Exlibris des Monats August

Exlibris des Monats August: Hanna Głowacka: Exlibris für Emil Kunze, Radierung und Aquatinta, 2005

August – das ist Sommer. Sommer – das sind Ferien, das ist Urlaub, das sind Reisen, sonnige Tage am Strand oder zuhause auf dem Balkon oder in Parks und Gärten. Gesellige Grillabende, laue Abende in Straßencafés oder in gemütlichen Straußenausschänken. Auf jeden Fall: sich frei fühlen, draußen sein, Spaß haben.

An vielen Orten ist es auch die Zeit der Freilichtbühnen – einer anderen Form des Theaters während der offiziellen Theaterferien der Schauspiel- und Opernhäuser. Theater im Freien: in romantischen Innenhöfen, vor imposanten Naturkulissen oder malerischen Schloss- und Klosterruinen. Oft entspricht das Programm der Aufführungen der sommerlichen Atmosphäre der Schauplätze; es werden mehr Komödien als Tragödien gespielt, die Stimmung im Zuschauerraum ist erwartungsfroh, entspannt, heiter. Man will nicht nur das Theaterstück, die Schauspielkunst und Regieführung genießen, sondern eben auch den schönen Ort und den schönen Sommerabend; meist ist es noch am Ende der Aufführung ein wenig dämmrig.

Eines der besonders häufig gespielten Stücke bei diesen Gelegenheiten ist Shakespeares Komödie Sommernachtstraum. Der Reiz dieser Komödie besteht in dem raschen und unvorhersehbaren Aufeinandertreffen von Personen aus unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen (Herrscher, Liebende, Elfen und Handwerker). Theseus, der Herzog von Athen, will die Amazonenkönigin Hippolyta heiraten; die Hochzeitsvorbereitungen sind in vollem Gange. Da platzt ein Athener Edelmann herein, Egeus, der den Herrscher um Beistand bittet. Seine Tochter Hermia soll Demetrius heiraten, ist aber in einen anderen, nämlich in Lysander, verliebt. Hermias Freundin Helena wiederum liebt den von Hermias Vater für diese bestimmten Demetrius. Theseus legt Hermia Gehorsam gegenüber dem Vater auf, und diese beschließt, mit Lysander zu fliehen. Dazu verabredet sie sich mit dem Geliebten für den folgenden Abend im Wald. Dort proben bereits sechs Athener Handwerker für die Aufführung einer tragischen Komödie, die sie bei der Hochzeit ihres Herzogs darbieten wollen. Versteht man bislang die Handlung und die Vorhaben, Pläne, Geheimnisse und Sehnsüchte der vielen Personen, so kommt es im Laufe der Handlung dann im nächtlichen Wald zu vielfältigen komischen, tragischen und grotesken Zusammenkünften, Vorfällen, Verwandlungen (so erhält einer der Handwerker, Zettel, einen Eselskopf), Verwechslungen und Missverständnissen, in die sich außerdem noch ein Puck und die Elfen und deren Herrscherpaar Oberon und Titania mit allerlei Zauber und einem Liebesnektar einmischen; letzteren träufeln sie teils irrtümlich, teils aber auch vorsätzlich auf die falschen Personen. Die Verkleidungen der Schauspieler tun ein Übriges. Wer ist in dieser Nacht wer? Und wer spielt wen? Und wer liebt wen? Und wer liebt nur als Folge eines Zaubers? Und wessen Liebe ist darüber verflogen? Und wer vermag sich nach vielen Verstrickungen und Verwirrungen wieder zurechtzufinden und zum richtigen Partner zurückzufinden? Das alles lässt sich in wenigen Sätzen nicht zusammenfassen, aber ein Zitat aus dem Stück kann diese Zusammenfassung überzeugend leisten:

„Die Liebe sieht nicht, sondern träumt und sinnt,
Drum malt man den geflügelten Amor blind.
Auch hat ihr Traum von Urteil keine Spur:
Flügel und blind! So hastet Liebe nur,
Die Liebe, die man oft ein Kind drum nennt,
Weil ihre Wahl sich kindisch oft verrennt.“

Auch Hanna Głowacka ist in ihrem Exlibris für Emil Kunze eine Art Zusammenfassung der Komödie gelungen: Da sitzt der eselsköpfige Zettel, an einen Baum gelehnt, und in seinem Schoß ruht die Elfenkönigin Titania. Hinter diesem spärlich bis kaum bekleideten Paar (Shakespeare-Kenner mögen wissen, dass beide von Puck auf Befehl Oberons so manipuliert worden sind, dass sie sich in dieser romantischen Situation befinden) tummeln sich in dem von Sternen erleuchteten Wald paarweise Liebende und einsame MondanbeterInnen, die dem Zauber der Sommernacht oder dem Zauber des Nektars oder auch dem Zauber der Liebe verfallen sind.

Die DEG wünscht Ihnen erlebnisreiche sommerliche Theaterabende im Freien, dabei kann auch das folgende Zitat Shakespeares zur Orientierung beitragen: „Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab“.

(Ulrike Ladnar)

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