Ausgewählte Exlibris-Portraits Band 2. Industrie-Exlibris Band 12

Der Band ist 2021 als Publikation des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach erschienen.  Der Herausgeber Daniel Theveßen, der diesem Zentrum vorsteht, ist selbst für sechs der 14 Beiträge verantwortlich, bei vier weiteren, zwei des Künstlers Georg Opdenberg und zwei des Sammlers von Industriegrafik, Karl-Friedrich Kröger, betätigte er sich als Co-Autor; die restlichen Beiträge trug ein ehemaliger Kollege im Exlibris-Zentrum, Jochen Wirtz, bei. Nach dem Ausstellungskatalog Widerhall – Industrialisierung, Arbeit und soziale Bewegung im Exlibris (2018 Schloss Burgk) setzt diese Veröffentlichung weitere Akzente dieses wichtigen Themas. In jedem der 14 Beiträge wird ein Exlibris mit Industrie-Motiv vorgestellt, das auch ganzseitig abgebildet wird. Überwiegend sind die Eigner Industrielle, Fabrikanten, manche sind aber auch als Chemiker (wie der bis heute bekannte Willy Tropp aus Höchst) oder Ingenieure in verantwortlichen Posten in der Industrie tätig.
Nicht überraschend ist, dass zwölf der dargestellten Exlibris aus der Epoche zwischen der Gründerzeit und den späten 30er Jahren stammen; zwei sind erst in den letzten Jahren entstanden. Geographisch liegt der Schwerpunkt auf der industriellen Arbeit in Deutschland und in Tschechien, auch die vorgestellten Industrien wie Montanindustrie, Metallindustrie, Glas-herstellung, Chemieindustrie u.a.m. sind exemplarisch und relevant für die Geschichte der Industrialisierung der angesprochenen Epoche. Nachhaltig beeindruckt sind wir Heutigen von der Ästhetisierung der Industrie und des industriellen Fortschritts der Gründerzeit. So standen rauchende Schlote, heute ein Symbol für die Verschmutzung der Umwelt, damals durchaus vor allem als Symbol für eine blühende und wachsende Wirtschaft und für die moderne Zeit.
In vielen Beiträgen werden dankenswerterweise auch die weiteren Lebenswege von Künstlern und Eignern jüdischen Glaubens angesprochen, Lebenswege, die durch die nationalsozialistische Diktatur abrupt abgebrochen bzw. aufgegeben werden mussten. Um nur ein Beispiel anzuführen: Bereits die Eigner des ersten vorgestellten Exlibris`, der jüdische Fabrikant Max Gompertz und seine Frau Ilse, wurden Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes und wurden in Theresienstadt ermordet. Auch einige Familienmitglieder des Künstlers, Max Lion Lazarus, erlitten den Tod durch die Gewaltherrschaft. Diesem selbst gelang die Flucht nach Amerika. 

Beim Lesen des Beitrags von Daniel Theveßen Das Erbe der Industriekultur, in dem er exemplarisch ein modernes Exlibris von Andreas Raub für Karl Fried-rich Kröger aufgreift, dessen fast nicht mehr zählbare Details sowohl auf  den heutigen Bauprozess eines Steinkohlekraftwerks als auch auf biografi-sche Momente im (Berufs- und Sammler-)Leben des Eigners zu beziehen sind, wird unsere Wahrnehmung mit einem traurigen Ereignis verknüpft.

 Denn der Eigner, der in diesem Jahr verstorbene Vizepräsident der DEG, konnte die von ihm geplante Ausstellung mit Beispielen der Darstellung der Industrie auf Exlibris und Kleingrafik für die Gesellschaft ja leider nicht mehr realisieren.

Ausgewählte Exlibris Portraits Band 2. Industrie-Exlibris. Hg.: Daniel Theveßen. Schriften des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach Band 12, 2021 

Ulrike Ladnar

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