Website Bild Künstler+Archiv(e) - Archiv(e) - 2. Geschichte des DEG-Archivs

GESCHICHTE DES ARCHIVS

Unser Archiv

Zur Geschichte des Archivs (von Paul G. Becker, Gütersloh)

Es ist der Deutschen Exlibris-Gesellschaft e. V. über Jahrzehnte hinweg nicht anders ergangen als so vielen anderen ähnlich orientierten kulturellen Vereinigungen, dass man zwar mit viel Enthusiasmus seinen Zielsetzungen nachging, eine Dokumentation der Geschehnisse, die Aufschluss geben über die engagierten Personen und die Umstände, die auf die Entwicklung der Gesellschaft von Einfluss gewesen sind, jedoch versäumte. Aber selbst dort, wo man sich der Bedeutung bewusst war, haben die Wirren der Zeit, Kriege und ihre Nachwirkungen oder auch nur Veränderungen in der Vereinsführung, so manchen Grundstock immer wieder aufgelöst.

In einem Abriss der Vereinsgeschichte zum vierzigjährigen Bestehen des Exlibris-Vereins 1931 klagt denn auch Walter von Zur Westen: „Freilich kann das Ergebnis nicht völlig befriedigend ausfallen; fehlt uns doch nicht nur eine Vereinschronik, sondern auch jeder Ansatz eines Vereinsarchivs“. Heute sieht es bei der DEG zum Glück anders aus, denn ohne das, was in der letzten Jahrzehnten als Archiv zusammengetragen und zusammengehalten wurde, hätten z. B. die umfangreichen Veröffentlichungen von Henry Tauber über unsere Gesellschaft in dieser Form nicht entstehen können. Das sollte auch Zweifler am Sinn einer solchen Einrichtung überzeugt haben.

Dass die DEG inzwischen einen bedeutenden Bestand an Literatur, Archivalien und graphischen Blättern zum Thema Exlibris und zur Vereinsgeschichte besitzt, ist in erster Linie Hans F. Kruse (1913-1989) zu verdanken. Hans F. Kruse, von dem damaligen Vorsitzenden Gerhard Kreyenberg als DEG-Mitglied geworben, von ihm angeregt und unterstützt, stellte sich ganz in den Dienst der Gesellschaft. Dem Archiv galt sein bevorzugtes Interesse. Die Grundlage dazu wurde durch eine größere Spende an Literatur von Kreyenberg gelegt, der auch den weiteren Aufbau über Jahre durch laufende Zuwendungen förderte, darunter eine einzigartige Sammlung an Vereinsgraphik ab 1891. Kruse betreute das Archiv von diesen Anfängen (1965) an bis 1986. Von 1974 bis 1983 wirkte er außerdem als Sekretär der DEG.

Das angestrebte Ziel, das Archiv aus seinem vereinsinternen Status heraus zu einer öffentlichen und allgemein nutzbaren Sondersammlung zu führen, konnte 1984 erreicht werden als in Gütersloh, dem Wohnsitz des damaligen 1. Vorsitzenden Paul G. Becker, eine neue, großzügige Stadtbibliothek entstand. Das Interesse der angesprochenen Bibliotheksdirektorin Ute Klaassen führte zu einem Vertrag, wonach die Stadtbibliothek Gütersloh das DEG-Archiv als Depot (Dauerleihgabe) übernahm und dafür den Bestand in ihrem EDV-Katalog erfasste und damit öffentlich nachweisbar und zugänglich machte. 1987 konnte ein erster, fast 100-seitiger Bestandskatalog mit rund 1000 Archivtiteln als Computerausdruck vorgelegt und allen Interessenten angeboten werden.

In den Folgejahren entwickelte sich auf dieser Basis eine weitere erfreuliche Zusammenarbeit zwischen der DEG und der Stadtbibliothek, die ihre Räume auch für einige Jahrestagungen (1984, 1991 und 1995) zur Verfügung stellte. Von 1984 bis 1998 wurden in einer „Exlibris-Galerie“; 80 kleinere und dazu jährlich wenigstens eine große Exlibrisausstellung gezeigt. Mit dem Ausscheiden (Pensionierung) von Frau Klaassen, einer neuen Leitung und neuer konzeptioneller Ausrichtung der Bibliothek änderte sich die Situation leider schnell. Es musste eine neue Lösung gefunden werden.

Informationen zum DEG-Archiv

Das Archiv der DEG in Mönchengladbach (von Dr. Gernot Blum, Mönchengladbach)

Nach dem Wechsel in der Leitung der Stadtbibliothek Gütersloh musste ein neuer Standort für das DEG-Archiv gesucht werden. Der ehem. Präsident der DEG nutzte die seit langer Zeit guten Beziehungen zur Stadtbibliothek Mönchengladbach und ihrem Leiter Herrn Weyer und bot das Archiv der Stadt als Dauerleihgabe an. Das Interesse der Bibliothek und des Kulturausschusses der Stadt war so groß, dass man in einem einstimmigen (!) Beschluss dieses Vorhaben unterstützte. Außerdem sagte die Stadt zu -trotz eines Anstellungsstopps – halbtags einen Bibliothekar abzustellen.

Der nächste Schritt war die Abstimmung der DEG-Mitglieder über den neuen Standort unseres Archivs. Neben Mönchengladbach stand das Gutenberg-Museum in Mainz zur Debatte. Nach kurzer Diskussion stimmten die Mitglieder auf der Jahrestagung der DEG in Stralsund mit wenigen Gegenstimmen für Mönchengladbach. Im Februar 2001 erfolgte die Einstellung eines Bibliothekars und das Archiv zog nach Mönchengladbach in einen nur für das Bibliothekspersonal zugänglichen und damit sicheren Raum.

Die Ausleihe ist folgendermaßen geregelt: Jeder Interessent kann Dokumente aus dem Archiv zur Ansicht in der Bibliothek ordern oder über Fernleihe bekommen. Ausgenommen sind Bücher mit Originalgraphik, die nur vor Ort besichtigt werden können. Das Archiv ist in folgende Kategorien eingeteilt: 1. Literatur, 2. Periodika, 3. Archivalien, 4. Exlibris und Graphik. Zusätzliche Untergruppen erleichtern das Auffinden des jeweiligen Dokuments. Inzwischen sind alle Dokumente des Archivs geordnet und die Literatur in die EDV eingegeben.

Alle Archivalien sind gesichtet und in Ordnern mit folgender Einteilung abgeheftet: 1. Biographisches: Künstler incl. Werklisten 2. Biographisches: Sammler 3. Allgemeine Artikel zum Exlibris 4. DEG (Jahrestagungen, Tauschtreffen, Archiv, etc.) 5. Exlibris-Ausstellungen 6. F.I.S.A.E., ausländische Gesellschaften 7. Verkaufslisten für Exlibris und Exlibris-Literatur.

Unsere Mitglieder Frau Doris Thiel aus Mühlheim/Berlin ( verstorben 2004 ) und Herr Joachim Schlosser aus Mönchengladbach haben freundlicherweise die schwierige Arbeit auf sich genommen, die vielen unsortierten Exlibris auf Kartons zu ziehen und mit viel Mühe die Blätter zu identifizieren und zu bezeichnen. Nahezu alle Exlibris des Archivs der DEG (über 14.000) sind inzwischen in den PC einzugeben, wie Sie sich in unserer Homepage überzeugen können. Der Leiter der Bibliothek beabsichtigt nach Abschluss dieser Arbeiten alle Exlibris einscannen zu lassen und über Internet Interessierten zugänglich zu machen unter der Voraussetzung, dass genügend Personal zur Verfügung steht, was, wie in jeder Stadtverwaltung so auch in Mönchengladbach, ein großes Problem darstellt.

Fassen wir zusammen: Die DEG hat mit dem Umzug des Archivs nach Mönchengladbach eine gute Entscheidung getroffen. Die Stadtbibliothek ist äußerst interessiert und bereit, viel Arbeit zu investieren. Die Literatur und die Exlibris sind katalogisiert und können von Jedermann im Internet auf unserer Home-Page eingesehen werden. So haben wir nach den Problemen, die in Gütersloh aufgetaucht waren eine optimale Lösung für das Archiv gefunden, und der Plan für ein Internationales Exlibris-Zentrum Mönchengladbach rückt in greifbare Nähe. Übrigens: das Archiv ist immer sehr dankbar, wenn Spenden seien es Literatur oder Exlibris- den Bestand vermehren. Die Zukunft heißt: Ausbau dieses einzigartigen Archivs!