Nachruf auf Hartmut Polenz

Noch auf der DEG-Tagung im Oktober in Haltern sah man Hartmut Polenz und Heinz Decker in intensivem Gespräch vertieft einträchtig beieinander-sitzen. Nun ist wenige Tage nach dem Tod von Heinz Decker auch Hartmut Polenz seinem längeren schweren Leiden erlegen. Er starb am 7. Dezember 2021 in Hamburg im Alter von 81 Jahren.
Hartmuts große Leidenschaft galt der Altertumsforschung. Er war Privat-dozent und Dr. phil. habil., der u. a. in der Redaktion der Römisch-Germa-nischen Kommission in Frankfurt tätig war und ab 1978 als wissenschaft-licher Referent am Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster arbeitete. Für die Vereinigung westfälischer Museen führte er von 1984 bis 1996 die Geschäfte und war von 1996 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2005 ihr Vorsitzender. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Ver-einigung gewählt. In zahlreichen Schriften teilte er seine Forschungs-ergebnisse mit der historischen Fachwelt und interessierten Laien, vor-nehmlich zur Geschichte und Archäologie der vorrömischen Eisenzeit und der Zeit der Römer und Germanen in Westfalen, besondere Schwerpunkte legte er auf keltische Kultur in Mitteleuropa und keltische Numismatik.
Zu seinen Interessensgebieten zählte aber auch die bildende Kunst, eine Leidenschaft, die er mit seiner Frau Anke Polenz, die er 2003 kennenlernte, teilte. Sie war 2001 in die Deutsche Exlibris-Gesellschaft eingetreten und förderte fast von Beginn an (v. a. jüngere) Exlibriskünstler aus Osteuropa. Und das taten dann beide, spätestens nach Hartmuts Eintritt in die DEG als Partnermitglied, gemeinsam. Die Namen der von ihnen geförderten Künstler und Künstlerinnen reichen von Jaroslav Minář aus Tschechien über Ivan Rusachek aus Belarus bis zu Rajmund Aszkowski aus Polen. Letzterer war es auch, der sie auf weitere polnische Künstler aufmerksam machte, wodurch u. a. eine besondere Verbindung mit Krzysztof Marek Bąk und Katarzyna Handzlik entstand. 
Auf den DEG-Jahrestagungen trat das Ehepaar Polenz (Anke Polenz leitet seit 2014 die DEG-Geschäftsstelle) stets gemeinsam auf, und auch die jährlichen Hamburger Exlibris-Treffen in ihrem Privathaus organisierten beide gemeinsam – als kenntnisreiche Gesprächspartner, freundschaftlich, groß-zügig, hilfsbereit. In seinen Exlibris wird Hartmut Polenz der Exlibriswelt für immer in Erinnerung bleiben.
Wir trauern mit seiner Frau und seiner Familie und fühlen mit ihnen.

(Henry Tauber)

Foto: Klaus Thoms
Jaroslav Minář: Exlibris für Dr. Hartmut Polenz, 2005, Lithografie
Andreas Raub: Exlibris für Dr. Hartmut Polenz, 2012, Radierung

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