Aufsatz von Ulrike Ladnar…

Aufsatz von Ulrike Ladnar im Heft 233 der Marginalien mit dem Titel „Hat Mona Lisa Zahnschmerzen?“ über „Bildzitate im modernen Exlibris“

Ausgehend von einer freien Grafik Leo Leonhards, auf der ein „Weißbinder eine Wand streicht, auf der sich bekannte Figuren Michelangelos tummeln“, spürt die Redakteurin des DEG-Jahrbuchs, Ulrike Ladnar, der Manier des Bildzitats im modernen Exlibris nach – und erläutert zunächst, inwiefern „für das Exlibris als Form der Gebrauchsgrafik andere Gesetze [gelten] als für die freie Grafik“. Da in der Exlibriskunst ein vergleichsweise „viel breiteres und fast uferloses Repertoire“ aufzufinden ist, konzentriert sie sich „als Beispiel für die Kraft des Zitats“ auf eine Epoche, nämlich die italienische Renaissance, und da auch diese ein weites Feld ist, auf die beiden exponierten Künstler Leonardo da Vinci und Sandro Botticelli.

Zunächst Leonardo und sein Vitruvianischer Mensch – zitiert in einem Exlibris des polnischen Grafikers und Kunstprofessors Krzysztof Marek Bąk, das er für seine Frau Katarzyna Handzlik entworfen hat. Ulrike Ladnar erklärt schlüssig, dass es Bąk „nicht um Kritik und Huldigung, nicht einmal um einen neutralen Kommentar [… zu Leonardo], sondern um die pragmatische Nutzung tradierter visueller Motive und ihrer in Jahrhunderten entwickelten Konnotationen als Bezugsrahmen für die eigene Arbeit“ geht.
Auch in dem zweiten vorgestellten Exlibris steht der, hier stark verfremdete, Vitruvianische Mensch im Mittelpunkt, radiert von dem Schweizer Philipp Roger Keller (der inzwischen leider nicht mehr künstlerisch tätig ist). Es trägt den Titel Homomensura und ist eines von acht Blättern (auch Titelblatt) einer 1999/2000 entstandenen Mappe Kellers mit dem Titel Millennium – l´homme du nouveau millénaire, in der er „Themen wie Frieden, Macht, Schöpfung, Wandel“ behandelt. Dieses Blatt bezeichnet Keller selbst „als ein Exlibris für den neuen Menschen“.
In den weiteren ausgesuchten und pointiert interpretierten Exlibris geht es um Botticellis Geburt der Venus, aufgegriffen von Oleksiy Fedorenko (Ukraine) für Willem van de Weerd, und von Maria Maddalena Tuccelli (Italien) für Rosemarie Aschenbach. Sodann um Leonardos Mona Lisa, verwendet von Zoltan Vén (Ungarn) für Dr. Raija Ruskoaho und von Frank-Ivo van Damme (Belgien) in seinem „Exlibris Ideale Leonardo da Vinci“, auf dem auch noch einmal der Vitruvianische Mensch auftaucht.

Ulrike Ladnar: Hat Mona Lisa Zahnschmerzen? Bildzitate im modernen Exlibris, in: >Marginalien … Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, hrsg. von der Pirckheimer-Gesellschaft im quartus-Verlag, Bucha bei Jena, 233. Heft. 2019/2, S. 22–28.

(Henry Tauber)

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