Zum Tod von Heinz Decker

Noch auf der letzten DEG-Jahrestagung in Haltern trat Heinz Decker so auf, wie man ihn seit Jahrzehnten kannte – freundlich, hilfsbereit, großzügig, warmherzig, klug und voller Humor. Allenfalls ungewöhnlich erschien sein neuer ständiger Begleiter, ein Rollator, mit dem er jedoch gelernt hatte, seinen Frieden zu machen. Als (nach Lebensjahren) ältestes anwesendes Vereinsmitglied leitete er in der Hauptversammlung im Rahmen der Vorstands-Neuwahlen traditionsgemäß die Wiederwahl des „alten“ Präsidenten. Heinz war insgesamt positiv gestimmt, blickte optimistisch in die nahe Zukunft und verfasste nach dem Meeting einen teils launigen und doch so wohlwollenden Tagungsbericht. Umso größer war die Bestürzung in der Exlibriswelt, als sie die Nachricht seines Todes erhielt.

Vergleichsweise spät, mit fast 60, trat Heinz 1992 der DEG bei. Und obwohl er dem Vereinsleben eigentlich immer kritisch gegenüberstand, legte er in der DEG von Anfang an los, fungierte von 1993 bis 2000 als Rechnungsprüfer und von 2000 bis 2012 als Redakteur des DEG-Jahrbuchs, im Anschluss wurde er zum Vizepräsidenten gewählt. Nach 16-jähriger Vorstandsarbeit kandidierte er 2016 nicht mehr für einen Vorstandsposten, wurde aber bis 2020 in den Beirat berufen. Parallel dazu betreute er von 2012 bis 2019 noch die Homepage der Gesellschaft.

Heinz Decker auf der DEG-Tagung 2021 - Foto von Klaus Thoms

Als Sammler galt sein Interesse vor allem Bücherzeichen, die mit der Schriftstellerei zu tun hatten und mit Theaterkunst. In diese Richtung gingen auch viele Aufträge, die er als Eigner an Künstler und Künstlerinnen, gerne an junge, noch unbekannte, vergab. Und das waren auch bevorzugte Themen seiner eigenen zahlreichen Schriften – aber nicht nur. Er schrieb Bücher über Dichterexlibris und Dichterzirkel ebenso wie Werke über Totentänze oder die deutsche Exlibriskunst vom Jugendstil bis zur Gegenwart. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehörte sicher das DEG-Jahrbuch 2004 über „Jüdische Kultur und Exlibriskunst“. Heinz verfasste unzählige Aufsätze und Artikel über Exlibris und Gelegenheitsgrafiken für die einschlägigen Publikationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, England und Amerika, auf Deutsch und Englisch (bei Letzterem halfen ihm seine langjährigen Berufserfahrungen als Dozent am University College in Dublin und am Frankfurter Goethe-Gymnasium) – stets sachlich-kompetent und wissenschaftlich fundiert, trotzdem populär verständlich und mit humorigen Einfügungen.

2016 verlieh ihm die DEG in Würdigung seiner herausragenden Verdienste um die Exlibrisbewegung die Walter-von-Zur-Westen-Medaille. 2020 ernannte sie ihn wegen seiner großen Verdienste um das Exlibris und die DEG zu ihrem Ehrenmitglied.

Wir verlieren mit Heinz Decker, der am 27. November 2021 im Alter von 88 Jahren verstarb, einen überaus wertvollen Mitarbeiter auf allen Ebenen und Helfer in allen möglichen Situationen, aber vor allem einen guten Freund. In seinen Schriften und in seinen Exlibris wird er unvergessen bleiben.

Mit unseren Gedanken sind wir bei seiner Frau und seiner Familie und fühlen mit ihnen.

(Henry Tauber) 

Leo Bednarik: Exlibris für Heinz Decker, Shakespeare, Radierung
Andreas Raub: Exlibris für Heinz Decker, "In Memoriam unserer jüdischen Mitglieder", 2015, Radierung