe zu verlangen und kann dennoch eintreten für die volle Gleichberechtigung von Mann und Weib. […] Nirgends […] ist die Gleichberechtigung notwendiger, unentbehrlicher als in […] der Ehe.“, wurde Preetorius 1907 zum Doktor beider Rechte promoviert. Höchst interessant die Angabe der fälligen Promotionsgebühren von 433 Mark, die, in Relation gesetzt zu dem damaligen Durchschnittsentgelt der Bevölkerung, zum Zeitpunkt der Niederschrift des Aufsatzes im Jahre 2020 einer Summe von umgerechnet ca. 18.560 EUR entsprach. Gleichwohl übte Preetorius den Beruf eines Juristen danach nicht aus.

Vielmehr entschied er sich für einen Lebensweg als Künstler. Seit 1907 zeichnete er für die Zeitschriften Jugend, Simplicissimus und Ulk, illustrierte Bücher und schuf: Exlibris. „Mit seinem Sinn für das Komisch-Groteske sowie biedermeierliche Romantik prägte Preetorius einen dynamischen Figurenstil, der vorwiegend Männer mit Frack, Zylinder oder fliegenden Haaren und Frauen sittsam mit Haube und Krinoline, in überzeichneten Posen präsentierte.“ (Trautmann) Schon 1909, dann nochmals 1925 erschienen entsprechende Monografien, 1982 eine von Hans Karl Stürz ausgesuchte und eingeleitete Auswahl von „Dreißig Exlibris“. Darüber hinaus arbeitete Preetorius neben vielem anderen als Werbegrafiker, international erfolgreicher Bühnenbildner, szenischer Leiter für die Bayreuther Festspiele (ab 1932) und Professor an der Hochschule für Bildende Kunst in München (ab 1928). Von 1953 bis 1968 präsidierte er der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 1960 bis 1965 der Gesellschaft der Bibliophilen. Die Zahl seiner Exlibris betrug schließlich mindestens 98, bis auf ein Blatt alle entstanden als nach der Vorlage von Zeichnungen vervielfältigte Klischees (Strichätzungen).

Lutz Trautmann: Vom Recht zur Kunst. Emil Preetorius und die Universität Gießen, in: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins, Bd. 105, voraussichtlicher Erscheinungstermin 2022. 

(Henry Tauber)

Lutz Trautmann: Vom Recht zur Kunst. Emil Preetorius …  MOHG 

Für die Zustimmung der Vorabveröffentlichung bzw. der Speicherung/Zurverfügungstellung auf der DEG-Website danken wir Lutz Trautmann sowie Dr. Eva-Marie Felschow (MOHG). 

Exlibris-Entwurf für René Ibach-Preetorius, um 1920 (später realisiert als Exlibris René Preetorius) - Erteilung der urheberrechtlichen Nutzungsbefugnis durch Dr. Michael Buddeberg im Namen der Preetorius Stiftung, München

Industrie-Exlibris – Ausgewählte Exlibris-Portraits

Im jüngsten Band der von Daniel Theveßen herausgegebenen Schriftenreihe des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach „werden in vierzehn Artikeln Künstler und Eigner präsentiert, die an der Schaffung von Industrie-Exlibris beteiligt waren“, einem Zweig der Exlibriskunst, der in einschlägigen Betrachtungen selten an vorderer Stelle steht. Zuletzt haben sich Karl Kröger in den DEG-Mitteilungen 2016 sowie Sabine Schemmrich und Julia Weiß 2018 im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung auf Schloss Burgk: Widerhall – Industrialisierung, Arbeit und sozialen Bewegungen im Exlibris eingehender mit dem Thema befasst. Der DEG-Vizepräsident Karl Kröger, selbst Liebhaber und Sammler von Industriegrafik, gehört neben Daniel Theveßen, Georg Opdenberg und Joachim Wirtz zu den Autoren der vierzehn „Exlibris-Portraits“: 

Im Nebel der Industrialisierung – Ein Krefelder Industrie-Exlibris / Max Lion Lazarus für Max und Ilse Gompertz
Krefeld Edelstahl – Anonym für die Werkbücherei Deutsche Edelstahlwerke Aktiengesellschaft Krefeld
Ein „Gläserner Eigner“ – Walter Zeising für Jos. Max Mühlig
Hochgebirge über Industrie und Buch – Albrecht Leistner für Theodor Lorenz
Fabrik am Wasser – Adolf Kunst für Adolf Klinkenberg (2)
Glück und das Ende einer Freundschaft – Endre Vadász für Wim van der Kuylen
Ein (fast) vergessener Eigner und sein Exlibris – Max Ebersbach für Max Pinkus
Schönheit zwischen Waffen – Hermann Kätelhön für Fr. Rausenberger (2)
Der Baum der Industrie – Jan Konupek für Dr. Jindřich Chylík
Merkur und das Bild des Fortschritts – Alfred Cossmann für Chlumecky-Bauer
„Volksverbunden und wirklichkeitsnah“ – die Chemieindustrie – Richard Biringer für Dr. W. Tropp
Der freundliche Schmied – Georges Hantz für A. Freundlich
Das Erbe der Industriekultur – Andreas Raub für Karl Kröger
Eine Kohle-, Eisen- und Stahldynastie im Saarland – Marlene Neumann für Wolfgang Hönle

Ausgewählte Exlibris-Portraits, Bd. 2, Industrie-Exlibris, 2021, hrsg. von Daniel Theveßen, (Schriften des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach, Bd. 12), 68 S. mit 18 (19) Abb.

(Henry Tauber) 

[Beitragsbild: Alfred Cossmann: Exlibris für Dris von Chlumecky-Bauer, 1911, Kupferstich

Andreas Raub: Exlibris für Karl Kröger, Radierung, 2012

Drei Exlibris aus alter Zeit – in: Amperland

Drei Exlibris aus alter Zeit

In der heimatkundlichen Vierteljahresschrift Amperland für die Landkreise und Großen Kreisstädte Dachau, Freising und Fürstenfeldbrück (2021, Heft 2) stellt Heinz Neumaier drei Exlibris aus dem 17. und 18. Jahrhundert vor.

Zunächst einen Kupferstich von vermutlich 1628 für den 1565 in Mauterndorf bei Salzburg gebürtigen späteren Juristen und Politiker Wilhelm Jocher, der seit 1604 in den Diensten des bayerischen Herzogs und nachmaligen Kurfürsten Maximilian I. stand und, 1611 zum Geheimen Rat ernannt, als wichtigster Ratgeber des Herzogs die bayerische Reichs- und Außenpolitik begleitete. Jocher starb 1636 in München – als hochgeachteter Wohltäter Dachaus, der u. a. die Dachauer Bürgerspitalstiftung verfügte, die bedürftigen Bürgern der Stadt günstigen Wohnraum bereitstellt. Sein Exlibris zeigt u. a. das aufgrund seiner Verdienste um Mehrungen verbesserte Familienwappen.

Das zweite Exlibris ist ein Ex-Musicis-Blatt, gleichfalls aus dem 17. Jahrhundert, für die Familie Mandl, Schlossbesitzer zu Deutenhofen. Das Schloss hatte der damalige kurfürstliche Hofkammerrat Dr. Johann Mandl 1625 erworben. Mandl stammte gebürtig aus dem österreichischen Außenposten Günzburg, der erst 1806 bayerisch wurde. Sein Werdegang als Advokat, Fiskal am bayerischen Hof, Hofkammerrat, Archivar und Geheimsekretär führte ihn u. a. bis an den Kaiserhof nach Wien, wo er daran mitwirkte, dass der bayerische Herzog 1623 die Kurfürstenwürde erlangte. 1634 wurde Mandl in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Er starb 1666 in München, vier Jahre zuvor wegen festgestellten Amtsmissbrauchs und Unterschlagung seiner Ämter enthoben. Das Exlibris ist aus zwei Gründen besonders interessant. Zum einen ist es ein sogenanntes familiäres Universalexlibris, auf dem in das freie Feld unterhalb des Familienwappens der jeweilige Name des Familienmitglieds eingetragen werden konnte. Zum anderen weist es eine prachtvolle Rahmung auf, die mit schematisiert dargestellten, z. T. altertümlichen Musikinstrumenten ausgestattet ist, die aus der Zeit von der Renaissance bis zum Frühbarock stammen. In seinem Aufsatz liefert Heinz Neumaier, selbst ein beliebter Volksmusikant, eine erläuternde Ikonografie der Instrumente.

NN: Exlibris für Wilhelm Jocher, 1628, Kupferstich [Neudruck]

Und auch das dritte, wohl gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Bücherzeichen wurde für einen bedeutenden Angehörigen des niederen bayerischen Adels geschaffen, den 1760 im Salzburgischen geborenen Karl Marie Ehrenbert Freiherr von Moll, der 1791 zum Direktor der erzstiftischen Hofkammer in Salzburg und später zum Leiter des Salz-, Münz- und Bergwesens ernannt wurde. Nach der Säkularisierung des Erzstifts wurde er Regierungspräsident des neuen Herzogtums Salzburg, trat 1804 in bayerische Dienste und wurde dort ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Denn Moll war nicht nur Jurist und Staatsmann, sondern auch ausgewiesener Naturwissenschaftler mit einer ca. 80.000 Bücher umfassenden Bibliothek und einer Sammlung von 5000 Mineralien-Proben, der mit Alexander von Humboldt und anderen großen Forschern der Zeit in Verbindung stand. Als er 1838, zuvor zwischen seinem Dachauer Sommersitz und Augsburg wechselnd, hoch geachtet und geehrt starb, war er Mitglied von 22 Akademien und weiteren gelehrten Gesellschaften. Sein Exlibris fand der Autor im virtuellen Kupferstichkabinett der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, darauf u. a. das Familienwappen und die Beschriftung „Moll Kam̅er Director“, durch die das Blatt dem „richtigen“ Moll zugeordnet werden kann.

Heinz Neumaier: Drei Exlibris aus alter Zeit. Beispiele für Dr. Wilhelm Jocher, Dr. Johann Madl und Karl Marie Ehrenbert von Moll, in: Amperland, Jg. 57, 2021, Heft 2, S. 44–48.  

(Beitragsbild: Johann Mandl, nach Joachim von Sandrart d. Ä. (1606-1688), Öl auf Leinwand

(Henry Tauber) 

Drei Exlibris aus alter Zeit – Amperland – Neumaier

https://www.zeitschrift-amperland.de/ueber_amperland.php

NN: Exlibris der Familie Mandl, 17. Jhdt., Holzschnitt

Im Zeichen des Zahns – Kurze Geschichte des Zahnarzt-Exlibris

Im Zeichen des Zahns
Kurze Geschichte des Zahnarzt-Exlibris

Laut Klappentext erzählt die jüngste Publikation von Claudio Stacchi mit dem Titel Im Zeichen des Zahns „die Geschichte der letzten 120 Jahre Zahnheilkunde mit den Augen von Künstlern aus der ganzen Welt“, die es sich „zur Aufgabe gemacht haben, das Wesen eines Berufs auf ihre eigene Art und Weise auf wenigen Quadratzentimetern zu interpretieren. Dieses Buch verbindet zwei normalerweise getrennte Welten, die der Zahnheilkunde und die der Exlibrissammler, eröffnet für beide anregende Wissensperspektiven und bietet neue interessante Ideen und kulturelle Bereicherung.“  

Nach einer Einleitung über die „Ursprünge des Exlibris“ stellt der Autor die „ikonografischen Motive im dentalen Exlibris“ vor: Santa Apollonia, die vermutlich um 249 als Märtyrerin starb, nachdem ihr u. a. die Zähne ausgeschlagen worden waren, und die bei Zahnschmerzen und Zahnleiden angerufen wird und auch Schutzpatronin der Zahnärzte ist; sodann Genre-szenen, zahnärztliche „Spezialitäten“ und verschiedene weitere Sujets.

Im zweiten Teil geht es um „Das Fantastische im Exlibris der Zahnärzte“. Unter den Oberbegriffen „Von figurativen und literarischen Archetypen zum Realen“, „Vom Märchen zum Mythos“, „Vom Patienten zum Handwerkszeug“, „Vom Eros zum Heiligen“, „Vom Traum zum Leben“ und „Von Rache zu Vergebung“ präsentiert Giuseppe Cauti Bücherzeichen, die u. a. auf Ideen, „Initiationsbeschwörungen“ usw. von D´Annunzio und Cervantes, Čechov und Tolkien, Kafka und Eco und vielen anderen prominenten Geistern beruhen. 

Mathilde Ade: Exlibris für C. Pfaff, [1921], Zinkografie

Ein Kapitel über die beiden französischen Zahnärzte Jean Morisot und Michel Jamar, die sich auch als Exlibris-Künstler betätigten, sowie, in einem ergänzenden Beitrag von Luigi Bergomi, die Vorstellung bekannter Förderer des Zahnarzt-Exlibris: Joan Catasús i Torralbas, Stefano Galli, Sigmund Leicht, Axel Leier, Wout Meulemans, Norbert Nechwatal (früherer DEG-Präsident) und Claudio Stacchi runden das Gesamtbild ab.

Im Zeichen des Zahns enthält auf 75 Seiten insgesamt 170 Abbildungen mit Exlibris von 135 Künstlern aus 25 Ländern für 110 Eigner. Obwohl durchgängig in italienischer Sprache verfasst, dürfte es zum einschlägigen Standardwerk werden.

Claudio Stacchi: Nel segno del dente. Breve storia dell´ex libris odontoiatrico, mit einem Vorwort von Roberto Di Lenarda und Beiträgen von Giuseppe Cauti und Luigi Bergomi, Mailand 2021, 75 S., 170 Abb., Hardcover, ISBN 978-88-214-5488-2, 49 € 

(Henry Tauber) 

Bertil Schmüll: Exlibris für Ron Quapp, o. J., Radierung

Eva Masthoff: Peter Lazarov – in: Graphische Kunst

Eva Masthoff: Peter Lazarov, ein Bulgare in China

Der 1958 in Bulgarien geborene Peter Lazarov gehört zu den besonders weitgereisten zeitgenössischen Grafikern. Zu seinen Stationen gehörten neben Ländern in Europa: Nordamerika, Japan und insbesondere China, das er erstmals 2007 besuchte. Dort verbrachte er auf Einladung der Guanlan Printbase Shenzhen zwischen 2009 und 2011 jeweils zwei Monate als „Artist in Residence“ und lernte dabei bedeutende chinesische Grafiker kennen. In der Folge unterrichtete er acht Jahre lang, bis 2019, am Sichuan Fine Arts Institute Chongqing, wohin er 2021 als Leiter der Holzstichklasse zurück-kehrte. Seine Lehrtätigkeit umfasst Vorträge an Instituten, Schulen (z. B. 2012–2017 an Elite-Hochschulen in Beijing) und Kindergärten. Die hohe Anerkennung seiner Holzstichkunst, mit der auch finanzieller Erfolg einher-geht, veranlasste Lazarov, seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt nach China zu verlegen. Das rührige DEG-Mitglied Nannan Wang, Besitzer einer Galerie für Exlibris und Kleingrafik in Beijing, gehört zu seinen Anhängern und Förderern. 2008 wurde Lazarov übrigens auf dem XXXII. FISAE-Kongress, der damals in Beijng ausgerichtet wurde, von der Kongress-Jury zu einem der zehn weltbesten Exlibriskünstler und Kleingrafiker gewählt.

Auch wenn Lazarov seit zehn Jahren seine „Basis“ in Chongqing hat,
betrachtet er „die Niederlande“ als sein „zweites Heimatland“. Dorthin unterhält er v. a. enge Kontakte zum Centrum voor Prentkunst der Nobilis Stiftung in Fochteloo, wo er ausstellte und Workshops leitete und mit seinem engen Freund Pieter Jonker zusammenarbeitete.

Eva Masthoff stellt den Künstler, der auch zahlreiche Exlibris geschaffen hat, in einem Aufsatz für die Graphische Kunst vor – Eva Masthoff: Peter Lazarov, ein Bulgare in China, in: Graphische Kunst, 1/2021, S. 9-16, mit 11 Abb. 

(Henry Tauber) 

Lazarov – Graphische Kunst – Eva Masthoff

Peter Lazarov: "Jahr des Büffels", Holzstich, 2021, 137 x 110 mm

Wandelhalle für Bücherfreunde – Exlibris für die Tanzgruppe Mary Wigman

Neuer Schwung vor 100 Jahren – Exlibris für die Tanzgruppe Mary Wigman

In der jüngsten Ausgabe der Wandelhalle für Bücherfreunde stellt Elke Schutt-Kehm das Exlibris für die Tanzgruppe Mary Wigman von Otto Lange vor.
Als Gegenentwurf zum klassischen Ballett entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein moderner Kunsttanz, der u. a. durch die Darstellung von Gefühlen gekennzeichnet war. Berühmte Vertreterinnen des später als „Ausdruckstanz“ bezeichneten Kunstform waren etwa Isadora Duncan und Karoline Sofie Marie Wiegmann, die sich ab 1918 Mary Wigman nannte. 1920 eröffnete Wigman eine Tanzschule in Dresden und machte in der Folgezeit durch Tourneen mit ihrer Tanzgruppe den „New German Dance“ weltweit populär.
Das hier präsentierte Bücherzeichen schuf, um 1920/21, der Dresdener Künstler Otto Lange, der u. a. Mitglied der Dresdener Sezession Gruppe 1919 war, „ein abstraktes Exlibris […], das in genialer Einfachheit die Rhythmik der Musik wie der Bewegungsabläufe ins Bildliche transportiert“ [Elke Schutt-Kehm].

No. 8 – Exlibris im Porträt: Neuer Schwung vor 100 Jahren – Exlibris für die Tanzgruppe Mary Wigman, in: Wandelhalle für Bücherfreunde, Frühjahr 2021, hrsg. von Silvia Werfel, München 2021, S. 16 f. 

(Henry Tauber)  

Abbildungsnachweis: Gutenberg-Museum Mainz 

Weiterführende Literatur: Hedwig Müller: Mary Wigman. Leben und Werk der großen Tänzerin, hrsg. von der Akademie der Künste Berlin, Weinheim: Quadriga 1986 und 1992; Angela Rannow/Ralf Stabel (Hrsg.): Mary Wigman, eine Künstlerin in der Zeitenwende, Dresden: Verlag Tanzwissenschaft e.V. 2006 

Ein Sammlerleben in Bildern – Die Exlibris des Dr. Gernot Blum, Bd. 2

Ein Sammlerleben in Bildern – Die Exlibris des Dr. Gernot Blum, Bd. 2

Hrsg. von Daniel Theveßen, BoD 2020 (Schriften des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach, Bd. 11)
216 S. mit 200 Abb. (Opus 100-299)
89,99 €

Beschreibungstext auf BoD:
„Während in Dr. Gernot Blum, ein Sammlerleben in Bildern, Band 1 die ersten einhundert Exlibris des Sammlers Aufnahme fanden, vereint der vorliegende Band doppelt so viele Exlibris. Ebenso wie beim ersten Band ist ein vorherrschendes Thema der im Folgenden präsentierten Graphiken die Erotik, häufig in Form von Akten. Aber auch der Beruf des Eigners als Arzt bzw. Psychotherapeut wurde von zahlreichen Künstlern originell in Szene gesetzt.“

https://www.bod.de/buchshop/ein-sammlerleben-in-bildern-9783752627688

Hedwig Pauwels für Dr. med. G. Blum, 1987, C3+C5

Eva Masthoff: Petar Chinovsky – in: Graphische Kunst

Seit 2011 wird das Oeuvre des jungen bulgarischen Grafikers und Illustrators Petar Vladimirov Chinovsky weltweit auf zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Anfangs bestand es aus Lithografien, mittlerweile vor allem aus Algraphien. Unter seinen zahlreichen erwähnenswerten Auszeichnungen befindet sich der 1. Preis für Kleingrafik auf der 2. Internationalen Ausstellung „Enter into Art“ in Köln (2016) und eine „Lobende Erwähnung“ auf dem PRIMER SALÓN INTERNACIONAL DE MINIPRINT Y EX-LIBRIS 2012 in Argentinien.

In einem Aufsatz für die Graphische Kunst stellt Eva Masthoff den Künstler vor und legt überzeugend dar, dass es „sich lohnt, sich Zeit und Geduld zu nehmen, um seine immens komplexen, von Mythos und Magie [durchdrungenen] Bilder zu lesen“.

Eva Masthoff: Petar Vladimirov Chinovsky – Graphiker und Illustrator, in: Graphische Kunst, 2/2020, S. 9–15, mit 9 Abb. (v. a. Exlibris). 

Chinovsky – Graphische Kunst – Eva Masthoff

“Wandelhalle für Bücherfreunde” – Exlibris-Beiträge

Es sind gleich drei Artikel in der Wandelhalle, in denen Exlibris eine wichtige Rolle spielen:

Zunächst in der Rubrik Blickpunkt, in der Bernd Gerlach über die Ergebnisse seiner Recherchen zu der bibliophilen Büchersammlerin Lucy Spiegl berichtet. 1982 erstand er in dem Marburger Antiquariat Braun-Elwert (den Ubbelohde-Freunden werden beim Namen Elwert die Glocken klingeln) eine Auswahl der Gedichte Goethes von Cobden-Sanderson, erschienen in der Dover-Press, England während des Ersten Weltkriegs. In diesem Buch fand sich kleiner Stahlstich mit dem Namen Lucy Spiegl, umrahmt von einer Randgirlande. Danach fand Gerlach immer wieder einmal Bücher, in denen das Spiegl-Exlibris befestigt war, „bibliophile, oft sehr berühmte Ausgaben interessanter Texte“. Die Neugierde war geweckt, und der Autor recherchierte Biografisches und Sonstiges zur Eignerin des Bücherzeichens. Lucy von Goldschmidt-Rothschild (1891–1977) war eine Tochter des Frankfurter Bankiers und Kunstmäzens Maximilian von Goldschmidt-Rothschild und seiner Frau Minna geb. von Rothschild, die als „wohlhabendstes Ehepaar

des Kaiserreichs” galten. 1917 heiratete Lucy den österreichischen Diplomaten Edgar von Spiegl. Nach dem (verlorenen) Weltkrieg zog sich das Paar ins Privatleben ins Salzkammergut zurück und baute dort eine wertvolle Sammlung von Volkskunst auf. Edgar von Spiegl starb 1931, Lucy emigrierte nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich in die Schweiz und lebte dort bis zu ihrem Tod in der Nähe des Genfer Sees. Zu den spannendsten Entdeckungen bei seiner weiteren Spurensuche in bibliophilen Buchausgaben gehörten, wie Gerlach erzählt, etwa eine Widmung von Else Lasker-Schüler (die u. a. selbst ein Exlibris auf ihren Namen von Sella Hasse besaß) unter dem Gedicht Versöhnung an „meine asiatische Prinzessin 

Lucie von Goldschmidt-Rothschild zur Verlobung und Glücksewigkeit vom Prinzen Jussuf von Theben“ oder ein Begleitbrief von Rainer Maria Rilke zu einem Hochzeitsgeschenk (dem Westöstlichen Divan), der in einem Auktionskatalog von Sotheby´s abgedruckt ist und in dem der berühmte Dichter u. a. schreibt: „[…] Spiegl weiß von unserer Freundschaft […]“ –
Am Anfang dieser ganz und gar erstaunlichen Entdeckungen stand ein kleines, unscheinbares Bücherzeichen, mit dem der Käufer zunächst nichts anzufangen wusste. Die Geschichte steht geradezu beispielhaft für einen der interessantesten Aspekte in Bezug auf die Bedeutung des Sammelns von Exlibris, nämlich die Provenienzforschung.

In der Rubrik Aus anderen Gesellschaften stellt die Redakteurin der Wandelhalle, Silvia Werfel, das DEG-Jahrbuch 2020 vor, das diesmal unter dem Leitthema Politischer und gesellschaftlicher Wandel steht. Die Autoren spannen einen weiten Bogen u. a. vom Ersten Weltkrieg in der Exlibrisliteratur, über politische Positionen von Exlibriskünstlern wie Heinrich Vogeler, Michel Fingesten und Eduard Winkler sowie Exlibris jenseits des Eisernen Vorhangs und das Motiv des politischen Redners, bis zum unaufhaltsamen Wandel der Frau in der Gesellschaft.
[Siehe dazu auch die Jahrbuch-Rezension von Alice Aeberhard unter https://www.exlibris-deg.de/2020/07/05/deg-jahrbuch-2020/ und den kompletten Artikel Der Frau ihre Kunst und Freiheit von Ursula Müksch unter https://www.exlibris-deg.de/2020/05/18/2020-der-frau-ihre-kunst-und-freiheit/ – beides auf der DEG-Website.]

Als Nr. 7 der Reihe Exlibris im Porträt schließlich stellt Daniel Theveßen ein Blatt von Michel Fingesten für Marco Birnholz vor. Passenderweise lautet der Untertitel Von verfolgten Künstlern und Eignern. Sowohl der hochbedeutende Exlibris-Künstler Michel Fingesten, der mehr als 750 Exlibris geschaffen hat, als auch der gleichfalls bedeutende obsessive Exlibris-Sammler Marco Birnholz flohen – als Juden – vor den Nationalsozialisten, der erste von Deutschland nach Italien, wo er trotzdem interniert wurde und 1943 an den Folgen einer Operation starb, der zweite von Österreich in die USA, wo er noch bis 1965 lebte. Immerhin erhielt Birnholz nach 1950 die Reste seiner von der Gestapo beschlagnahmten Bibliothek und seiner riesigen Exlibris-Kollektion in einer frühen Restitution zurück. Der Autor streift die Ereignisse und beschreibt sodann das Exlibris mit dem Lesenden vor einer Menora und einer Torso-Skulptur. 

Wandelhalle für Bücherfreunde, Herbst 2020, red. von Silvia Werfel M.A., München 2020, 48 S., für Nichtmitglieder 10 Euro (für 2 Ausgaben jährlich)

(Henry Tauber) 

Eros und Thanatos – Die sinnliche und makabre Kunst von Michel Fingesten

Eros e Thanatos – L’arte sensuale e macabra di Michel Fingesten

Eros und Thanatos – Die sinnliche und makabre Kunst von Michel Fingesten

Zur gerade zu Ende gegangenen Ausstellung zum grafischen Werk von Michel Fingesten in Sesto Fiorentino (Italien) ist ein umfangreicher, reich illustrierter Katalog erschienen.
Die einleitenden Aufsätze von Giuseppe Mirabella, Emanuele Bardazzi und Giulia Ballerini beleuchten biografische und künstlerische Aspekte des vielseitigen Grafikkünstlers.
Auch wenn diese Texte in Italienisch geschrieben sind, bieten den Text begleitende Fotografien und Abbildungen von zum Teil unbekannten Werken vielseitige visuelle Informationen.
Im zweiten Teil des Buches werden die Werke der Ausstellung auf fast 200 Seiten mit über 450 Abbildungen dokumentiert.
Selbst Fingesten-Kenner werden in diesem Katalog viel Neues entdecken können.
Dieser in hervorragender Qualität gedruckte Katalog in festem Einband ist schon jetzt ein Referenzwerk zum künstlerischen Werk von Michel Fingesten.

(Siegfried Bresler) 

Zu beziehen ist der Katalog über
ufficiostampa@lasoffittaspaziodellearti.it
– Telefon 0039-335-6136979.