Drei Exlibris aus alter Zeit – in: Amperland

Drei Exlibris aus alter Zeit

In der heimatkundlichen Vierteljahresschrift Amperland für die Landkreise und Großen Kreisstädte Dachau, Freising und Fürstenfeldbrück (2021, Heft 2) stellt Heinz Neumaier drei Exlibris aus dem 17. und 18. Jahrhundert vor.

Zunächst einen Kupferstich von vermutlich 1628 für den 1565 in Mauterndorf bei Salzburg gebürtigen späteren Juristen und Politiker Wilhelm Jocher, der seit 1604 in den Diensten des bayerischen Herzogs und nachmaligen Kurfürsten Maximilian I. stand und, 1611 zum Geheimen Rat ernannt, als wichtigster Ratgeber des Herzogs die bayerische Reichs- und Außenpolitik begleitete. Jocher starb 1636 in München – als hochgeachteter Wohltäter Dachaus, der u. a. die Dachauer Bürgerspitalstiftung verfügte, die bedürftigen Bürgern der Stadt günstigen Wohnraum bereitstellt. Sein Exlibris zeigt u. a. das aufgrund seiner Verdienste um Mehrungen verbesserte Familienwappen.

Das zweite Exlibris ist ein Ex-Musicis-Blatt, gleichfalls aus dem 17. Jahrhundert, für die Familie Mandl, Schlossbesitzer zu Deutenhofen. Das Schloss hatte der damalige kurfürstliche Hofkammerrat Dr. Johann Mandl 1625 erworben. Mandl stammte gebürtig aus dem österreichischen Außenposten Günzburg, der erst 1806 bayerisch wurde. Sein Werdegang als Advokat, Fiskal am bayerischen Hof, Hofkammerrat, Archivar und Geheimsekretär führte ihn u. a. bis an den Kaiserhof nach Wien, wo er daran mitwirkte, dass der bayerische Herzog 1623 die Kurfürstenwürde erlangte. 1634 wurde Mandl in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Er starb 1666 in München, vier Jahre zuvor wegen festgestellten Amtsmissbrauchs und Unterschlagung seiner Ämter enthoben. Das Exlibris ist aus zwei Gründen besonders interessant. Zum einen ist es ein sogenanntes familiäres Universalexlibris, auf dem in das freie Feld unterhalb des Familienwappens der jeweilige Name des Familienmitglieds eingetragen werden konnte. Zum anderen weist es eine prachtvolle Rahmung auf, die mit schematisiert dargestellten, z. T. altertümlichen Musikinstrumenten ausgestattet ist, die aus der Zeit von der Renaissance bis zum Frühbarock stammen. In seinem Aufsatz liefert Heinz Neumaier, selbst ein beliebter Volksmusikant, eine erläuternde Ikonografie der Instrumente.

NN: Exlibris für Wilhelm Jocher, 1628, Kupferstich [Neudruck]

Und auch das dritte, wohl gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Bücherzeichen wurde für einen bedeutenden Angehörigen des niederen bayerischen Adels geschaffen, den 1760 im Salzburgischen geborenen Karl Marie Ehrenbert Freiherr von Moll, der 1791 zum Direktor der erzstiftischen Hofkammer in Salzburg und später zum Leiter des Salz-, Münz- und Bergwesens ernannt wurde. Nach der Säkularisierung des Erzstifts wurde er Regierungspräsident des neuen Herzogtums Salzburg, trat 1804 in bayerische Dienste und wurde dort ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Denn Moll war nicht nur Jurist und Staatsmann, sondern auch ausgewiesener Naturwissenschaftler mit einer ca. 80.000 Bücher umfassenden Bibliothek und einer Sammlung von 5000 Mineralien-Proben, der mit Alexander von Humboldt und anderen großen Forschern der Zeit in Verbindung stand. Als er 1838, zuvor zwischen seinem Dachauer Sommersitz und Augsburg wechselnd, hoch geachtet und geehrt starb, war er Mitglied von 22 Akademien und weiteren gelehrten Gesellschaften. Sein Exlibris fand der Autor im virtuellen Kupferstichkabinett der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, darauf u. a. das Familienwappen und die Beschriftung „Moll Kam̅er Director“, durch die das Blatt dem „richtigen“ Moll zugeordnet werden kann.

Heinz Neumaier: Drei Exlibris aus alter Zeit. Beispiele für Dr. Wilhelm Jocher, Dr. Johann Madl und Karl Marie Ehrenbert von Moll, in: Amperland, Jg. 57, 2021, Heft 2, S. 44–48.  

(Beitragsbild: Johann Mandl, nach Joachim von Sandrart d. Ä. (1606-1688), Öl auf Leinwand

(Henry Tauber) 

Drei Exlibris aus alter Zeit – Amperland – Neumaier

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NN: Exlibris der Familie Mandl, 17. Jhdt., Holzschnitt

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