Exlibris und Gelegenheitsgrafik unter dem Hakenkreuz

Henry Tauber: Exlibris und Gelegenheitsgrafik unter dem Hakenkreuz
DIN A4, 2020, 68 S., 103 Abb. 
mit englischer Übersetzung von Heinz Decker, 28 S. als Booklet 

ISBN 978-3925300-71-4

75 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur in Deutschland gibt die vorliegende Studie erstmals eine umfassende Übersicht zu Exlibriskunst und Gelegenheitsgrafik im Nationalsozialismus. Ausgehend von Hitlers programmatischer Rede auf der ersten Großen Deutschen Kunstausstellung in München 1937 wird aufgezeigt, wie willfährig die NS-konformen KünstlerInnen in ihren Werken die künstlerischen Vorstellungen der Nationalsozialisten verwirklichten: in bäuerlicher Darstellung und der Darstellung von Arbeit, Frau, Krieg, Feind, Natur und NS-Symbolen. Zudem werden Exlibris der ranghöchsten NS-Funktionäre vorgestellt. Demgegenüber stehen vergleichsweise wenige Werke für Widerstand und Verfolgung. Ein Epilog über die Zeit unmittelbar nach Ende der Naziherrschaft und eine Liste von Exlibris-KünstlerInnen, die zu NS-Opfern wurden, vervollständigen das Bild der Epoche. 

75 years after the end of the Nazi dictatorship in Germany, the present study for the first time provides a comprehensive overview of bookplate art and occasional graphics under National Socialism. Based on Hitler’s programmatic speech at the first Great German Art Exhibition in Munich in 1937, it is shown how willfully the Nazi-compliant artists realized the artistic ideas of the National Socialists in their works: in peasant representation and the representation of work, women, war, enemy, nature and NS symbols. In addition, bookplates of the highest-ranking NS officials are presented. In contrast, comparatively few works stand for resistance and persecution. An epilogue about the period immediately after the end of Nazi rule and a list of ex-libris artists who became victims of the Nazis complete the picture of the era. 

Preis: 10 €

Franz Traunfellner. Ein Waldviertler Grafiker und Maler

Die Österreichische Exlibris-Gesellschaft kann mit großer Freude eine neue Sonderveröffentlichung präsentieren. Im vorliegenden Band wird nicht nur der künstlerische Werdegang von Franz Traunfellner dargestellt, sondern ein besonderer Schwerpunkt auf das Exlibris und auf die Kleingrafik des Künstlers gelegt. Traunfellner lebte als Sohn eines Bauern in Gerersdorf bei Pöggstall, wo er zunächst in der Landwirtschaft mithalf. Sein Vater betrieb nebenbei eine Holzwerkstatt für landwirtschaftliche Geräte, in der auch Franz mitarbeitete. Schon sehr früh, gegen Ende der Pflichtschulzeit, wurde sein künstlerisches Talent entdeckt. Für Franz Traunfellner begann eine Gratwanderung zwischen Landwirtschaft und Kunst, bzw. Brotberuf und Leidenschaft. Schon früh fertigte er Holzschnitte an und wurde schon in jungen Jahren durch seine Ausstellungstätigkeit bekannt. Die Armut im Hause Traunfellner führte dazu, dass Franz keine Ausbildung an einer Kunsthochschule genießen konnte. Nur selten hatte er Gelegenheit von zeitgenössischen Künstlern Tipps für seine Arbeit zu bekommen. 1963 gab er die Landwirtschaft auf und widmete sich nur mehr seinem künstlerischen Schaffen. Sein Schaffen fand immer wieder große Aufmerksamkeit und wurde entsprechend durch Auszeichnungen belohnt. Das Schöne an der Entstehung dieses Buches ist, dass es praktisch fast nur von Frauen erstellt wurde. Auch das Layout und die Betreuung in der Druckerei erfolgten ebenfalls durch eine Frau.
Viel Freude den Lesern dieser Neuerscheinung.  

Linke−Traunfellner, Irmgard; Linke, Nina; Karolyi, Claudia (Beitr.): Franz Traunfellner. Ein Waldviertler Grafiker und Maler. – 17. Sonderveröffentlichung der Österreichischen Exlibris – Gesellschaft, 115 S.: 2 Bilder, 56 Abb.; 23 cm; Leinen geb. – ISBN 978−3−95042−1−8   Preis: € 30,– zuzüglich Versandkosten.

Bezug ist ausschließlich über die Österreichische Exlibris-Gesellschaft (ÖEG) (www.exlibris-austria.at) möglich.

Franz Traunfellner, Bauerngarten, Holzstich, 1945 15 x 11 cm

DEG-Jahrbuch 2020

Das Jahrbuch 2020 der DEG

Wie schon vor zwei Jahren, ist das neueste Jahrbuch einem einzigen Thema gewidmet. 2018 war es der Humor im Exlibris, 2020 geht es um politischen und gesellschaftlichen Wandel, dargestellt in freier Grafik und im Exlibris. In ihrem Vorwort weist Ulrike Ladnar bereits darauf hin, dass es vor allem zu den beiden Weltkriegen etliche Exlibris gibt. Zu anderen, ebenfalls die Gesellschaft prägenden großen Ereignissen wie z. B. Natur- und Atomkatastrophen, zum Mauerbau wie auch zum Fall dieser Mauer in Berlin, oder zu Armut, zum Klimawandel sind Exlibris nicht so leicht zu finden. Es scheint, dass wir, wenn wir unseren Liebhabereien nachgehen, die aktuellen Probleme lieber ausblenden und idyllische Blätter bevorzugen.

Heinz Decker beginnt mit einem Beitrag über den Ersten Weltkrieg. Dabei kann der Autor ein bisher unbekanntes Exlibris von der österreichischen Künstlerin Broncia Koller-Pinell (1863–1934), ein Holzschnitt aus dem Jahr 1914, vorstellen (Abb. 1). Es folgen Beiträge über drei Künstler, die als kritische Zeitzeugen ihrer Haltung auch in ihren grafischen Arbeiten Ausdruck verliehen. Siegfried Bresler stellt den politischen Wandel von Heinrich Vogeler (1872–1942) vom gefeierten Künstler des Jugendstils zum sozial engagierten Mittbürger anhand seines Werkes vor. Giuseppe Mirabella bringt uns die Lebensphilosophie im Oeuvre von Michel Fingesten (1884–1943) auf spannende Art näher. Fingesten, der klar gegen die Nazis und den Krieg Stellung bezog, wurde schließlich deren Opfer. Drittens beschreibt Karsten Weber Eduard Winklers (1884–1978) Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, sein lebensgefährliches Engagement für den Widerstand. 

Abb. 1. Broncia Koller-Pinell: Exlibris 1914 für Rupert Koller, 1914, Holzschnitt

Über die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg berichtet Henry Tauber. Ein besonderes Exlibris stellt uns Peter Rath vor. Die Geschichte um das Blatt von Helene Potetz (1902–1987) für ihre Freundin und Mitgefangene Rosl Jochmann (1901–1994), die sie im Konzentrationslager Ravensbrück getroffen hat, berührt sehr. Klaus Rödel stellt Künstler und ihre Exlibris jenseits des Eisernen Vorhangs aus der Zeit von 1960–1990 anhand von zahlreichen Beispielen vor. Interessant ist auch der Beitrag von Peter Labuhn über eine Serie von PF-Karten mit Plaketten, angefertigt von Hans-Joachim Sendler (1934–2005). Die fünf vorgestellten Medaillen mit ihren zeitkritischen Botschaften in Latein sind außergewöhnlich.

Der zweite Beitrag von Heinz Decker bringt uns den Maler und Grafiker Utz Benkel (*1959), einen sozialkritischen Zeitzeugen, näher. Menschen mit besonderen Lebensläufen, die sich in irgendeiner Weise für Veränderungen und Verbesserungen für uns alle eingesetzt haben, sind oft Gegenstand seiner Grafiken. Für ein kritisches Exlibris aber braucht es einen entsprechenden Auftraggeber wie zum Beispiel Dr. Emil Kunze, für den Utz Benkel eine Mappe mit zehn Exlibris zum Thema Aids geschaffen hat. Hier zitiere ich Heinz Decker: Eros und Thanatos, Liebe und Tod sind häufig von Sammlern gesuchte Motive zu denen wir auch zahlreiche Beispiele im Werk Utz Benkels finden, … Unser Streifzug hingegen hat gezeigt, dass es auch den menschengemachten Tod als Bedrohung gibt, durch die Justiz, durch Ausbeutung und Armut, durch Seuchen, durch Umweltverschmutzung, durch Vernichtungswaffen.

Ulrike Ladnar stellt politische Redner und eine Rednerin im Exlibris vor und ich bin erstaunt, dass sie zu diesem Thema Exlibris gefunden hat, darunter auch das eindrückliche Blatt der australischen Politikerin Jean Daley (1981–1948) von Erich Thrake. Passend zum Beethoven-Jahr stellt Heinz Neumaier diesen großen Komponisten in den Exlibris vor. Ludwig van Beethoven (1770–1827) führte die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Blüte und wurde zum Wegbereiter für die Musik der Romantik. Der hochverehrte Musiker gehört noch heute zu den am meisten gespielten Komponisten der Welt.

 

Über den historischen Wandel in der Ess- und Tischkultur berichtet Anke Polenz anhand von diversen Beispielen. Dabei werden Küchengeräte und Essbestecke genauso beachtet wie die Kulinarik im Spiegel von Kochbüchern sowie der Wandel in der Tischkultur. Die Autorin stellt Exlibris über Lebensmittel, über das Essen allein, in Gemeinschaft und unterwegs vor. Sie berichtet ebenfalls über das Essen in kargen Zeiten oder im Überfluss.

Anhand des Bilderbuches „Das Loch in der Hose“ mit Bildern und Text von Frans Haacken (1911–1979) erläutert Till Schröder das Werk dieses vielseitigen Künstlers, der im vorgestellten Bilderbuch Illustrationen mit Papierplastiken schuf, die er geschickt montierte und vor beleuchteten Kulissen fotografierte. Vorgestellt werden auch die zwei Exlibris, die man von Haacken kennt. Es folgt der Beitrag von Ursula Müksch über die Kunst und Freiheit der Frau, verbunden mit dem unaufhaltbaren Wandel der Frau in Gesellschaft und Kunst. Eine interessante Abhandlung mit faszinierenden Beispielen. Das Spektrum der vorgestellten Künstlerinnen reicht vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Autorin wünscht sich ein geschärftes Bewusstsein über Künstlerinnen sowie eine intensivere Erforschung ihrer Werke.

Zwei eindrückliche Exlibris aus diesem Band möchte ich im Bild vorstellen. Eines von Erhard Göttlicher für Marietta Hagedorn zum deutschen Geist und den deutschen Geistern [auf S. 9]. Während der Geist unten links nicht beachtet wird, proleten die Geister über ihm umso lauter. Das zweite Exlibris von Utz Benkel für Dr. Emil Kunze gehört zur Mappe AIDS (Abb. 2). Dieser eigenartige Reigen der eher traurigen nackten Menschen scheint gleichzeitig ein neuer Totentanz zu sein.

Zwölf eingebundene Originalbeilagen bereichern dieses Jahrbuch, eine großzügige Geste. Ich gratuliere der Herausgeberin zur Themenwahl und zum rundum gelungenen Werk.                                                  

(Alice Aeberhard)

Abb. 2. Utz Benkel: Exlibris für Dr. Emil Kunze, AIDS, 1989, Linolschnitt

„Wandelhalle für Bücherfreunde“ – Exlibris-Beiträge

„Wandelhalle für Bücherfreunde“ – Exlibris-Beiträge

In der Frühjahrsausgabe der „Wandelhalle für Bücherfreunde“ (Nachrichten der Gesellschaft der Bibliophilen e. V.) gibt Ulrike Ladnar in der Rubrik „Aus anderen Gesellschaften“ einen kleinen Einblick in die Vereinsgrafik der DEG. Dabei spannt sie einen Bogen von den Einladungen der Stiftungsfeste des alten Deutschen Exlibris-Vereins über Speise- und Tischkarten anlässlich der damaligen Vereinsabende, den TeilnehmerInnen von Kongressen gewidmete Grafikmappen und einzelne Widmungsblätter der frühen DEG bis hin zu zeitgenössischer Kleingrafik, die zur Erinnerung an heutige DEG-Jahrestagungen ausgegeben wird. Näher geht sie auf die zuletzt für das Treffen in Wetzlar 2019 entstandenen Blätter von Hedwig Pauwels, Utz Benkel und Krzysztof Marek Bąk ein. 

Als No. 6 der Reihe „Exlibris im Porträt“ stellt sodann Joachim Wirtz unter dem Titel „Traubenlese“ ein Exlibris von Albert Robida für F. Uvae aus dem Jahr 1905 vor. Zum Verständnis des Exlibris unternimmt der Autor einen kleinen Exkurs in die Geschichte Genfs (insbesondere die Zeit der Reformation), dessen Silhouette hinter dem im Bildvordergrund proträtierten humanistischen Gelehrten abgebildet ist. Und er teilt Interessantes über den Genfer Bibliophilen, Dichter, Juristen und Politiker Frédéric Raisin (1851–1923) mit, der hinter dem Eigner-Namen „F. Uvae“ = Genitiv von uva = Traube = Raisin steht. Raisin besaß nicht nur Exlibris berühmter Künstler wie Vallet und Valloton auf seinen Namen, sondern eben auch mehrere von der Hand Robidas, darunter ein Kriegsexlibris von 1914, das seine antideutsche Position im Ersten Weltkrieg unterstreicht.

Wandelhalle für Bücherfreunde, Frühjahr 2020, red. von Silvia Werfel M.A., München 2020, 48 S., für Nichtmitglieder 10 Euro (für 2 Ausgaben jährlich)

(Henry Tauber)

Die Exlibris der Christa Blum

Die vom Internationalen Exlibris-Zentrum der Stadtbibliothek Mönchengladbach in der Zentralbibliothek Carl-Brandts-Haus für den 01.05. bis 21.05.2020 geplante Sonder-Ausstellung zum Gedenken an Christa Blum muss Covid-19 bedingt vorerst ausfallen. Die Ehefrau des früheren DEG-Präsidenten Dr. Gernot Blum, die auch selbst Mitglied der DEG war, ist völlig überraschend im Oktober 2019 in ihrem 80. Lebensjahr gestorben.
Der 36seitige Begleitkatalog zur Ausstellung, mit Porträtfoto Christa Blums und einem einleitenden Text von Daniel Theveßen, enthält 29 Abbildungen von Exlibris auf Christa Blums Namen und Partner-Exlibris von Sofya Voronstova, Natalija Chernetsova, Galina Lwowa, Nurgül Arikan, Peter Dietzsch, Claus-Dieter Hentschel, Günter Hujber, Bettina Rulf, ihrer Tochter Miriam Kroeske, Elly de Koster, Kai Voigtmann, Hua Shaoying, Olaf Gropp, Peter Israel, Boris Brankov, Ulrich Kurt Köhler, Klaus-Peter Holzhauer, Norbert Salzwedel, Regina Franke, Gennadij Alexandrow und Katarina Smetanova, sowie Memoriam-Blätter auf Chaim Bailoff, den Urgroßvater Christa Blums, von Peter Israel und Maria Maddalena Tuccelli.
(Schriften des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach, Band 9)

Henry Tauber

Ausgewählte Exlibris-Portraits

In der Reihe Schriften des Internationalen Exlibris-Zentrums Mönchengladbach ist als Band 8 eine Sammlung von Ausgewählten Exlibris-Portraits erschienen. Darin stellen Daniel Theveßen und Joachim Wirtz mehrere Exlibris vor: „Kein Trinkwasser“ – Ein Blick auf ein Exlibris von Heinrich Zille [für Adolf Heilborn]; Arsen statt Syphilis [Remo Wolf für Luigi Benatti]; Zeichen, die die Welt verändern [Ernest Huber für Charles de Gaulle]; Pegasus über der Stadt [Erich Büttner für Georg Hermann Borchardt]; Traubenlese [Albert Robida für Uvae (d.i. Frédéric Raisin)]; Von verfolgten Künstlern und Eignern [Michel Fingesten für (Marco) Birnholz]; Wiener G´schichten [Maximilian Liebenwein für Clementine Essigmann]. Alle Blätter entstammen der umfangreichen Kollektion, die der langjährige Sammler Dr. Gernot Blum 2013 der Stadtbibliothek Mönchengladbach geschenkt hat. Ein großer Teil der Sammlung ist inzwischen unter exlibrisportal.moenchengladbach.de online einsehbar.

Tillfried Cernajsek: Geologische…

Tillfried Cernajsek: Geologische und montanistische Exlibris
Berichte der Geologischen Bundesanstalt, Band 131, 2019

 Im Jahre 1997 erschien im Band 41, Berichte der Geologischen Bundesanstalt Wien, ein Artikel über Geologische und montanistische Exlibris mit 50 Abbildungen. Dieser Artikel begleitete die Ausstellung Montanwesen und Kunst im Museum der Stadt Leoben mit  knapp 125 Exlibris auf 18 Tafeln. Autor und Aussteller war Dr. Tillfried Cernajsek, Exlibrissammler und ehemaliger Direktor der Bibliothek der Geologischen Bundesanstalt.

Jetzt, 22 Jahre später, hat Tillfried Cernajsek wieder eine Ausstellung zu diesem Thema im Schrift- und Heimatmuseum Bartlhaus in Pettenbach (O.Ö.) gestaltet (http://www.bartlhaus.at/). Der Katalog dazu wird gemeinsam von der Geologischen Bundesanstalt Wien und der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft herausgegeben.

Die Ausstellung wurde überarbeitet und auf 24 Tafeln mit rund 190 Exlibris erweitert. Zusätzlich gibt es 2 Vitrinen mit der dazugehörenden Literatur. Der Katalog beginnt mit einer kurzen Vorgeschichte und einer ausführlichen Einleitung in das Thema. Im anschließenden Katalogteil  werden die Exlibris beschrieben. Teilweise nur kurz mit Angaben zu Künstler, technischen Daten und Motiv, und teilweise, wenn die Daten recherchierbar waren, mit ausführlichen Informationen zum Eigner. Leider enthält der Katalog nur 19 Abbildungen. Grund dafür sind ungelöste Copyright-Probleme und die zum Teil unbegründete Angst vor irgendwelchen juristischen Auseinandersetzungen.

Neu aufgenommen in die Ausstellung wurden Tafeln zum Thema ‘Bergbauheilige’ um die Hl. Barbara und zum ‘Vulkanismus’. Eine Tafel wurde allein dem Eigner František Záleský aus der Tschechischen Republik gewidmet, einem der größten Auftraggeber für bergbauliche Exlibris. Neben den erwarteten Tafeln zu den Themen Bibliotheken, bergbauliche Symbole, Gerätschaften und Anlagen sowie zu Mineralien und Fossilien nehmen Exlibris für Personen mit geowissenschaftlichem Hintergrund den größten Raum ein. Für den nicht eingeweihten Betrachter ist bei diesen Blättern ein Bezug zur Sammlung ohne tiefergehende Erläuterung über Beruf oder Berufung des Eigners nicht immer sofort ersichtlich.

Nach einer Bibliographie endet der Katalog mit einem werbenden Bericht für die Österreichische Exlibris-Gesellschaft und einer Biographie des Autors. 

Interessenten können sich diesen Katalog als PDF-Datei von der Homepage der Geologischen Bundesanstalt Wien (GBA) kostenlos herunterladen unter:

https://www.geologie.ac.at/produkte-shop/detail/?id=1809&seo=nr._131

(Joachim Esche)

Elly de Koster: Exlibris für Hartmut Wünkhaus

Aufsatz von Ulrike Ladnar…

Aufsatz von Ulrike Ladnar im Heft 233 der Marginalien mit dem Titel „Hat Mona Lisa Zahnschmerzen?“ über „Bildzitate im modernen Exlibris“

Ausgehend von einer freien Grafik Leo Leonhards, auf der ein „Weißbinder eine Wand streicht, auf der sich bekannte Figuren Michelangelos tummeln“, spürt die Redakteurin des DEG-Jahrbuchs, Ulrike Ladnar, der Manier des Bildzitats im modernen Exlibris nach – und erläutert zunächst, inwiefern „für das Exlibris als Form der Gebrauchsgrafik andere Gesetze [gelten] als für die freie Grafik“. Da in der Exlibriskunst ein vergleichsweise „viel breiteres und fast uferloses Repertoire“ aufzufinden ist, konzentriert sie sich „als Beispiel für die Kraft des Zitats“ auf eine Epoche, nämlich die italienische Renaissance, und da auch diese ein weites Feld ist, auf die beiden exponierten Künstler Leonardo da Vinci und Sandro Botticelli.

Zunächst Leonardo und sein Vitruvianischer Mensch – zitiert in einem Exlibris des polnischen Grafikers und Kunstprofessors Krzysztof Marek Bąk, das er für seine Frau Katarzyna Handzlik entworfen hat. Ulrike Ladnar erklärt schlüssig, dass es Bąk „nicht um Kritik und Huldigung, nicht einmal um einen neutralen Kommentar [… zu Leonardo], sondern um die pragmatische Nutzung tradierter visueller Motive und ihrer in Jahrhunderten entwickelten Konnotationen als Bezugsrahmen für die eigene Arbeit“ geht.
Auch in dem zweiten vorgestellten Exlibris steht der, hier stark verfremdete, Vitruvianische Mensch im Mittelpunkt, radiert von dem Schweizer Philipp Roger Keller (der inzwischen leider nicht mehr künstlerisch tätig ist). Es trägt den Titel Homomensura und ist eines von acht Blättern (auch Titelblatt) einer 1999/2000 entstandenen Mappe Kellers mit dem Titel Millennium – l´homme du nouveau millénaire, in der er „Themen wie Frieden, Macht, Schöpfung, Wandel“ behandelt. Dieses Blatt bezeichnet Keller selbst „als ein Exlibris für den neuen Menschen“.
In den weiteren ausgesuchten und pointiert interpretierten Exlibris geht es um Botticellis Geburt der Venus, aufgegriffen von Oleksiy Fedorenko (Ukraine) für Willem van de Weerd, und von Maria Maddalena Tuccelli (Italien) für Rosemarie Aschenbach. Sodann um Leonardos Mona Lisa, verwendet von Zoltan Vén (Ungarn) für Dr. Raija Ruskoaho und von Frank-Ivo van Damme (Belgien) in seinem „Exlibris Ideale Leonardo da Vinci“, auf dem auch noch einmal der Vitruvianische Mensch auftaucht.

Ulrike Ladnar: Hat Mona Lisa Zahnschmerzen? Bildzitate im modernen Exlibris, in: >Marginalien … Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, hrsg. von der Pirckheimer-Gesellschaft im quartus-Verlag, Bucha bei Jena, 233. Heft. 2019/2, S. 22–28.

(Henry Tauber)

Katalog zum DEG-Wettbewerb…

Blättert man durch den Katalog, so sieht man, dass die Exlibris-Szene lebt: Die 48 Künstler und Künstlerinnen, die sich dem Wettbewerb stellten, kommen aus 14 Ländern, manche sind wohlbekannt, andere müssen noch hart um Aufträge werben. Sie alle vertreten verschiedene derzeit typische Tendenzen der Exlibriskunst, sie arbeiten in unterschiedlichen Techniken – wobei Radierungen, auch farbige, in diesem Jahr wie schon in den letzten Jahren überwiegen, die CGD-Grafik aber sehr zugenommen hat –  und sie haben unterschiedliche Themen bearbeitet. Neben traditionell dem Exlibris eigenen Motiven wie mythologische, literarische oder philosophische gibt es auch in diesem Jahr wieder neue Ausdrucksformen für Tod und MädchenMemento mori u.a. Stark verschlüsselte Blätter fordern zum Enträtseln auf, und natürlich finden sich auch erotische Darstellungen. Auffallend ist, dass die CGD-Blätter sich leichter, lockerer, witziger präsentieren als die in anderen Techniken gestalteten. Den Vergleich der Blätter erleichtert auch ein umfangreiches Register aller vorgestellten Exlibris, für das Joachim Schlosser Dank gebührt. Abgerundet wird der Katalog durch die Einführung von Henry Tauber sowie die Abbildungen der Exlibris und PF’s, die im letzten Jahr gewonnen haben.

Der Katalog wurde den TagungsteilnehmerInnen als Gabe überreicht, er kann aber auch für 10,00 € erworben werden. Sammelt man die jährlich erscheinenden Wettbewerbskataloge, so besitzt man nach einigen Jahren sicherlich eine repräsentative Geschichte des modernen Exlibris. Nachzutragen ist, dass die Liste der Gewinner so international ist wie die der Teilnehmer an unseren Treffen: Die Gewinnerblätter stammen  aus fünf Ländern.

(Ulrike Ladnar)

Ausstellungskatalog: Karl Martin…

Ausstellungskatalog: Karl Martin und Toni Andres – Exlibris und PF

Zu der Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft 2019 in Wetzlar hat der Organisator Matthias Wenger aus seiner eigenen Sammlung eine Ausstellung über Exlibris des bekannten Eigners Karl Martin Andres gestaltet. Auch Andres‘ Frau Toni und andere Familienmitglieder haben Exlibris besessen; es existieren auch etliche Paar-Exlibris sowie PF‘s im Namen beider Eheleute. Matthias Weniger hat in einer sorgfältig erarbeiteten Liste alle ihm bekannten Blätter der Familie Andres zusammengetragen, die 159 Exlibris und 38 PF’s umfasst, wie er in einem Vorwort berichtet. Zu jedem Blatt hat er alle wichtigen Informationen notiert (Künstler, Thema, Technik, Jahr, Format, Quelle und Sonstiges). Von diesen Blättern hat er 100 Exlibris und 11 PF’s für seine Ausstellung ausgesucht, die in dem sorgfältig zusammengestellten Ausstellungskatalog in guter Qualität und Größe abgebildet worden sind. Außer seiner eigenen Sammlung und deren Geschichte beschreibt Wenger knapp den Lebensweg des Sammlers Andres und die Geschichte der Andres-Sammlung.

Die Exlibris-Blätter von Karl Martin Andres, denn sein Name dominiert schon auf den ersten Blick, nur auf den Neujahrs- und Umzugsanzeigen finden sich fast immer die Namen beider Ehepartner, entstanden zwischen 1919 und 1936, also noch in der Blütezeit des Exlibris. Die Liste der Künstler, die für ihn gearbeitet haben, liest sich wie ein Who’s Who der Exlibriskunst: Kaum ein bekannter Exlibriskünstler der Zeit fehlt. Besonders scheint er die Blätter von Rehn (von dem er sich 15 Blätter hat machen lassen), Schenke (12), Fingesten, Ritter, Speth und Ubbelohde mit je 7 Exlibris zu schätzen, aber auch Büttner, Geiger und Michel sind mit je 5 Buchzeichen vertreten: Vorlieben, die auch heutige SammlerInnen älterer Blätter so teilen können. Übrigens dominieren Schenke, Rehn und Fingesten auch die Liste der PF’s.

Der Katalog ist den Tagungsteilnehmern in Wetzlar als Gabe überreicht worden. Der Untertitel lautet Exlibris für bekannte Eigner – Teil 1; da darf man auf Folgebände gespannt sein.

(Ulrike Ladnar)